Drachenrose

Dunkelheit

Drachenerde






Grundlage aller dieser Zeilen ist eine persistente schizoide Persönlichkeitsstörung mit pessimistischem Wirklichkeitsbezug.

Gedanken einer bösen Zeit 02/94

Söldner im Anschlag

lautgetupftes Magendrücken weist uns hin auf Bosnien
blutbespritztes Palästina sieht man auf dem Röntgenschirm
Ultraschall im vierten Monat speit uns an die UNITA
kotz ich früh am Morgen schon, war es die Sowjetunion
Mexiko im Knochenmark drückt mir auf den Stuhlgang hart
braungepeitschtes Menschenfleisch stinkt in Ghettos rot  
Ich glaub, mir wird es besser geh’n, wäre ich schon tot.
Wahnwitzstinkende Enzyme fressen sich ins Hirn hinein,
menschlichkeitsverwesende Gedanken tropft wie Kacke mir vom Bein.
Kommt ihr jetzt nicht angerannt, seid ihr alle gleich verbrannt.
Eins, zwei, drei, vier
und raus seid ihr!                                      

Robert Rotfurz
Bildungswerk “Apokalypse jetzt”

Warum? (07/95)


Schau doch mal aus dem Fenster raus,
die Welt ist doch so schön.
Der Bussard hockt auf einem Mast
und wartet dort auf Beute.

Ein Milan gleitet schnell dahin,
ihm geht es ebenso.
Das Rehkitz duckt ganz nah der Ricke
so tief wie ’s geht ins Gras.

Nicht weit von hier, über dem Dorf,
steh’n Regenbogen, gleich zwei Stück.
So wunderbar ist diese Welt,
ich werde fast verrückt.

Doch auf der andern Seite dieses Balls
ist jetzt grad Donnerwetter.
Dort spielen Menschen göttergleich mit Kräften des Atoms.
Warum?

Meik Mururoa

 



Falke



Reh









NUCLEAR

der Vollstrecker (07/98)

    Rosenrot und fingerdick
    schäumt es aus seiner Kehle.
    Äthergleich und blitzesschnell
    entschwebt nun auch die Seele.
    Der Körper
    war schon lange tot,
    hat’s nur noch nicht gewußt.
    Mein Messer
    endlich ihn erlöst,
    er sich nun nicht mehr quäle.


Weihnacht (12/98)


    Es weihnachtet,
    oh welch ein Graus
    ich sitze ganz allein zu Haus.

    Die Frau lief weg,
    nahm Kinder mit,
    sehr lustig feiern sie zu dritt.

    Ich könnte jammern,
    heulen vor Schmerz,
    zerbersten wird mir nun das Herz.

    Die zweite Flasche
    ist schon leer,
    jetzt hole ich mein Schießgewehr.

    Die Mündung
    in den Schlund gedrückt,
    hat dieses Fest mich voll entzückt.

     

tiefer Herbst (11/02)


Himmel tot und fahl
bereitet mir nur Qual.
Schlaffe Glieder, matter Geist,
aller Lebensmut vergreist,
kann nicht weinen,
kann nicht schrei'n,
lieg hier einfach rum,

allein!

erlöst (05/04)


Am Horizont
die rote Sonne sich erhebt,
ihr Licht
erhellt die Welt!

Verbrannt und tot,
geschändet liegt sie offen,
kein Leben mehr,
auch die Söldner
kehren nicht zurück.
Ascheregen rieselt,
bedeckt den Boden grau,
verhungernde Feuerzungen
lechzen nach Futter.
Nichts weiter,
das noch erinnert,
an den Fluch
der vergangenen Jahrhunderte
-
den Menschen!

Drachenfeuer (10/05 - 07/13)


Stille unnatürlich
zwängt ein meine Seele.
Keine Hilfe
von den Wächtern des Lichts.
Drachentreues Herz
nur für mich noch schlägt.

Regen rinnt den Himmel runter,
löscht das Feuer meines Drachen.
Versuch verzweifelt und erschöpft
es von neuem anzufachen.

Stimmen rufen        (07/13)
herrlich Klang,
geben Mut und Kraft.
Auch meine Drache
leuchtet wieder,
haben's doch geschafft.

