Drachenrose

Weltverbesserer

Beginn

Drachenrose


Manch Gedanke
in der Nacht
hat mich um den Schlaf gebracht.
Kam er in der Tagessonne
schrieb ich ihn auf
mit voller Wonne.




Grundlage aller dieser Zeilen ist ein  dekadent optimistischer Realpessimismus mit permanentem Wirklichkeitsbezug.

Der Tod (11/95)

Henker
Und wenn es heut auch anders ist
als an den and’ren Tagen.
Denk nicht, das Dich der Tod vergißt,
auch Dir geht’s an den Kragen.

Grad deshalb ist es wunderschön,
das einzig nackte Leben.
Warum soll ich denn von hier gehen,
den Abschluss schon anstreben?
Ich frage mich (doch ziemlich selten),
kommt gar nichts hinterher?
Ein Idealist lässt das nicht gelten,
ist Engel sein nicht mehr?

Für mich selbst (ist schon entschieden),
ich eile als Photonenstrahl
nach meinem Tode durch das All
und schau, ob’s andern schlimmer geht.
Das interessiert mich, ihr versteht.
Den Tod, ihn fürcht ich nicht,
das Leben ist gemeiner!
Doch vor dem Dazwischen ist mir bang,
man stirbt heut viel alleiner.

 

Miro

Selbstbestimmung durch Selbstverbrennung

Sozial 1 und 2 (12/97)

Der Mensch ist ein soziales Wesen,
manchmal aber nicht,
hast ordentlich mal Mist gebaut,
läßt jeder dich im Stich!
Liegst am Boden ganz zerstört
und fängst noch manchen Stoß.
Ein Schluchzen steigt dir aus der Kehle,
im Hals wächst dir ein Kloß.
Nur einer kann dir jetzt noch helfen
und das bist du selbst.
Das dir jetzt keiner auf die Beine hilft,
hilft dir wieder auf die Beine!


2   (12/97)     

Der Mensch ist ein soziales Wesen,
das hilft dir ungemein,
hast ordentlich mal Mist gebaut,
pisst keiner dir ans Bein.
Bevor du fällst, wirst du gehalten,
erhälst Trost und liebe Worte.
Die Tränen werden abgewischt.
Das Lächeln wirkt verstohlen.
Die Hilfe vieler
macht uns stark!

Rezept (12/00)

Sonnenschmerz fühlt mein Herz.
Schlechte Welt nicht gefällt.
Lieg im Schnee, Kopf tut weh.
Seelenpein,
Witt muss rein
und auch die Lakaien.

Fell versengt, Herz gesprengt,
große Not, Vertrauen tot,
Nur genarrt, Liebe starb.
Ganz allein
Seelenpein,
Witt muss rein
und auch die Lakaien.


Ringgefährten (03/02)

Elbenkrieger steht auf Wacht,
schützt das Land gen Mitternacht.
Düster, drohend über ihm
schwebt der Fürst der Nazgül hin.

Himmel ist ganz schwarz verhangen,
dieses Buch nimmt dich gefangen.
Bist nicht mehr in dieser Welt,
wirst zu Frodo, bist ein Held,
fühlst du mit ihm alle Schmerzen,
doch mit Hoffnung groß im Herzen.

Schlacht gewonnen, Freudentränen
rinnen abwärts ohne schämen.
Legst du dieses Buch beseit,
macht sich Hoffnung in dir breit,
dass nun auch auf Obererde
Gutes endlich Sieger werde.

Worte2 (04/02)


Worte
können schmerzen
Worte
können scherzen
Worte
lassen dich erröten
doch Worte
können töten
mit Worten
machst du Politik
um Worte
geht`s im Krieg
für Worte
gibt`s den Sieg
gebrauch sie mit Bedacht
Worte geben Macht

spricht Väterchen zu seinem Sohn,
ein kaltes Grinsen ist sein Lohn.
Eh Alter, du und deine Psalme
bringen mich langsam auf die Palme.
Ins Ohr die Stöpsel,
so wie immer,
verlässt der Sohn
wortlos das Zimmer
und genießt total beknackt
Worte
in Musik verpackt.


Schlächter (06/05)

Bedrohlich steigt er aus den Fluten,
herrlich schaurig anzuseh'n,
in der einen Hand die Ruten,
aus Mörderstahl und dennoch schön.
Edel, wehrhaft und sehr stark
schreitet er hinan.

