Drachenrose

Dunkelheit

Drachenerde






Grundlage aller dieser Zeilen ist eine persistente schizoide Persönlichkeitsstörung mit pessimistischem Wirklichkeitsbezug.

Gedanken einer bösen Zeit 02/94

Söldner im Anschlag

lautgetupftes Magendrücken weist uns hin auf Bosnien
blutbespritztes Palästina sieht man auf dem Röntgenschirm
Ultraschall im vierten Monat speit uns an die UNITA
kotz ich früh am Morgen schon, war es die Sowjetunion
Mexiko im Knochenmark drückt mir auf den Stuhlgang hart
braungepeitschtes Menschenfleisch stinkt in Ghettos rot  
Ich glaub, mir wird es besser geh’n, wäre ich schon tot.
Wahnwitzstinkende Enzyme fressen sich ins Hirn hinein,
menschlichkeitsverwesende Gedanken tropft wie Kacke mir vom Bein.
Kommt ihr jetzt nicht angerannt, seid ihr alle gleich verbrannt.
Eins, zwei, drei, vier
und raus seid ihr!                                      

Robert Rotfurz
Bildungswerk “Apokalypse jetzt”

Warum? (07/95)


Schau doch mal aus dem Fenster raus,
die Welt ist doch so schön.
Der Bussard hockt auf einem Mast
und wartet dort auf Beute.

Ein Milan gleitet schnell dahin,
ihm geht es ebenso.
Das Rehkitz duckt ganz nah der Ricke
so tief wie ’s geht ins Gras.

Nicht weit von hier, über dem Dorf,
steh’n Regenbogen, gleich zwei Stück.
So wunderbar ist diese Welt,
ich werde fast verrückt.

Doch auf der andern Seite dieses Balls
ist jetzt grad Donnerwetter.
Dort spielen Menschen göttergleich mit Kräften des Atoms.
Warum?

Meik Mururoa

 



Falke



Reh









NUCLEAR

darkness (06/98)

Im Hintergrund blue moon,
die dunkle Seite siegt.
Der Laser Diamant
wird nachgeladen,
die Zirbeldrüse
schwillt jetzt an,
mein Gegner gleich entflieht.
Doch schnell
vernichtet ihn die Macht.
Sauge die Säfte
in mich auf
und übernehme die Welt -

um sie
zu zerstören!

der Vollstrecker (07/98)

Rosenrot und fingerdick
schäumt es aus seiner Kehle.
Äthergleich und blitzesschnell
entschwebt nun auch die Seele.
Der Körper
war schon lange tot,
hat’s nur noch nicht gewußt.
Mein Messer
endlich ihn erlöst,
er sich nun nicht mehr quäle.


der Mensch ist gut (12/98)


Der Mensch ist gut.
Das vermutlich einzig denkende Wesen im All,
dessen Bestimmung es ist,
seine eigene Art
ohne Notwendigkeit zu quälen und zu töten.

Der Mensch ist gut.
Er erfand Gott,
um Schuld delegieren zu können.
Der Mensch ist gut.
Er schuf die Säge,
um sich selbst die Lebensgrundlage zu entziehen.

Der Mensch ist gut.
Er erkannte die Atomkraft
als wirksames Massenvernichtungsmittel.
Der Mensch ist gut.
Er technisierte die Genetik,
um Krankheiten und Seuchen selbst zu produzieren.

Der Mensch ist gut,
denn er wird die Welt,
die er misshandelt, quält und tötet,
allein von sich selbst befreien.

Effektive Menschizide machen wir doch selbst.
Der Mensch ist gut!

 

Weihnacht (12/98)


Es weihnachtet,
oh welch ein Graus
ich sitze ganz allein zu Haus.

Die Frau lief weg,
nahm Kinder mit,
sehr lustig feiern sie zu dritt.

Ich könnte jammern,
heulen vor Schmerz,
zerbersten wird mir nun das Herz.

Die zweite Flasche
ist schon leer,
jetzt hole ich mein Schießgewehr.

Die Mündung
in den Schlund gedrückt,
hat dieses Fest mich voll entzückt.