Regen rinnt den Himmel runter,
löscht das Feuer meines Drachen.
Doch mit Hilfe und mit Kraft
ist es wieder anzufachen.

Gedanken einer bösen Zeit 2 (07/13)

Soldat

Durch die Zeit treibt mich der Fluch
eigentlich hab ich genug.
Syrien ist dran bluten,
Menschen sind Euch scheißegal.
Mali stinkt vor Wahnsinnseiter,
doch Ihr tötet einfach weiter.
In Libyen Gadafis Erben
streiten um ein Haufen Scherben,
schau ich nach Afghanistan,
tun mir leid die Taliban.
Es geht um „Demokratieexport“,
niemand glaubt Euch dieses Wort.
Sudan, Iran, Kuba und Jemen
wollt ich nebenbei erwähnen.
Cobalt, Steine, Öl und Gold,
das ist alles, was Ihr wollt.
Snowden, Manning wollt vernichten,
weil sie über Euch berichten.
Gibt nur eine Frage, die sich stellt,

... seid Menschen Ihr?
… von dieser Welt?


perfekt (07/13)

Die Nacht
liegt nackt und bloß vor mir,
ganz leise rauschen Wälder.

Die Wolken
träge, schwer, verharren auf dem Fleck.
Im Dunkel liegen Felder.

Die Eule
schwebt samtweich dahin,
schlägt lautlos ihre Beute.

Die Welt
erscheint mir gerad perfekt
ohne die Menschenmeute.


lieber mal zuhören?

Erkenntnis 12/13


Weheklang und lautes Schreien
kommt aus meinen Ländereien,
passiert sind dort gar böse Sachen,
angerichtet von dem grauen Drachen!
Aus den Bergen kam er her,
wo der Himmel dunkel schwer.

Um mein Land nun zu befrieden,
muss ich dieses Tier besiegen.
Ich legte an Helm, Panzer, Schwert
und stieg auf mein weißes Pferd.
Durch mein jetzt karges kaltes Land,
verödet, verdorrt, verbrannt,
ziehe ich auf öden Wegen
diesem bösen Tier entgegen.

Dreckig Wasser, trocken Brot
bewahrt den Reiter vor dem Tod.
Morpheus flieht mich in der Nacht,
das Leid hätt’ mich fast umgebracht.
Fange an, zu fantasieren,
von gar vielen grauen Tieren

und sie fangen an zu sprechen:
„Nein, wir wollen uns nicht rächen!
Doch du kannst uns nicht besiegen,
musst dich erst mal selbst befrieden!
Wird nur eines durch dich sterben,
wirst du seine Qualen erben!
Solltest du uns alle töten,
geht dein Leben auch gleich flöten!

Wir sind du und du bist wir,
nicht nur irgendein Getier,
bist du nicht im Gleichgewicht,
gönnen wir dir Ruhe nicht!
Hast du es endlich doch gefunden,
beenden wir die bösen Runden.“

Wachte auf und kniete nieder,
Demut fuhr mir in die Glieder.
Wachsam, achtsam – Körper, Seele,
auf das mich nun nichts mehr quäle,
sollte doch mein Leben laufen.

Weiß nur immer noch nicht, wie?

wirr im Kopf (03/2014)


Grübel, grübel,
mir wird übel,
schneid das Fleisch zum Mittagstisch.

Denken, denken,
nicht ablenken,
auch die Zwiebel ist jetzt klein.

Pfeifen, pfeifen,
Kopf einseifen,
in der Pfanne brutzelt’s toll.

Tränen, Tränen,
ohne schämen,
würzen dir dein Leibgericht.

Grübel, grübel,
ins Hirn den Dübel,
beendet alles Denken jetzt!


Herbstdepri 12/2015


Dunkel draußen
falsche Töne
sehe nichts
nur falsch Gestöhne

Dunkel drinnen
Todesstille
spüre nichts
da ist kein Wille

Ein Dazwischen
gibt es nicht
bleibt so dunkel
kommt kein Licht



Paradigma III 07/2016


Harte Schale aufgeweicht
und den zarten Kern erreicht,
schießt Stacheln, Pfeile nun hinein,
schmerzend tief, einfach zum Schrei’n.
Zuckend, kreischend krümm ich mich
unter jedem neuen Stich.