Wieder wurde es nun Zeit -
Schlächter der Gerechtigkeit!

Böses er hier tilge
vom Angesicht der Welt
und hoffe nicht auf Milde,
das Urteil er selbst fällt.
Geh ein in dich
besinne dich auf böse Taten.

Wieder wurde es nun Zeit -
Schlächter der Gerechtigkeit!

Der Zinker ist auch Neider,
der Denunziant Vertreiber
und mordest du „nur“ Seelen,
und stahlst du auch „nur“ Stolz,
so wird er auch dich quälen
und packt dich ein in Holz.

Wieder wurde es nun Zeit -
Schlächter der Gerechtigkeit!

Rosenstolz und drachentreu
erfüllt er seinen Schwur.
Ideale sind nicht neu,
die Prinzipien nur.
Menschheit tanzt um's gold'ne Kalb,
wird durch Gotteszorn nicht alt.

Wieder wurde es nun Zeit -
Schlächter der Gerechtigkeit!


mein Schatz (06/13)


Es läuft,
es fließt,
die Feder kratzt
auf schmutzigem Papier.

Der Kopf,
er schüttelt Silben raus,
ein schlimmes Wortgetier.

Die Hand agiert,
der Finger schreibt,
es fügt sich
Satz für Satz.

Zum Schluss
steht dort ein Ungetüm,
trotzdem
mein größter Schatz.

stolz (07/13)


Das Bächlein murmelt leise,
die Bäume raunen weise.
Die Vögel zwitschern ihr Revier,
die Blätter streichelt sanft der Wind.
Im Wald
ist es so schön,
erzählt dir jeder Mensch.

Dein Magen krampft
schon wenn du daran denkst
und doch
stehst du jetzt hier
im Wald.
Dunkle Nacht,
die Vögel schlafen,
nur du
und der dunkle Wald.
Du willst schreien,
du kannst nicht.
Du willst weg laufen,
du kannst nicht.
Dein Atem flach,
dein Puls geht hoch und runter.

Meine Hand ohne Stimme
gibt dir
die Kraft
weiter zu gehen.
Dein erster Schritt
macht dir Mut
und mich
stolz.

Musik (07/13)


Die Technik,
die ich gut beherrsch,
Gefühle nicht zu zeigen.

Das Schlimme ist,
die Technik herrscht,
ich kann’s gar nicht vermeiden.

Das einz’ge Loch,
das ich gefunden,
erspart mir jeden Krieg.

Der Kopf wird frei,
mein Herz, es lacht
zum Klange der Musik.

Sand (07/13)


Ein Klotz aus Stein
geht seinen Weg
und walzt hier alles platt.

    Ganz sanft
    hast du sein Herz berührt.
    Er hat es nicht gespürt.

Der Klotz aus Stein
schön weiter geht,
die Kanten werden rund.

    Ganz sanft
    hast du sein Herz berührt.
    Er hat es nicht gespürt.

Der Klotz aus Stein
nun plötzlich steht
und Risse zeigen sich.

    Ganz sanft
    hast du sein Herz berührt.
    Er hat es nicht gespürt.

Der Klotz aus Stein
ganz leis erbebt,
verrieselt sich als Sand.

    Ganz sanft
    hast du sein Herz berührt.
    So hast du ihn verführt.

Angst (07/13)


Jetzt habt ihr mich umzingelt,
geh weinend in die Knie,
bedecke meine Augen,
schreie wie ein Vieh.

Den Nacken tief gebeugt,
erwarte ich eure Prügel,
passieren tut noch nichts.
Mir wird trotzdem übel.

Blinzle durch die Hände,
Stiefel stehen dort,
bereit mich zu zertreten.
Ich will hier nur fort.

Die Stille macht mir Angst.
Ich will hier nur weg.
Die Stiefel bleiben stehen,
rühr’n sich nicht vom Fleck.

Hab jetzt aufgegeben,
schau euch ins Gesicht
und seh das erste Mal
in euren Augen Licht.

Das mich wärmt und hält,
das mich liebt und schützt
und frage mich allmählich,
wem meine Blindheit nützt.

Frage 06/14


Trag
ein kleines Bündel
Leben
in meinen Armen.

Es scheint
zufrieden
mit der Welt
zu sein.

Warum
verzweifle ich?