 

tiefer Herbst (11/02)


Himmel tot und fahl
bereitet mir nur Qual.
Schlaffe Glieder, matter Geist,
aller Lebensmut vergreist,
kann nicht weinen,
kann nicht schrei'n,
lieg hier einfach rum,

allein!

erlöst (05/04)


Am Horizont
die rote Sonne sich erhebt,
ihr Licht
erhellt die Welt!

Verbrannt und tot,
geschändet liegt sie offen,
kein Leben mehr,
auch die Söldner
kehren nicht zurück.
Ascheregen rieselt,
bedeckt den Boden grau,
verhungernde Feuerzungen
lechzen nach Futter.
Nichts weiter,
das noch erinnert,
an den Fluch
der vergangenen Jahrhunderte
-
den Menschen!

Drachenfeuer (10/05 - 07/13)


Stille unnatürlich
zwängt ein meine Seele.
Keine Hilfe
von den Wächtern des Lichts.
Drachentreues Herz
nur für mich noch schlägt.

Regen rinnt den Himmel runter,
löscht das Feuer meines Drachen.
Versuch verzweifelt und erschöpft
es von neuem anzufachen.

Stimmen rufen        (07/13)
herrlich Klang,
geben Mut und Kraft.
Auch meine Drache
leuchtet wieder,
haben's doch geschafft.

Regen rinnt den Himmel runter,
löscht das Feuer meines Drachen.
Doch mit Hilfe und mit Kraft
ist es wieder anzufachen.

Gedanken einer bösen Zeit 2 (07/13)

Soldat

Durch die Zeit treibt mich der Fluch
eigentlich hab ich genug.
Syrien ist dran bluten,
Menschen sind Euch scheißegal.
Mali stinkt vor Wahnsinnseiter,
doch Ihr tötet einfach weiter.
In Libyen Gadafis Erben
streiten um ein Haufen Scherben,
schau ich nach Afghanistan,
tun mir leid die Taliban.
Es geht um „Demokratieexport“,
niemand glaubt Euch dieses Wort.
Sudan, Iran, Kuba und Jemen
wollt ich nebenbei erwähnen.
Cobalt, Steine, Öl und Gold,
das ist alles, was Ihr wollt.
Snowden, Manning wollt vernichten,
weil sie über Euch berichten.
Gibt nur eine Frage, die sich stellt,

... seid Menschen Ihr?
… von dieser Welt?


Anschein (07/13)


Stehst hier ganz entspannt,
freundlich lächelnd,
Small Talk par excellence.

Schau in deine Augen,
bricht es mir das Herz,
seh nur Qual und Leiden.

perfekt (07/13)

Die Nacht
liegt nackt und bloß vor mir,
ganz leise rauschen Wälder.

Die Wolken
träge, schwer, verharren auf dem Fleck.
Im Dunkel liegen Felder.

Die Eule
schwebt samtweich dahin,
schlägt lautlos ihre Beute.

Die Welt
erscheint mir gerad perfekt
ohne die Menschenmeute.


lieber mal zuhören?

Erkenntnis 12/13


Weheklang und lautes Schreien
kommt aus meinen Ländereien,
passiert sind dort gar böse Sachen,
angerichtet von dem grauen Drachen!
Aus den Bergen kam er her,
wo der Himmel dunkel schwer.

Um mein Land nun zu befrieden,
muss ich dieses Tier besiegen.
Ich legte an Helm, Panzer, Schwert
und stieg auf mein weißes Pferd.
Durch mein jetzt karges kaltes Land,
verödet, verdorrt, verbrannt,
ziehe ich auf öden Wegen
diesem bösen Tier entgegen.

Dreckig Wasser, trocken Brot
bewahrt den Reiter vor dem Tod.
Morpheus flieht mich in der Nacht,
das Leid hätt’ mich fast umgebracht.
Fange an, zu fantasieren,
von gar vielen grauen Tieren

und sie fangen an zu sprechen:
„Nein, wir wollen uns nicht rächen!
Doch du kannst uns nicht besiegen,
musst dich erst mal selbst befrieden!
Wird nur eines durch dich sterben,
wirst du seine Qualen erben!
Solltest du uns alle töten,
geht dein Leben auch gleich flöten!