Aus mir fließen Rotz und Tränen,
ihr macht weiter ohne Schämen!
Und vor lauter Pein und Not
mache ich mich selber tot,
Herz versteinert, kalt und bös,
macht kein Stachel mehr nervös.

Doch auf der Haut, dem blöden Ding,
ich die Schmerzen noch empfing.
Um Euch endlich nun zu dissen,
hab ich sie mir vom Leib gerissen.
Liebe kenn ich nur als Wort,
mein Herz ist nun ein kalter Ort,
ganz egal, wer mich berührt,
ohne Haut wird nichts verspürt.

Nie erlebt ihr, dass ich weine,
doch ich lebe nicht alleine.
Näherst du dich an mit Scherzen,
schick ich dir die alten Schmerzen.
Starker Hass liegt auf der Lauer,
ersetzt die Liebe dann auf Dauer.
Wünschst du einen guten Morgen,
tu ich dich mit Schmerz versorgen.
Wünsch ich dir ne gute Nacht,
hat der Hass dich umgebracht.

In meinem kleinen dunklen Garten
immer noch zwei Löcher warten,
eins für Schmerz, eins für Hass,
niemals wächst dort wieder Gras
doch mein Herz will wieder spüren,
wie es ist, dich zu verführen.

Nur viel Zeit kann es erreichen,
das mein Herz tut neu erweichen.
Frische Haut muss mich bedecken,
dass ich spüren kann dein Lecken.

Es verstreichen Lebensrunden
mit dem Heilen alter Wunden.
Dies tut mich doch sehr verdrießen,
wollt mein Leben stets genießen.


dunkel 01/2017


Dunstig, dunkel
wird die Sicht,
hinterm Berg schon
ist das Licht.

Schatten
legt sich auf das Land
Helligkeit
ist hier verbannt.

Nur durch
kalten, weißen Schnee,
ich
die Hindernisse seh.

Dunkel, kalt
ist auch mein Herz,
denn so
spür nicht den Schmerz.

Ließ mich
wieder mal betrügen
von deinem
Lächeln, deinen Lügen.


Gedanken einer boesen Zeit 3 01/2017

Söldner im Anschlag

Hui, was ist denn das da draußen?
Drohnen durch die Lüfte sausen,
lassen die Geschosse starten
und zerfetzen Nachbars Garten.

Heute früh im Morgengrauen
hatten Bomber rein gehauen.
Nachbar liegt in seinem Keller,
weil die Bomben waren schneller.

Seine Frau, lodernd in Flammen,
war dort neben ihm gefangen.
Kinder zerfetzten mit Gekreisch,
Luft stinkt hier nach Menschenfleisch.

Jetzt wird es langsam wieder leise,
Drohnen verlegen ihre Kreise.
Kann dem grünen Halbmond winken,
bevor weitere Bomben ausklinken.

Wenn Drohnen weg, fliegen Granaten,
lassen uns im Blute waten.
Landminen und Sturmgewehre
machen ihrem Namen Ehre.

Es spielen Krüppelkinder in Ruinen,
Söldner nur dem Tode dienen.
Flüchten können nur die Starken,
doch tut niemand sie erwarten.

Gut verstreut auf dieser Erde
liegen diese Todesherde.
Kämen sie zu uns nach Haus,
wär es mit unserm Leben aus.

Doch Syrien, Mali, Afghanistan
machen wir uns untertan.
Schießt doch weiter, ist weit weg,
kümmert uns hier einen Dreck!?


nach Unten 11/2017


Draußen weicht die Wärme,
in mir ist es kalt,
grollen durch die Därme,
so werd ich nicht alt.

Hirnbalken wird blockiert,
denk nur mit linker Seite,
die Wirklichkeit erfriert,
mit mir selber streite.

Ja, das Loch ist weit noch offen
und mein Herz ist leer,
brauch nicht mehr auf Liebe hoffen,
denn du kannst nicht mehr.

Dieses Loch fängt an zu saugen,
bin ein leichtes Ziel.
Zuerst verliere ich die Augen,
ist kein schönes Spiel.

Deine Hände, die du bietest,
sind mir unsichtbar.
Selbst wenn du mich nicht verrietest,
bin ich unhaltbar.