RobLenard

der stille Mann 07/14


Ich bin ein Mann auf leisen Sohlen.
Ich bin der Mann, den keiner sieht.
Ich dreh mich um, doch nur verstohlen.
Niemals mir ein Laut entflieht.

            Der stille Mann tut sich nicht gut.
            Der stille Mann hat nun genug!

Ich laufe durch die Menschenmenge,
wie ein Fisch im Schwarm.
Kein Kontakt, an keiner Enge,
doch das macht mich sehr arm.

            Der stille Mann tut sich nicht gut.
            Der stille Mann hat nun genug!

Es war die Reibung, die mir fehlte.
Es fehlte der Kontakt.
Das Feuer, das mal in mir schwelte,
war gänzlich abgekackt.

            Der stille Mann tut sich nicht gut.
            Der stille Mann hat nun genug!

Wie kam mein Herz in deine Augen?
Wie kam mein Blick in deine Hand?
Tu deine Wärme in mich saugen,
hätt’ mich anfangs fast verbrannt.

            Der stille Mann tut sich nicht gut.
            Der stille Mann hat nun genug!

Ich war ein Mann auf leisen Sohlen.
Ich war der Mann, den keiner sieht.
Ich lächle jetzt nicht nur verstohlen,
sind jetzt unseres Glückes Schmied.

            Der stille Mann tat sich nicht gut.
            Der stille Mann hat nie genug (Liebe)!



reset 09/14


Es ist
zwar nicht sehr hell,
doch seh
ich schon Struktur,
nach Ewigkeit in Dunkelheit
ist’s die Erlösung pur.

Musst' mich
von vielem trennen,
was
Dogma für mich war.
Bin langsam am Erkennen,
die Sicht wird wieder klar.

Die Welt
bleibt trotzdem Scheiße!
Das Leben
bringt mich um!
Doch quält mich dies nicht länger,
geh anders damit um.

Ich hasch'
nach jedem Tropfen
Glückseligkeit und Freud,
nicht immer mit Erfolg,
doch mit meinem Resetknopf
versuch ich es erneut.


Erbe 01/15


Kurz und knapp
in einem Satz
vermach ich Dir
den größten Schatz.

Damit kannst Du
die Welt bezwingen
und wirst Dir
manches Lob erringen.

Nur nach diesem
sollst Du streben:
Liebe Dich selbst!
Liebe das Leben!


Gassi 02/15

Hund mit Hund und Hund mit Katzen

Im Wald, im Tann, im Bergischen,
der Kopf wird wieder frei
geh mit dem Hund spazieren
die Welt ist einerlei

Es ist uns ... egal
ob Sturm, ob Schnee, ob Regen,
wir gehen auch bei Sonne raus
wir wollen uns bewegen

Nicht immer nur allein,
wir gehen auch mit Begleiter,
ob Hunde oder Katzen,
es wird immer heiter


mein Morgen 07/2015



Ein Tag beginnt, der Wecker klingt
gar scheußlich in den Ohren.
Im Körper Gicht, das Licht will nicht
erhellen diesen Morgen.

Ab geht’s ins Bad, im Mund noch fad
Geschmack vom letzten Abend.
Muss leise sein, das Kind schläft fein
und tief in seinem Bett.

Ei der Daus, der Hund muss raus,
sonst lässt er’s drinnen laufen.
Also nicht gepennt, ab ins  Hemd
und raus geht’s auf die Wiese.

Der Kaffee läuft, den Schlaf ersäuft
mit Mengen Koffein.
Schnell noch das Futter für die Katzen,
dann könnt ihr mich am Rücken kratzen.

Jetzt bin ich wach und weg.




Wie bin ich jetzt? 07/2015


Schon wieder
zittert meine Feder
krakelig übers Papier.
So wollte
ich es nicht,
husch husch zurück
auf Anfang,
ihr törichten Gedanken.

Doch,
was einmal
los getreten;
das holst du nicht mehr ein!
Und nun
umschwirren
meckernde, lachende,
keckernde, schmachtende Gedanken
meinen Kopf.

Also
geh ich raus
in die Sonne
und lasse sie
verglühen.


Wie war ich mal? 11/2015


Schon wieder
sprühen die Neuronen
neue Reime mir ins Hirn.
So wollte
Ich es nicht,
husch, husch zurück
auf Anfang,
ihr törichten Gedanken.