Wir sind du und du bist wir,
nicht nur irgendein Getier,
bist du nicht im Gleichgewicht,
gönnen wir dir Ruhe nicht!
Hast du es endlich doch gefunden,
beenden wir die bösen Runden.“

Wachte auf und kniete nieder,
Demut fuhr mir in die Glieder.
Wachsam, achtsam – Körper, Seele,
auf das mich nun nichts mehr quäle,
sollte doch mein Leben laufen.

Weiß nur immer noch nicht, wie?

wirr im Kopf (03/2014)


Grübel, grübel,
mir wird übel,
schneid das Fleisch zum Mittagstisch.

Denken, denken,
nicht ablenken,
auch die Zwiebel ist jetzt klein.

Pfeifen, pfeifen,
Kopf einseifen,
in der Pfanne brutzelt’s toll.

Tränen, Tränen,
ohne schämen,
würzen dir dein Leibgericht.

Grübel, grübel,
ins Hirn den Dübel,
beendet alles Denken jetzt!


Herbstdepri 12/2015


Dunkel draußen
falsche Töne
sehe nichts
nur falsch Gestöhne

Dunkel drinnen
Todesstille
spüre nichts
da ist kein Wille

Ein Dazwischen
gibt es nicht
bleibt so dunkel
kommt kein Licht



Paradigma III 07/2016


Harte Schale aufgeweicht
und den zarten Kern erreicht,
schießt Stacheln, Pfeile nun hinein,
schmerzend tief, einfach zum Schrei’n.
Zuckend, kreischend krümm ich mich
unter jedem neuen Stich.

Aus mir fließen Rotz und Tränen,
ihr macht weiter ohne Schämen!
Und vor lauter Pein und Not
mache ich mich selber tot,
Herz versteinert, kalt und bös,
macht kein Stachel mehr nervös.

Doch auf der Haut, dem blöden Ding,
ich die Schmerzen noch empfing.
Um Euch endlich nun zu dissen,
hab ich sie mir vom Leib gerissen.
Liebe kenn ich nur als Wort,
mein Herz ist nun ein kalter Ort,
ganz egal, wer mich berührt,
ohne Haut wird nichts verspürt.

Nie erlebt ihr, dass ich weine,
doch ich lebe nicht alleine.
Näherst du dich an mit Scherzen,
schick ich dir die alten Schmerzen.
Starker Hass liegt auf der Lauer,
ersetzt die Liebe dann auf Dauer.
Wünschst du einen guten Morgen,
tu ich dich mit Schmerz versorgen.
Wünsch ich dir ne gute Nacht,
hat der Hass dich umgebracht.

In meinem kleinen dunklen Garten
immer noch zwei Löcher warten,
eins für Schmerz, eins für Hass,
niemals wächst dort wieder Gras
doch mein Herz will wieder spüren,
wie es ist, dich zu verführen.

Nur viel Zeit kann es erreichen,
das mein Herz tut neu erweichen.
Frische Haut muss mich bedecken,
dass ich spüren kann dein Lecken.

Es verstreichen Lebensrunden
mit dem Heilen alter Wunden.
Dies tut mich doch sehr verdrießen,
wollt mein Leben stets genießen.


dunkel 01/2017


Dunstig, dunkel
wird die Sicht,
hinterm Berg schon
ist das Licht.

Schatten
legt sich auf das Land
Helligkeit
ist hier verbannt.

Nur durch
kalten, weißen Schnee,
ich
die Hindernisse seh.

Dunkel, kalt
ist auch mein Herz,
denn so
spür nicht den Schmerz.

Ließ mich
wieder mal betrügen
von deinem
Lächeln, deinen Lügen.


Gedanken einer boesen Zeit 3 01/2017

Söldner im Anschlag

Hui, was ist denn das da draußen?
Drohnen durch die Lüfte sausen,
lassen die Geschosse starten
und zerfetzen Nachbars Garten.

Heute früh im Morgengrauen
hatten Bomber rein gehauen.
Nachbar liegt in seinem Keller,
weil die Bomben waren schneller.

Seine Frau, lodernd in Flammen,
war dort neben ihm gefangen.
Kinder zerfetzten mit Gekreisch,
Luft stinkt hier nach Menschenfleisch.