Niemals hab ich mich getraut,
zu sagen, was ich liebe,
Sonne wärmte mir die Haut,
jetzt gibt’s dafür Hiebe.

Dieses Loch saugt mir das Fell,
gar nichts mehr ich fühl.
Ohne Augen wird’s nicht hell,
ohne Haut noch kühl.

Nette Stimmen wollen locken
mich aus diesem Schlund.
Meine Ohren einfach blocken,
Lauscher werden wund.

Pheromone mich erreichen,
kann sie nicht mehr deuten,
Hirn ist jetzt voller Leichen,
Totenglocken läuten.

Kann nicht hören, fühlen, sehen.
Bin nun fern vom Leben.
Ihr könnt euch wenden oder drehen,
hab mich aufgegeben.


Loch in der Zeit 09/2018


In meinem Kopf die Funken fliegen, 
von Panzern, die dort Kreise ziehen.
Ich bin in mir und komm nicht raus, 
ihr wollt mich nur bekriegen.

Die falsche Zeit, die gibt es nicht, 
schon mehrmals war ich dort.
Das Einhorn trug mich weit hinauf, 
mein Wolf brachte das Licht.

Die Welt erscheint mir aus den Fugen, 
nichts läuft, wie es soll.
Der Therapeut gab mir die Schuld, 
bevor sie ihn erschlugen.

Der Schlund war gut verschlossen, 
so dacht ich gut gelaunt.
Unverdrossen kam der Winter, 
vereist blitzschnell die Sprossen.

So lang lauf ich der Zeit schon weg 
und nun hat sie gewonnen.
Schneid in die Seele und die Haut, 
ein warmer roter Fleck.

Der Mensch an sich ist ja ganz gut, 
die Sensationsgier nicht.
Gern anders gleich möchtet ihr sein, 
ersauft in meinem Blut.

Ganz tief lässt er mich fallen, 
vergiftet ist mein Drache. 
Wir schlagen fast gemeinsam auf, 
es trauern die Vasallen.

Schnauze voll 04/2019


Was ich mit sieben Leben soll,
wird sich mir nie erschließen.
Eiternd Striemen tief im Schädel
zugefügt vom liebsten Mädel,
spür ich nicht, so ausgebrannt,
mit dem Dolch in meiner Hand.

Zuviel Nähe ist gefährlich,
niemand ist hier wirklich ehrlich.
Gelber Sud tropft aus den Lichtern,
mindert nur den Druck im Kopf.
Gerne würde ich dich hassen,
kann den Hass doch niemals fassen.

Muss mich also selber strafen,
Blicke nur daneben trafen.
Zieh den Dolch nun durch mein Leder
und mein Geist wird eine Feder.
Dieser Boden färbt sich rot,
endlich bin ich wirklich tot.

Depression 04/2019


Als es wieder hektisch wurde,
fiel ich aus der Zeit,
keine Ahnung, wie das ging,
war nicht mehr bereit.

Schaute euch noch zu
mit dem Stress, Smog, Frust.
Berührte mich nicht,
euer Schaffen ohne Lust.

Ich lebte mit, doch neben euch.
Ich kann es nicht erklären.
Ich küsste euch, doch wirklich nicht,
ihr ließet mich gewähren.

Will mein Leiden schildern,
greif nach Worten zum Sortieren,
kommen aus ‘ner andern Zeit,
ist nicht einfach zu kapieren.

Mein Mund zeigt ein Lachen,
in mir herrscht Gefühlsdiät,
eigenartig auch der Sex,
mechanische Rationalität.

Ist kein Leben, ist kein Leiden,
ist nur reine Existenz,
bin zu schwach, es zu beenden,
läuft mit fallender Tendenz.

Straffe Haut kann lügen,
bin nur fett von den Tabletten,
volle Dosis Tag für Tag,
bin wahrscheinlich nicht zu retten.

Einfach aus der Zeit gefallen,
manchmal schlaf ich in der Nacht,
warte schon ein Leben lang,
hast du Erlösung mitgebracht?