Doch
was einmal
zirkuliert;
das bremst du nicht mehr aus!
Und nun
fahren
meckernde, heulende,
keckernde, trübselige Gedanken
Panzer in meinem Kopf.

Und draußen
ist nur trüber Nebel!



Leben 11/2015


Mein Leben ist bemessen
und trotzdem doch ein Wunder.
Ein Stein erscheint mir tot
und lebend eine Flunder.

Dein Lächeln kann ich sehen,
doch die Gedanken nicht.
Die Wärme kann ich spüren
und sehe auch das Licht.

Die Katze hat nen schönen Schwanz,
der Spinne fehlt das Knie.
Warum fehlt dir die Toleranz
und mir die Empathie?

Ist Zweifel wirklich angebracht,
hast du mich wirklich angelacht?
Bin ich echt, so wie der Hase
oder nur Gedankenblase?

Warum bin ich so gierig
nach Wissen und Verstehen
und wiederum so traurig,
muss ich das Elend sehen?

Warum kann ich nicht sagen,
was mich so tief bewegt,
dass du empfinden kannst,
was ich hab erlebt?

Spür ich den Kuss auf meinen Lippen
oder sind`s Gedankenwippen?
Füllt das Steak mir jetzt den Magen
oder könnt ich mehr vertragen?

Grübel, grübel, dumm Gedanken
setzen meinem Leben Schranken.
Ob real ist doch egal und nichtig,
einfach leben, so ist es richtig!


also doch 11/2015


Erblicke ich dies süße Mädel,
qualmt mir gleich der ganze Schädel.
Auf der Zunge hab ich Schlieren,
kann kein Wort mehr formulieren.

Schaut sie mich noch lächelnd an,
schlägt´s mich ganz in ihren Bann.
Mein Puls rast, dann geht er runter,
schlaf ich oder bin ich munter?

Frag ich meinen Therapeuten,
was hat dies nur zu bedeuten,
grinst er nur und sagt zufrieden,
auch Autisten können lieben!



Warum ich schreibe? 01/2016


Schreibe diese Zeilen,
damit du kannst verweilen.
Sie dir ein Lächeln locken,
in euren Köpfen rocken.

In meinem Kopf entstanden,
sich durch die Straßen wanden,
durch Gitterstäbe eiern
und in den Köpfen feiern.

Sie sollen Euch gefallen,
wenn sie durch Lüfte wallen,
als Lied für euch erklingen
und Liebe auch erzwingen.

Nur selten wird’s gelingen,
doch soll’s auch mir was bringen.
Mein Kopf war voll zum Platzen,
ist endlich wieder frei.



Liebe 04/2016


Du kommst in diesen Garten,
bemerkst den ganzen Dreck.
Doch siehst auch viel schönes
und willst nicht mehr weg.

Den Dreck hast du nun weggeräumt,
das Schöne ist geblieben.
Es ist doch immer wunderbar,
wenn Menschen sich verlieben.


Therapie 08/2016



Gibst du Wörter mir zum Spielen,
kann ich schon beim Hören fühlen.
Wirfst mir hin die Dämmerstunde,
konter ich mit Lebensrunde.
Blau ist kühl und geil ist prall
und so werfen wir den Ball,
alle Assoziationen,
welche in den Köpfen wohnen.

Mir machts Spaß und du musst deuten,
gehörst ja zu den Therapeuten.
Dieses Spiel läuft über Wochen,
also muss ich darauf pochen,
du sollst mich hier therapieren
und nicht meinen Kopf sezieren!
Hilf mir, mein Problem zu lösen,
sonst kann ich auch ne Stunde dösen!

Deine Augen sehr betroffen,
erklären mir nun ziemlich offen,
sanft gepolstert soll mich betten,
denn ich wär wohl nicht zu retten.
Dieses Köpfchen, noch mit Haaren,
lebt in seinen letzten Jahren.
Oktophren sei mein Verhalten,
das heißt, ich sei aufgespalten.
Doch sie scheinen sich zu kennen,
da sie um die Wette rennen.

Leg rechts den Blauen auf den Tresen,
links greift zu, wie nichts gewesen.
Nick mir zu, ist nicht so wild,
erheb mich … vor dem Spiegelbild.




Herbst 10/2016



Blätter fallen, Nebelschwaden
lassen uns im Dunste baden.
Auf dem Feld die letzte Gülle
machen jede Nase knülle.