Jetzt wird es langsam wieder leise,
Drohnen verlegen ihre Kreise.
Kann dem grünen Halbmond winken,
bevor weitere Bomben ausklinken.

Wenn Drohnen weg, fliegen Granaten,
lassen uns im Blute waten.
Landminen und Sturmgewehre
machen ihrem Namen Ehre.

Es spielen Krüppelkinder in Ruinen,
Söldner nur dem Tode dienen.
Flüchten können nur die Starken,
doch tut niemand sie erwarten.

Gut verstreut auf dieser Erde
liegen diese Todesherde.
Kämen sie zu uns nach Haus,
wär es mit unserm Leben aus.

Doch Syrien, Mali, Afghanistan
machen wir uns untertan.
Schießt doch weiter, ist weit weg,
kümmert uns hier einen Dreck!?


Meine Name ist Legion 05/2017


Herr, nachts plagen mich Visionen
von den Reitern ohne Gnad
soll Angst in unseren Köpfen wohnen
doch aus dieser wächst Verrat

für die vermeintlich bessere Welt
sah ich, sich Engelsheere schlugen
Dogma, Hoffnung, Glaube, Liebe,
sie schwer auf ihren Schultern trugen

in diesem Engelsschargemenge
sah ich keine Emotionen
nein, sie kämpften wie Maschinen
hochgezüchtet Killerdrohnen

es floß Blut in viele Seen
dann ertönten die Posaunen
und das Schlachten kam zum Steh’n
durch die Heere ging ein Raunen

Ich sah Dich, oh welch ein Jubel,
durch die Engelsscharen schreiten
Liebe, Zorn erkannt ich nicht,
wertneutral nach allen Seiten

Endlos das Gemetzel weiter,
niemals scheint die Schlacht gewonnen,
gut und böse gibt es nicht,
Hoffnung niemals ganz zerronnen

Ich wache auf und geh ins Licht,
schaue auf die heile Erde,
aus den Augen fließt mir Trauer,
ich Dich nie erkennen werde.

So friedvoll herrlich diese Welt,
spür die Trauer mich zerfetzten,
stumpf mich ab, oh Herr, ich leide,
denk ich an Syrien mit Entsetzen.


nach Unten 11/2017


Draußen weicht die Wärme,
in mir ist es kalt,
grollen durch die Därme,
so werd ich nicht alt.

Hirnbalken wird blockiert,
denk nur mit linker Seite,
die Wirklichkeit erfriert,
mit mir selber streite.

Ja, das Loch ist weit noch offen
und mein Herz ist leer,
brauch nicht mehr auf Liebe hoffen,
denn du kannst nicht mehr.

Dieses Loch fängt an zu saugen,
bin ein leichtes Ziel.
Zuerst verliere ich die Augen,
ist kein schönes Spiel.

Deine Hände, die du bietest,
sind mir unsichtbar.
Selbst wenn du mich nicht verrietest,
bin ich unhaltbar.

Niemals hab ich mich getraut,
zu sagen, was ich liebe,
Sonne wärmte mir die Haut,
jetzt gibt’s dafür Hiebe.

Dieses Loch saugt mir das Fell,
gar nichts mehr ich fühl.
Ohne Augen wird’s nicht hell,
ohne Haut noch kühl.

Nette Stimmen wollen locken
mich aus diesem Schlund.
Meine Ohren einfach blocken,
Lauscher werden wund.

Pheromone mich erreichen,
kann sie nicht mehr deuten,
Hirn ist jetzt voller Leichen,
Totenglocken läuten.

Kann nicht hören, fühlen, sehen.
Bin nun fern vom Leben.
Ihr könnt euch wenden oder drehen,
hab mich aufgegeben.


Freiheit 3 07/2018


Wie toll, wie schön sie ist, 
werden wir nie erfahren. 
Immer sind‘s die Anderen, 
die sie für uns bewahren.

Es sind auch eure Blicke, 
welche mich begrenzen 
und Schilder mit Verboten, 
die tief nachts noch glänzen.

Wenn ich euch vor mir seh, 
mit Glänzen in den Augen, 
erzählt von eurer Freiheit,
das andere nix taugen.