Widerspruch II? 05/2019


beschenkte die Bekloppten
bettelte stumm
schrie meinen Schmerz
scherzte weinend

tanzte mit dem Tod
trotzig erhaben
liebte dein Lachen
lustvoll genießend

lass mich lügen
lasziv blinzeln
Wahrheit nicht wichtig
wollen beherrschen

herrschen über Hilflose
heimlich verdummen
funktioniert ganz friedlich
feine Gesellen

vermutlich nicht verschworen
verdammt clever
stürmisch sie stören
strebsames Leben

täuschen uns tödlich
tendenziell unbemerkt
schwebende Schleier
schieben wir weg

staunend keiner schaut

Menschizide 05/2019


Ich steh im Wald, ich bin ein Baum
verwurzelt in der Erde.
Ich habe Angst um meinen Wald,
dass jemand ihn verderbe.

Ich spür die Furcht, weiß nicht wovor,
von meinen Artgenossen.
Da ist etwas, das ist nicht gut,
so haben wir beschlossen:

Wir holen Pilze noch dazu
und auch noch Mikroben.
Wir planen unsre Strategie,
keiner wird uns roden.

Allergen und pathogen
werden wir beginnen,
zerstören auch die Bausubstanz,
Häuser euch zerrinnen.

Menschizide ohne gleichen
lassen euch verrotten,
nur Ruinen bleiben stehn,
hindurch Tiere trotten.


das Haus 08/2019


Im tiefen grünen Tann,
da steht ein Haus abscheulich,
so dunkel, schwarz geschahen
dort Taten einfach gräulich.

Im Mittelalter wohnten dort
Eli und Lana Levi,
doch sie mussten sterben, 
die Pest weiter gedieh.

Zigeuner lebten länger drin, 
mit 26 Kindern, 
ne Fackel löschte alle aus, 
Pastor vergab den Sündern.

Paul baute es dann wieder auf, 
im Dorf war man entzückt, 
die Hannah zog noch mit zu ihm, 
ein bisschen schräg verrückt.

Das Schreien und das Kreischen dort 
wollt man im Dorf nicht hören, 
wenn Paul schlägt und Kinder fickt, 
sollte man ihn nicht stören.

Unlängst man errichtet hier 
ein Heim für Asylanten. 
Doch niemals zogen diese ein, 
weil sie ‘s davor verbrannten.

Im tiefen grünen Tann
da steht ein Haus abscheulich,
so dunkel, schwarz geschahen dort
Taten einfach gräulich.

Natürlich steht das Haus noch dort
im heilen deutschen Land,
kein Stolperstein erinnert uns, 
ans Grauen, das verbrannt.


Denkfehler 09/2019


Ich wollt nur deine Liebe
und schlug dir ins Gesicht,
viel mehr hast du erduldet,
doch Liebe wurd es nicht.

Ich schrieb Dir meine Regeln
aufs Wasser hier im Fluss.
Du hast sie nicht gelesen,
zu meinem tiefst Verdruss.

Wie kann ich nur erzwingen,
die Liebe, die ich brauch,
ich weiß ganz genau,
du willst sie schließlich auch.

Ich hab dich überschüttet
mit Geschenken und Gewalt.
Ich konnt es nicht verhindern,
die Liebe wurde kalt.

Als ich dich dann gebrochen,
da wurd mir langsam klar,
nach Jahren nett mit dir,
dass ich nicht glücklich war.



Servants Dank 11/2019


Herr, ich hab dich auserkoren
und ich hab auf dich geschworen,
zu tilgen hier der Menschheit Leid.
Herr, ich lobe dich und preise
deine fürsorgliche Weise,
gibst mir täglich Bier und Brot.

Herr, du linderst meine Schmerzen,
leider nicht in meinem Herzen.
Doch du kümmerst dich, oh Dank.
Herr, ich kenne deine Güte
und so manche giftge Blüte
darf noch stehn und Hass versprühn.

Herr, ich diene dir seit Jahren
und ich musste früh erfahren,
ich bin dir doch scheißegal.
Hielt mich stets an deine Schriften,
du erhöhtest die Bekifften,
ich räum dann die Scheiße weg.

Manches wollt ich gern verbessern,
doch du stichst mit tausend Messern
in mein Herz und meine Seel.
Herr, bist du eine Fiktion?
Menschenwahn, Menschenhohn?
So kannst du nicht wirklich sein!?