Schau ich raus, glaub ich ganz schnell,
niemals wird es wieder hell!
Will mich vor dem Grau verstecken,
krieche unter alle Decken.

Werde ich dann wieder wach,
haben wir den nächsten Tag,
denn die Zeit verrinnt ja weiter
und zum Glück ist’s heute heiter.

Wir gehen raus bei prallem Wetter,
Sonne scheint auf nasse Bretter.
Unsere Laune steigt nach oben,
so können wir den Herbst nur loben.



glücklich pur 01/2017


Das Meer, der Wald voll Worte sind
sie schweben durch die Lüfte
und trittst du dann in Hundekot
kommen dazu noch Düfte.

Der Schnee, der heute hier noch liegt,
ist morgen schon zerflossen.
Später mal im Frühling dann
treiben frische Sprossen.

Ich schau mir auch gern Wolken an,
wie sie sich zart umfließen.
Die Welt ist einfach wunderschön,
ich kann es nur genießen.

Ich komm nach Haus und werd geliebt
von Kindern, Frau und Hund.
Wer dies einmal in echt versiebt,
der wird nie mehr gesund.

Ich steh allein hier unter Bäumen
und genieße die Natur.
Lasse die Gedanken träumen
und bin einfach glücklich pur.



Winter 01/2017

Winterwäldchen

Nun ist sie da, die neue Welt,
er hat es doch vollbracht.
So ruhig, still, entspannend schön,
gestaltet über Nacht.

Bis in späte Mittagsstunden
hat er dafür Zeit gefunden.
Das, was ich seh, das ist perfekt,
alles unter weiß versteckt.

Dies macht mich leise und bedächtig,
ja, er ist schon ziemlich mächtig.
Seine imposanten Horden
kamen diesmal aus dem Norden.

Ich kann nur ein paar Krähen hören,
dies tut mich nicht weiter stören.
Hier im Wald geschah sein Wille,
er herrscht absolute Stille.


Abschiedsdank 01/2017


Was hab ich mit Gevatter Hein
gepokert manches Spiel,
auch wenn Gevatter stets verlor,
gelacht haben wir sehr viel.

Jetzt hält Hein
mich fest im Arm,
fühl mich geborgen,
mir ist warm.

Zwar geht’s mir
heftig an den Kragen,
doch wollt ich
nochmal danke sagen,

allen Menschen
die ich gerne kenne.
Erwartet nicht.
das ich jetzt flenne.

Es war schön,
den Weg mit euch zu gehen,
wie es weiter geht?
Ich wird es sehen.

Mein Leben
so im Nachhinein
hätt können
gar nicht schöner sein.

Ich musste niemals
Hunger leiden
und konnte mich
stets frei entscheiden.

Ich durfte zwei Mal
Leben geben
und musst es niemals
jemand nehmen.

Ach wie gern,
würd ich jetzt lachen,
und übers Leben
Witze machen,

doch
die letzten Zeiteinheiten
sollten
Demut stark verbreiten.

Sterben manche
mit einem Winseln,
verkneif ich mir
ein freches Grinsen.


System 03/2017


Ständig fühl ich mich getrieben
von gar bösen Peitschenhieben.
Das System, in dem wir leben,
sollte niemand gern anstreben,
saugt dich aus bis tief ins Mark.
Du wirst Zombie, es wird stark.
Brot und Spiele, Glanz und Glimmer,
trotzdem wird es immer schlimmer.
Ihre Medien nie verzagen
und wir glauben, was sie sagen.
Manipulation mit Worten
funktioniert doch allerorten.
Sag Regime, dann sind’s die Bösen,
welche wir müssen erlösen.
Sprechen sie von den Rebellen,
soll sich dein Gesicht aufhellen.
Unser Bestes sie nur wollen,
niemand sollte ihnen grollen.
Unverzichtbar sei die Sache,
die die Reichen reicher mache.

Ich freu mich über jeden Tag,
an dem ich so nicht denken mag
und genieße jede Stunde,
hier im Kiez, in kleiner Runde.



Septemberwolf 09/17



Draußen Sturm und Regen,
drinnen mollig warm,
doch Wolf muss sich bewegen.
Wir starten in den Wald.

Mein Hügel hat nen Gipfel,
auf dem ich gerade steh‘.
Der Herbststurm tobt durch Wipfel,
die lassen’s einfach zu.