Ihr scheint mir so verblendet, 
weil ihr es selber glaubt.
Ihr habt‘s nicht mal gemerkt,  
der Meinung selbst beraubt.

Freiheit ist niemals meine, 
getragen fest mit Toleranz, 
so geht die schöne Freiheit 
unter bald im Totentanz.



Loch in der Zeit 09/2018


In meinem Kopf die Funken fliegen, 
von Panzern, die dort Kreise ziehen.
Ich bin in mir und komm nicht raus, 
ihr wollt mich nur bekriegen.

Die falsche Zeit, die gibt es nicht, 
schon mehrmals war ich dort.
Das Einhorn trug mich weit hinauf, 
mein Wolf brachte das Licht.

Die Welt erscheint mir aus den Fugen, 
nichts läuft, wie es soll.
Der Therapeut gab mir die Schuld, 
bevor sie ihn erschlugen.

Der Schlund war gut verschlossen, 
so dacht ich gut gelaunt.
Unverdrossen kam der Winter, 
vereist blitzschnell die Sprossen.

So lang lauf ich der Zeit schon weg 
und nun hat sie gewonnen.
Schneid in die Seele und die Haut, 
ein warmer roter Fleck.

Der Mensch an sich ist ja ganz gut, 
die Sensationsgier nicht.
Gern anders gleich möchtet ihr sein, 
ersauft in meinem Blut.

Ganz tief lässt er mich fallen, 
vergiftet ist mein Drache. 
Wir schlagen fast gemeinsam auf, 
es trauern die Vasallen.

Schnauze voll 04/2019


Was ich mit sieben Leben soll,
wird sich mir nie erschließen.
Eiternd Striemen tief im Schädel
zugefügt vom liebsten Mädel,
spür ich nicht, so ausgebrannt,
mit dem Dolch in meiner Hand.

Zuviel Nähe ist gefährlich,
niemand ist hier wirklich ehrlich.
Gelber Sud tropft aus den Lichtern,
mindert nur den Druck im Kopf.
Gerne würde ich dich hassen,
kann den Hass doch niemals fassen.

Muss mich also selber strafen,
Blicke nur daneben trafen.
Zieh den Dolch nun durch mein Leder
und mein Geist wird eine Feder.
Dieser Boden färbt sich rot,
endlich bin ich wirklich tot.

Depression 04/2019


Als es wieder hektisch wurde,
fiel ich aus der Zeit,
keine Ahnung, wie das ging,
war nicht mehr bereit.

Schaute euch noch zu
mit dem Stress, Smog, Frust.
Berührte mich nicht,
euer Schaffen ohne Lust.

Ich lebte mit, doch neben euch.
Ich kann es nicht erklären.
Ich küsste euch, doch wirklich nicht,
ihr ließet mich gewähren.

Will mein Leiden schildern,
greif nach Worten zum Sortieren,
kommen aus ‘ner andern Zeit,
ist nicht einfach zu kapieren.

Mein Mund zeigt ein Lachen,
in mir herrscht Gefühlsdiät,
eigenartig auch der Sex,
mechanische Rationalität.

Ist kein Leben, ist kein Leiden,
ist nur reine Existenz,
bin zu schwach, es zu beenden,
läuft mit fallender Tendenz.

Straffe Haut kann lügen,
bin nur fett von den Tabletten,
volle Dosis Tag für Tag,
bin wahrscheinlich nicht zu retten.

Einfach aus der Zeit gefallen,
manchmal schlaf ich in der Nacht,
warte schon ein Leben lang,
hast du Erlösung mitgebracht?

Widerspruch II? 05/2019


beschenkte die Bekloppten
bettelte stumm
schrie meinen Schmerz
scherzte weinend

tanzte mit dem Tod
trotzig erhaben
liebte dein Lachen
lustvoll genießend

lass mich lügen
lasziv blinzeln
Wahrheit nicht wichtig
wollen beherrschen

herrschen über Hilflose
heimlich verdummen
funktioniert ganz friedlich
feine Gesellen

vermutlich nicht verschworen
verdammt clever
stürmisch sie stören
strebsames Leben

täuschen uns tödlich
tendenziell unbemerkt
schwebende Schleier
schieben wir weg

staunend keiner schaut

Menschizide 05/2019


Ich steh im Wald, ich bin ein Baum
verwurzelt in der Erde.
Ich habe Angst um meinen Wald,
dass jemand ihn verderbe.