Du lässt deinen Menschensöhnen
durchgehen, dass sie dich verhöhnen
und trittst deine Diener noch?
Menschen sind es, die mich bücken
und tief in den Dreck mich drücken,
warum stehst du mir nicht bei?

Glauben soll mich aufrecht halten?
Hurensöhne mich verwalten?
Das kannst du nicht wollen, Herr!?
Herr, mein Herz ist ausgebrannt,
schau ich auf das deutsche Land.
Politik gegen das Volk.

Ja, mein Kopf ist leicht verklemmt,
was mich langsam stark enthemmt,
Amok, Anschlag, Terror jetzt!
Mein Glauben an Gerechtigkeit
tut geknechtet mir nun leid.
Amok, Anschlag, Terror jetzt!

Herr, sei froh, dass ich nur schreibe,
was ich täglich hier erleide,
dankend dien ich weiter dir!



das Wort 11/2019


Der Eine,
der das Wort erfand,
erstickte jeden Widerstand.
Es wuchs das Wort
und wurde Wahn,
ein potenziell Vernichtungsplan.

Divergente
Meinungsströme
ersterben mit lautlos Gestöhne.
Auch die
kausale Logik starb,
weils die Semantik ganz verdarb.

Des Wortes Sinn
erschließt sich nicht.
Gut und Böse ohne Licht.
Dies Wort,
es dient, moderner Trend,
als prima Totschlagsargument.



Rauhnacht 12/2019


Der Sinn des Lebens mir entschwand,
aus mir kam kein Widerstand.
Gefühle flach und kaum vorhanden,
auch der Geist hat s nicht verstanden.
Ohne Alkohol und Pillen
hab ich einfach keinen Willen.

Gar heftig rauscht der Buchenwald,
der wilden Jagd ist s nicht zu kalt.
Anderwelt ist offen weit,
sich zu besinnen ist jetzt Zeit.
Die Nacht ist heilig, sprach der Herr,
elfe folgen hinterher.

Es ächzt und knarrt im Eichenhain,
der Herbststurm küsst die Kronen.
Ich will hier nicht alleine sein,
muss sich das Leben lohnen?
Sonne komm, oh gib mir Kraft,
ich erstick im eignen Saft!

Meine Augen blicken leer
auf das bunte Lichtermeer.
Ihr auf die Erlösung wartet,
in mir Ragnarök schon startet.
Wilde Jagd die Messer schliff,
Rauhnacht hat mich fest im Griff!



sterben üben 04/2020


Lag im Bett, fand nicht raus,
nickte wieder weg.
Ruhig war‘s im Haus,
schäm mich vor mir selbst.
Bin zu schwach für diesen Tag
und auch schon für morgen,
glaube, dass mich niemand mag,
tut mir gar nicht weh.

Einer meinen Willen frisst,
unsichtbarer Krebs,
scheißverdammter Hirnsbockmist,
Liebe ohne Licht.
Wie sollt ich mich denn belügen,
ein unmöglich Ding.
Bin hier g’rad am Sterben üben,
leider nur allein.

Neurosoziales Fasten
schafft nur selten Nähe.
Welch Verrückter sollt hier rasten,
trockener Autist?
Blick mir in die Augen tief,
glanzlos, leer und stumpf.
Nein, ich bin nicht depressiv,
nur grad nicht gut drauf.

Frau Tödin kam heut früh vorbei,
Erinnerungstermin.
Ich sei ihr nicht ganz einerlei,
heut mal schön anzieh’n.
Hol mich aus der großen Leere,
bring mich nur hier weg.
Hab schon lange keine Ehre
und auch keine Kraft.

Mit Hein und Tödin kann ich scherzen,
sanft kosend sie mich tragen,
endlich ohne Angst und Schmerzen
fühle ich nur Dankbarkeit.

Ist es wirklich nun zu End,
stellt sich hier die Frage
oder hab ich nur verpennt,
tot grinsend auf der Trage?