Verweil‘ unter der Buchenkron‘,
gleich am Hornissennest.
Sie nimmt mich auf wie einen Sohn,
der Regen trifft mich nicht.

Mein Wölfchen will nur spielen,
die Eiche hat Erbarmen,
armdicker Ast, ohne zu zielen,
landet vor meinen Armen.

Es leuchten seine Lichter,
dies wird seine Beute,
wird das Gehölz auch dichter,
er holt es wieder raus.

Wie ein borelischer Gepard,
der Ast fliegt durch die Lüfte,
stürmt er durch das Dickicht hart
und trägt die Beute heim.



Wintergassi 12/2017


Der Tag ertrinkt in furchtbar grauen Schwaden.
Mein Mut versinkt. Es ist kaum zu ertragen.
Steh weiß im Wald und bin so blind.
Mir ist so kalt. Es weht kein Wind.

Nur Krähen krächzen mir am Ohr, ansonsten ist es still.
Fast kommt es mir idyllisch vor. Das ist, was ich will!
Die Fährten zeigen Rehe an. Sie sind auf Nahrungssuche,
zerwühltes Weiß, kaum Blätter dran, neben der nackten Buche.

Unter Eichen gelber Schnee, aufgedeckte Wiese,
helfen doch bestimmt dem Reh, auch wenn ich jetzt niese.
Kein Druck und kein Gehetze, nur Wölfchen will noch spielen.
Sind nur Naturgesetze. So kann ich wieder fühlen.


Perspektive III 01/2018


Mein Drache fliegt hoch,
wir haben uns im Blick,
er speichert die Bilder
auf einem Stick.

Mit seinen Augen
kann ich mich sehen
aus windigen Lüften,
hier unten froh stehen.

Ich bin ganz winzig
aus Drachensicht
und auch für die Welt,
zähle ich nicht.

Doch bin ich ein Wesen
mit Herz und Verstand,
wie auch die Tiere
in diesem Land.

So muss ich erkennen,
die Welt gehört allen,
machen wir so weiter,
wird sie zerfallen.


Seufzer 01/2018


Hier ist ein Wäldchen,
dort ein Bach,
neben dem Hügel
geht es herab.

Das ist mein Wald,
das ist mein Bach,
das ist mein Hügel,
geh in mein Tal herab.

Hier will ich lachen,
hier will ich leben,
möchte auch nichts
anderes anstreben.

Es stehen auf dem Hügel
Eichen, Fichten, Buchen.
Warum sollt ich fürs Leben,
was schöneres noch suchen?


Seufzer 01/2018



Gib mir Wasser! Gib mir Brot!
Dies lindert des Körpers Not.

Behandle mich als eignes Wesen,
dies lässt meinen Geist genesen.

Berühr mich nett, lass uns lachen,
dann kannst du Alles mit mir machen.


ein kleiner weißer und ein großer schwarzer Hund im Wald

 

Lebenstraum 07/2018



Sitze nackig auf dem Baum, 
in der Ferne tanzt mein Traum.
Muss jetzt durch die Lüfte gleiten 
meinen Traum zu mir zu leiten.

Seh mein Traum noch viel ferner 
und es wird schon wieder wärmer.
In den dunkelkalten Massen 
kann mein Traum doch nur verblassen.

Will ihn aber mir erhalten, 
also darf er nicht erkalten. 
Tu die Lippen mir befeuchten 
und mein Traum beginnt zu leuchten.

Auch beginnt er jetzt zu schweben, 
unter mir vibriert ein Beben. 
Ohne Schwingen muss marschieren 
oder Reiten auf den Tieren.

Und ich eile, spüre, hetze, 
meinem Traum nach mit Gewetze, 
durch das Leben mit Gerase, 
plötzlich platzt die Seifenblase!

Schaue auf den blassen Schaum, 
denn nichts andres war mein Traum, 
still beginne ich zu wimmern, 
wusste stets in meinem Innern,

auch wenn wir uns für sie zerfetzen, 
sie das Leben nie ersetzen!


frei - lass mich ziehen 12/2018


Wie hindert mich der alte Balg, 
mein Script hier zu erfüllen.
Halt mich nicht fest, lass endlich los, 
lass los und wirf, 
wirf und fang - mein Leben.

Wo füllt mich die ewig Seele 
aus schwarzer dunkler Energie?
Schau sie nicht an, dreh dich weg, 
dreh dich weg und geh, 
geh und stirb - ist mein Leben.