Ich spür die Furcht, weiß nicht wovor,
von meinen Artgenossen.
Da ist etwas, das ist nicht gut,
so haben wir beschlossen:

Wir holen Pilze noch dazu
und auch noch Mikroben.
Wir planen unsre Strategie,
keiner wird uns roden.

Allergen und pathogen
werden wir beginnen,
zerstören auch die Bausubstanz,
Häuser euch zerrinnen.

Menschizide ohne gleichen
lassen euch verrotten,
nur Ruinen bleiben stehn,
hindurch Tiere trotten.


das Haus 08/2019


Im tiefen grünen Tann,
da steht ein Haus abscheulich,
so dunkel, schwarz geschahen
dort Taten einfach gräulich.

Im Mittelalter wohnten dort
Eli und Lana Levi,
doch sie mussten sterben, 
die Pest weiter gedieh.

Zigeuner lebten länger drin, 
mit 26 Kindern, 
ne Fackel löschte alle aus, 
Pastor vergab den Sündern.

Paul baute es dann wieder auf, 
im Dorf war man entzückt, 
die Hannah zog noch mit zu ihm, 
ein bisschen schräg verrückt.

Das Schreien und das Kreischen dort 
wollt man im Dorf nicht hören, 
wenn Paul schlägt und Kinder fickt, 
sollte man ihn nicht stören.

Unlängst man errichtet hier 
ein Heim für Asylanten. 
Doch niemals zogen diese ein, 
weil sie ‘s davor verbrannten.

Im tiefen grünen Tann
da steht ein Haus abscheulich,
so dunkel, schwarz geschahen dort
Taten einfach gräulich.

Natürlich steht das Haus noch dort
im heilen deutschen Land,
kein Stolperstein erinnert uns, 
ans Grauen, das verbrannt.


Denkfehler 09/2019


Ich wollt nur deine Liebe
und schlug dir ins Gesicht,
viel mehr hast du erduldet,
doch Liebe wurd es nicht.

Ich schrieb Dir meine Regeln
aufs Wasser hier im Fluss.
Du hast sie nicht gelesen,
zu meinem tiefst Verdruss.

Wie kann ich nur erzwingen,
die Liebe, die ich brauch,
ich weiß ganz genau,
du willst sie schließlich auch.

Ich hab dich überschüttet
mit Geschenken und Gewalt.
Ich konnt es nicht verhindern,
die Liebe wurde kalt.

Als ich dich dann gebrochen,
da wurd mir langsam klar,
nach Jahren nett mit dir,
dass ich nicht glücklich war.



Servants Dank 11/2019


Herr, ich hab dich auserkoren
und ich hab auf dich geschworen,
zu tilgen hier der Menschheit Leid.
Herr, ich lobe dich und preise
deine fürsorgliche Weise,
gibst mir täglich Bier und Brot.

Herr, du linderst meine Schmerzen,
leider nicht in meinem Herzen.
Doch du kümmerst dich, oh Dank.
Herr, ich kenne deine Güte
und so manche giftge Blüte
darf noch stehn und Hass versprühn.

Herr, ich diene dir seit Jahren
und ich musste früh erfahren,
ich bin dir doch scheißegal.
Hielt mich stets an deine Schriften,
du erhöhtest die Bekifften,
ich räum dann die Scheiße weg.

Manches wollt ich gern verbessern,
doch du stichst mit tausend Messern
in mein Herz und meine Seel.
Herr, bist du eine Fiktion?
Menschenwahn, Menschenhohn?
So kannst du nicht wirklich sein!?

Du lässt deinen Menschensöhnen
durchgehen, dass sie dich verhöhnen
und trittst deine Diener noch?
Menschen sind es, die mich bücken
und tief in den Dreck mich drücken,
warum stehst du mir nicht bei?