(danke Frau Jasmin Schreiber – www.sterbenueben.de)


tödlicher Versuch 05/2020

wollte alles wissen
weise sein
Kräuter geben Kräfte
krachend gescheitert

wollte tief wühlen
Wahnsinn gewesen
beherrscht mich befreite
blutete auch

stark ich stöhnte
stehend noch
kreischend mich krümmte
kriechend flach

Drogen tief dringen
dröge erstarrt
Neuronen schalten nostalgisch
niemals so geträumt

Funken tief fliegen
faszinierend leise
still und stumm
starren Augen


Traumland 11/2020


Ein Land, das niemand je gesehen,
sah ich, vor meinen Augen stehen.
Es war so düster, kahl und leer,
als gäbe es kein Leben mehr.

Gestalten schlichen dort hinfort,
schleppten sich von Ort zu Ort.
Kinder stumm in ihren Ecken,
graue Matten sie bedecken.

Keine Küsse und kein herzen,
auch kein Leid und keine Schmerzen,
niemand hatte hier Gefühle.
Es herrschte eine flache Kühle.

Gelegentlich ein kleines Flimmern
mit nem absichtslosen Wimmern
flackert aus ein paar Synapsen,
kamen immer gleich ans Jappsen.

Und ich sah, es war kein Land,
indem ich mich hier befand,
dieses Eiweiß depressiv
steckt in meinem Schädel tief.



alle schliefen 11/2020


Irgendwann treibt der Wind
einen Virus durch das Land.
Ein Spektakel trägt die Liebe.
Alles Leid wird weg gebrannt.
Blitze leuchten in der Schlucht,
Tränen regnen auf die Mauern,
dort im Tempel gibt es Schutz,
ewig soll die Liebe dauern.

Trägt das Mal mit Tatverdacht,
alle sollen glauben,
hat die Sonne ausgemacht,
dunkle dichte Hauben!

Irgendwo schreit das Kind
dieses Leiden durch die Luft.
Es sind harte Qualen,
Elternliebe ist verpufft.
Tränen härten den Beton,
es wird dunkle Nacht,
die Kerzen sind erloschen,
Gott wird ausgelacht.

Trägt das Mal mit Tatverdacht,
alle sollen glauben,
hat die Sonne ausgemacht,
dunkle dichte Hauben!

Irgendwer schlägt die Frau,
Schmerzen spürt sie nicht.
Stirbt der Liebesglaube,
weinend Herz zerbricht.
Kalter Sturm zeigt auf, was kommt,
gutes kann’s nicht sein.
Entblößt das Haupt, neigt euch stumm,
fangt nicht an zu schrei’n!

Trägt das Mal mit Tatverdacht,
alle sollen glauben,
hat die Sonne ausgemacht,
dunkle dichte Hauben!

Irgendwie hält das Reich
uns in seinen Ketten.
Lachen ist verloren
in den grauen Städten.
Grausame Parolen
brüllen in die Schädel.
Läuft ihr von den Schenkeln,
blutbesudelt Mädel.

Trägt das Mal mit Tatverdacht,
alle sollen glauben,
hat die Sonne ausgemacht,
dunkle dichte Hauben!

Irgendwann treibt der Wind
ein Vakzin durch dieses Land.
Die Impfung puscht den Hass,
knallt den Kopf gegen die Wand.
Schon immer doch dagegen,
obwohl sie lange schwiegen.
Unter der Hitze der Angst
kam Aufstand zum Erliegen.

Trägt das Mal mit Tatverdacht,
keiner wollte glauben,
hat die Sonne angemacht,
dunkelrote Tauben!



Sprunggedanken 01/2021


Gedanken sind verwaschen, 
schlüpfen durch die Maschen 
von denken und bewerten, 
erzeugen Lichtgefährten.

Täglich ein bisschen sterben, 
Gefühle tief verbergen, 
obdachlose Ausgangssperre 
trifft die Schwächsten mit Gezerre.

Maske verdeckt mit Tuch im Gesicht, 
wahrgenommen wurd‘s auch früher nicht. 
Mit niemandem hast du Kontakt, 
gesundheitsfürsorglich verpackt.