Wann kommt die dunkle Nacht 
der Seele über mich? 
Allein muss ich sein, vor Schmerzen schrei‘n, 
von den Schmerzen mich befrei‘n, 
los lassen und sterben - endlich frei!



Trennungsaufstieg 01/2019


Ich bin, weil ich denke
oder denk ich, das ich bin?
Grundsätzlich doch egal,
alles nicht so schlimm?

Mein Körper wäre sekundär,
wenn ich denk in Quanten.
Würde noch immer denken,
wenn sie mich verbrannten.

Auch scheint mein Geist
mit meinem Leib verbunden.
Schreit grässlich laut vor Pein,
wird dieser Leib geschunden.

Wird dann gequält
mein schwacher Geist,
kannst du erkennen,
wie mein Leib vergreist.

Drum löst euch voneinander,
steig auf, du Menschenseele,
Ach, Ba, Atman, Saiwaz,
niemand dir befehle.

Von der Verschränkung deiner Quanten
lass dich künftig leiten.
Denke einfach ohne Sein,
gültig für alle Zeiten.

Umdenken 01/2019


Als ich die Bäume noch nicht kannte,
entsorgt ich manches Blatt Papier.
Als unser Wald dann niederbrannte,
tränten unsere Augen vier.

Gibt im Sommer keinen Schatten,
auch der Sauerstoff wird fehlen,
große graue Aschematten,
Todesschreie aus Tierkehlen.

Stumm in Asche die Grippe,
nur mein Wolf hetzt durch den Staub.
Hier zog Bayer nicht die Strippen,
Todesacker ohne Laub.

Eiche, Kiefer, Berberitze
sprießen wieder aus dem Boden,
kühler Atem gegen Hitze,
feucht genug für Gastropoden.

Jetzt da ich die Wälder liebe,
irren wir nicht mehr umher.
Wölfchen füttert seine Triebe,
gute Laune immer her.

Appetit / Völlerei 03/2019


Hatte die Nacht getrunken
und brach den Morgen aus.
Ganz tief im Grau versunken,
starb der Sonne Opfertod.

Teilte mittags unser Brot,
der Tränenfluss versiegte,
schon am Abend war ich tot.
Wie sollt ich’s Leben lieben?

Schützend Hände über mir
konnten nicht bewahren
diese wilde Lebensgier.
Ich kaute leere Erde.

In der Stille stirbt mein Wille,
fühllos in den Dunst getrieben,
ohne Sicht auch meine Brille,
gefühlsblind durch das Leben.

Fein zerstäubte Wassermassen
tosen laut um mich herum,
lassen jede Sicht verblassen,
schalten jede Regung stumm.

Habe nun den Tag gefressen
und kotzte Rache aus.
Altes Leiden nun vergessen,
vergaß mich selbst …

zehrte mich auf.

..
.

Hatte mich schon fast verzehrt,
da fiel’s mir plötzlich ein.
Hatte mich noch nie verehrt,
jetzt fress ich mich, oh nein!

Nahm endlich jetzt das Leiden an
und lernte zu genießen.
Durch Leid ich wieder lieben kann,
es kann mich nicht verdrießen.


Sommeryoga 07/2019


Menschenmassen laut und heftig,
keiner scheint hier sehr bedächtig.
Setz mich in den Sand, den feuchten
und das Meer beginnt zu Leuchten,
konzentrier mich auf die Wellen
und erkenne ihre Quellen.

Es saugt, es lockt,
Worte und Gedanken
steigen nicht
über die Schranken
und mein Geist,
soweit vorhanden,
fühlt sich
von der Welt verstanden.

Porno 08/2019


Ob Doggy, Löffel, Missionar,
eigentlich ist doch allen klar,
geht nicht um Blasen oder Lecken
an den definierten Flecken;
geht nicht um Menge oder Länge
dieses männlichen Gehänge;
nicht um Ärsche oder Titten,
welche im Fickrhythmus wippen.

Es geht um Liebe und Gefühle,
Oxytocin im Körpergewühle.
Rein mechanisch nur gefickt,
uns nicht wirklich lang erquickt.
Stets nur dir alleine machst,
aus dem petit mort erwachst.
Nicht Sex, sondern große Liebe
erfüllt wirklich unsre Triebe.