Glauben soll mich aufrecht halten?
Hurensöhne mich verwalten?
Das kannst du nicht wollen, Herr!?
Herr, mein Herz ist ausgebrannt,
schau ich auf das deutsche Land.
Politik gegen das Volk.

Ja, mein Kopf ist leicht verklemmt,
was mich langsam stark enthemmt,
Amok, Anschlag, Terror jetzt!
Mein Glauben an Gerechtigkeit
tut geknechtet mir nun leid.
Amok, Anschlag, Terror jetzt!

Herr, sei froh, dass ich nur schreibe,
was ich täglich hier erleide,
dankend dien ich weiter dir!



das Wort 11/2019


Der Eine,
der das Wort erfand,
erstickte jeden Widerstand.
Es wuchs das Wort
und wurde Wahn,
ein potenziell Vernichtungsplan.

Divergente
Meinungsströme
ersterben mit lautlos Gestöhne.
Auch die
kausale Logik starb,
weils die Semantik ganz verdarb.

Des Wortes Sinn
erschließt sich nicht.
Gut und Böse ohne Licht.
Dies Wort,
es dient, moderner Trend,
als prima Totschlagsargument.



Rauhnacht 12/2019


Der Sinn des Lebens mir entschwand,
aus mir kam kein Widerstand.
Gefühle flach und kaum vorhanden,
auch der Geist hat s nicht verstanden.
Ohne Alkohol und Pillen
hab ich einfach keinen Willen.

Gar heftig rauscht der Buchenwald,
der wilden Jagd ist s nicht zu kalt.
Anderwelt ist offen weit,
sich zu besinnen ist jetzt Zeit.
Die Nacht ist heilig, sprach der Herr,
elfe folgen hinterher.

Es ächzt und knarrt im Eichenhain,
der Herbststurm küsst die Kronen.
Ich will hier nicht alleine sein,
muss sich das Leben lohnen?
Sonne komm, oh gib mir Kraft,
ich erstick im eignen Saft!

Meine Augen blicken leer
auf das bunte Lichtermeer.
Ihr auf die Erlösung wartet,
in mir Ragnarök schon startet.
Wilde Jagd die Messer schliff,
Rauhnacht hat mich fest im Griff!



sterben üben 04/2020


Lag im Bett, fand nicht raus,
nickte wieder weg.
Ruhig war‘s im Haus,
schäm mich vor mir selbst.
Bin zu schwach für diesen Tag
und auch schon für morgen,
glaube, dass mich niemand mag,
tut mir gar nicht weh.

Einer meinen Willen frisst,
unsichtbarer Krebs,
scheißverdammter Hirnsbockmist,
Liebe ohne Licht.
Wie sollt ich mich denn belügen,
ein unmöglich Ding.
Bin hier g’rad am Sterben üben,
leider nur allein.

Neurosoziales Fasten
schafft nur selten Nähe.
Welch Verrückter sollt hier rasten,
trockener Autist?
Blick mir in die Augen tief,
glanzlos, leer und stumpf.
Nein, ich bin nicht depressiv,
nur grad nicht gut drauf.

Frau Tödin kam heut früh vorbei,
Erinnerungstermin.
Ich sei ihr nicht ganz einerlei,
heut mal schön anzieh’n.
Hol mich aus der großen Leere,
bring mich nur hier weg.
Hab schon lange keine Ehre
und auch keine Kraft.

Mit Hein und Tödin kann ich scherzen,
sanft kosend sie mich tragen,
endlich ohne Angst und Schmerzen
fühle ich nur Dankbarkeit.

Ist es wirklich nun zu End,
stellt sich hier die Frage
oder hab ich nur verpennt,
tot grinsend auf der Trage?

(danke Frau Jasmin Schreiber – www.sterbenueben.de)


tödlicher Versuch 05/2020

wollte alles wissen
weise sein
Kräuter geben Kräfte
krachend gescheitert

wollte tief wühlen
Wahnsinn gewesen
beherrscht mich befreite
blutete auch

stark ich stöhnte
stehend noch
kreischend mich krümmte
kriechend flach

Drogen tief dringen
dröge erstarrt
Neuronen schalten nostalgisch
niemals so geträumt

Funken tief fliegen
faszinierend leise
still und stumm
starren Augen