Maskenaktien sind am Steigen, 
tanzen einen Börsenreigen.
Bullenmarkt der Pharmazie, 
Knete fehlte dort noch nie.



dunkle Träume 03/2021


Im tristen Traum verfangen
garstige Gestalten
wirre Worte hallten
leer ins Licht gegangen

Meute auf der Jagd
kühle Konferenzen
Meinungsdivergenzen
Urteil wird vertagt

stures stilles Starren
staunend Stehen
stummes Stöhnen
schändlich schaurig scheu

trägt die dunklen Träume
schwarzmondhell
und dämmerfeucht
in renitente Räume

unnachahmlich Kopfkino
läuft undenkbar
unbeschreiblich
unansehnlich sowieso

keine Farben mehr vorhanden
kalt, hell, dunkel, grau
niemandem mehr trau
blasses Herz hat es verstanden

alle Pforten hart verriegelt
ohne Leiden, ohne Schmerz,
ohne Lachen, ohne Scherz
dunkle Träume gut versiegelt


Vater 03/2021


Du klingst wie mein Vater,
persona non grata.
Er kam aus Verona
und lag später drauf,
dabei war er Pater!



Haus Hadsbourg 03/2021


Ich trug nicht seinen Namen, 
es war auch gar nicht schwer, 
doch was mein Vater machte, 
das kränkte mich schon sehr. 

Hat meine Frau genommen 
und zeugt mit ihr ein Kind, 
so nahm ich mir die seine, 
und tat ihm gleich geschwind.

Nun hab ich eine Schwester, 
die meine Tochter ist.
Bei jedem Treuetester 
hab ich mich sonst verpisst.

Es war nicht abgesprochen, 
Söhnchen ist auch sein Enkel, 
zu klein die Welt für Stecher, 
liebten dieselben Schenkel.

Großvater, Enkeltochter, 
Sohn mit seiner Mutter, 
wir gingen trotzdem unter, 
fettes Inzuchtfutter.


Mauern 03/2021


Manche Mauern überdauern 
unzerstört Jahrhunderte.

Die Berliner wurd zertrümmert, 
in den Köpfen neu gezimmert, 
tapeziert und neu gestrichen,  
heute ist sie arg verblichen.

Fühl mich frei so arg gefangen, 
muss am Wochenende bangen, 
wird es reichen für das Essen?
Existenzen, die vergessen, 
Justin, Marion und Peter 
leben toll als freie Städter.

Und mit meinem alten Denken, 
spür ich, wie sie Denken lenken, 
täuschen euch, so frei zu sein.
Diese Freiheit ist zu klein!

Manche Mauern überdauern 
unzerstört Jahrhunderte!


Waidmanns Abend 03/2021


Die Nüstern Beute wittern,
trabe nächtlich durch die Stadt,
ein aufgehübschtes Schmalreh
scheint brünstig dort zu zittern.

Die Lichter angstgeweitet,
brav erfolgreich angekirrt,
unbeschlagen und verwirrt,
ihr Feuchtblatt Freud bereitet.


Dependenz 05/2021


Hab dich im Traum gesehn,
schlimmes war geschehn,
etwas kaltes griff nach dir,
grinsend grausam voller Gier.
Mein Schrei ungehört verpufft,
du starrst weiter in die Luft.
Biete meine Hände dar,
doch du nimmst sie gar nicht wahr.

Heulende Dämonenfratzen,
angespitzte Krallentatzen
über deiner Kehle weilten,
sich an deinem Leid aufgeilten.
Will dich greifen, will dich schütteln,
aus der Starre dich entrütteln.
Ohnmacht lässt mein Herz erstarren,
kaltes Grau um uns verharren.

Du, ein Schatten ohne Farbe,
bist in mir die größte Narbe,
die mich in der Mitte teilt
und ein Leben lang verweilt.
Kraftlos gehe ich zugrunde,
ahnte seit der ersten Stunde,
sollt dich einfach machen lassen,
nun werd farblos ich verblassen.


Mopdewetter 05/2021


Das feuchte Dorf dampft in der Sonne,
ein Kälbchen stupst das Ponny an,
feucht rinnt es aus der Wassertonne,
so friedlich still, nicht an der Lahn.

Ein Schrei durchdringt das ganze Tal.
Niemand kennt diese Stimme,
erstirbt der Schrei in gurgelnd Qual.
Die Stille ist das Schlimme!

                …

Verklungen ist der Aufräumlärm,
Schwarzasphalt mit Kreidestrichen.
Am Pfosten klebt noch Blutgedärm,
Raser sind vor Ort verblichen.