Spiegle dich im Partner fein,
wirst du nicht alleine sein.
Schwärmen, streicheln, kuscheln,
öffnet starre Muscheln.
Lichter voller Liebe
eröffnen das Geschiebe.
Träumen, öffnen, entrücken,
mit dem Partner stets entzücken.


Fürbitte 08/2019


Ich streif durch meinen Wald allein,
wollt niemand mich begleiten.
Der Wind streift durch die Kronen fein,
er kann auf ihnen reiten.

Dunkel wird es unter Buchen,
Eichen lassen dir das Licht,
solltest du mal Leichen suchen,
unter Eichen sind sie nicht.

Dicht an dicht schießen die Birken,
Kiefern haben es hier schwer,
Ahorne wie Unkraut wirken,
Eschen wachsen hier nicht mehr.

Die Skelette von den Fichten
sind bedrohlich anzusehen.
Wasser fanden sie mitnichten,
starben ab und blieben stehen.

Hier im Boden tobt das Leben,
Insekten, Würmer und Myzel,
muss bei jeden Schritt erbeben,
sind vom Wald die gute Seel.

Höre das Bölken einer Fähe
und das Fiepen einer Ricke.
Die Rotte Schwarzwild in der Nähe
bricht nur kurz durch meine Blicke.

Sehe, wie die Krähen treiben
Milanpärchen weg vom Nest,
Sperber werden zu Zielscheiben,
Krähen feiern Schützenfest.

Lasst sie wachsen, wuchern, moosen,
überbordene Natur,
sollte überall so tosen,
wie in meinem Wald und Flur.


Wiederkehr 09/2019


Ich ließ mich durch das Leben treiben,
wie ein Eichenblatt im Wind.
Manchmal wollt es mich zerreiben,
stückweis war ich selber blind.

War zu allen Andern nett,
half auch immer gern,
schlief auch schön in meinem Bett,
hielt von Streit mich fern.

Oh, wie hab ich es genossen,
alles lief ganz einfach so,
doch dann haben sie geschossen
und ich wurde nicht mehr froh.

Ich bedachte jeden Schritt,
fünf vor, ein seitlich, drei rück,
bekam stets einen Tritt.
So wurde ich verrückt.

Das Leben wurd zum Minenfeld,
ich sprang darauf umher,
nur der bleibt lebend auf der Welt,
der fliegt, doch bitte quer.

Dem steten Sturme trotzend,
wollt ich stehen wie die Eiche,
mit meinem Umfang protzend,
nicht vor euch erweiche.

Doch euer Missgunst Säure
fraß sich in den Boden,
spart euch die Axt, die teure,
fiel um, wie unter Drogen.

Entästen, entrinden, verbrennen,
bloß nichts davon verwerten.
Niemals soll mich jemand kennen.
Eure Handlungen - die verkehrten!

Meine Ideen, meine Keime
sind schon lange unterwegs.
Hier zum Beispiel mal als Reime
gehn euch weiter auf den Keks.



Nebel 11/2019


Ach wie gut, dass ichs nicht sehe,
arg gequält, fiept eine Fähe
aus der trüben Waldessschlucht.

Nebel dämmt das Qualgestöhne,
konzentriert uns auf das Schöne,
sehen und auch hören nichts.

Denn so wollen wir es haben,
uns an Lebensschönheit laben,
blenden alles Schlechte aus.

Medien nebeln unsre Sicht,
so erfahren wir es nicht
oder werden glatt belogen.

So läufts Leben fröhlich weiter,
Nebel deckt den Schicksalseiter
und wir schlafen tief und fein.



Superheld 11/2019


Ich geh, ich lauf
und zieh mein Schwert,
Gegner sich beiseite ducken,
ich mach nichts verkehrt.
Hör schon wieder diese Stimme:
… pa … stich …

Zieh die Edeldame heftig zu mir,
nur zu ihrem Schutz,
warm schmiegt sie sich an mich,
purer Eigennutz.
Hör schon wieder diese Stimme:
… pa … hau …

Dieser Angriff kommt von hinten,
spring neben die Zeit,
Gegner sieht nur große Leere,
bin jederzeit bereit.
Hör schon wieder diese Stimme:
  pa … kill …

Unverletzt an einer Tafel,
schenkt dem Liebchen ein.
Ihr Antlitz wird mein Augentrost,
seh mein Töchterlein.
Hör schon wieder ihre Stimme:

P a p a, i c h   w i l l   K a k a o!