Drachenrose

Gefühle

Drachenrose


Lest die Reime bitte richtig,
nichts davon ist wirklich nichtig.
Klingt es auch, als wär ich Richter,
bin ich nur ein kleiner Dichter
mit Gedanken um die Welt,
die uns allen doch gefällt.




Kummer, Leid und Schmerz
lassen das Herz aus den Augen fließen!



Tränen (12/97)

Das Schicksal schlägt gern grausam zu,
man kann es kaum verkraften.
Den ersten Hieb noch weggesteckt,
musst du im nächsten saften.
Wenn Wasser fließt gar bitterlich,
auch wenn du weggerannt,
den nächsten Schlag spürst du nicht mehr,
Tränen sind weggebrannt.
Und wenn du endlich leer dich fühlst,
dann trifft es dich noch härter,
auch wenn du denkst, es ist vorbei,
das Schicksal drischt noch stärker.
Entzieht sich dann die starke Hand, die breite Schulter,
die du dringend brauchst,
dann schlägt’s dir voll die Beine weg
und liegst allein am Boden.

Es ist so kalt hier unten.



trau dich  (01/98)

Wir würden uns gern kennenlernen,
doch die Situation
läßt es nicht zu.
Angst vor Verletzung
ist groß
und so
spielen wir uns etwas vor
und gehen
aneinander vorbei.

 


Wie? (01/98)

Ich weiß nicht,
wie ich`s sagen soll: Ich liebe Dich.
Ich zeige dir Musik,
denn sie
sagt alles,
was ich nicht sagen kann,
obwohl,
wir sprechen eine Sprache.

 



Analyse (01/98)

Sitze hier
und warte nur
auf ein Zeichen von dir.
Selbstkontrolle oder Dummheit,
schüchtern oder feige,
vielleicht alles?

Zu oft verletzt und abgewiesen.
Schmerz macht hart
oder traurig
oder wahnsinnig.

Der Mensch
ist aufgrund seiner Vernunft
in der Lage
über sich selbst zu bestimmen.

Immer?




Distanz (01/98)

Ein Blick in deine Augen
zeigt mir die Verletzlichkeit
deiner Seele.
Im Gespräch erfolgt
ein vorsichtiges Abtasten.
Nähe
ist vorhanden,
Distanz
wird gesucht.

TU MIR NICHT WEH!

Wie
wollen wir
uns so kennenlernen?
 

zu Haus (ein Sonntag)  (01/98)

Mit dir reden
möcht ich gern,
doch du
bist gerad so fern.
Ich würd auch
mit dir schweigen,
doch du
bist nicht hier.
Spazierengehen im Schnee
mit den Kindern und mit dir
wär auch sehr schön.
Möcht jetzt gern kuscheln,
doch mit wem?
Gefühle
nicht nur zeigen,
sondern mit dir teilen.

Die Phantasie
zeigt schöne Bilder,
harmonisch, liebevoll.
So schön
würd es nie werden,
doch Träume sind so toll.
Ich bin zu Hause
bei den Meinen,
doch ohne dich
allein.
 

 

Kinder (05/98)

Du willst mich weinen sehen,
dann lass uns über Kinder sprechen.
Ich bin kein guter Vater,
doch ich lieb sie über alles.
Schrei nicht gern,
doch ich tu 's.
Schlag nicht gern,
doch ich tu 's.
Der Scham sitzt tief!

Manchmal lachen sie mich aus,
weil sie wissen,
ist nur Spaß,
wie will man da ernst bleiben.
Mit ihnen
entdeckt man Neues jedenTag.
Du begreifst die Welt neu
mit ihren Augen
und du siehst:
Es ist gut!

 

 

Seufzer    (05/98)

Sitze hier und trinke,
trinke, bis ich stinke.
Ich baumle mit die Beine,
sitz hier ganz alleine.
Der Kopf wird schwer und schwerer,
das Hirn wird immer leerer.
Auf einmal wird mir dann ganz leicht,
auf Alk bin ich nicht mehr geeicht.
Vergessen ist nun auch der Grund,
geh ins Bett, schlaf mich gesund.
... und morgen?

 

Seufzer  (05/98)

Meine Kinder wissen es,
vertraue nicht und nie – frage neu.
Doch ihr
seid zu alt
um umzudenken.
Ich verarsch euch,
wo es geht.
Das ist
meine kleine Revolution.



Letzte Nacht   (06/98)

Meine Hände gleiten
über deinen Körper,
mein Kopf ruht
an deiner Schulter,
in deinen Augen
seh ich
Vorwurf, Fragen, Seeligkeit.

Warum
trafen wir uns
nicht eher?

 
Vorbei (06/98)

Mein Herz schreit
vor Seelenpein,
die Seele ächzt,
ich bin allein.
In Worte
kann ich es nicht fassen,
ich kann
nur Tränen laufen lassen.

 

Offenbarung  (06/98)

Ich liebe dich,
weiß nicht, warum,
wer kann es schon versteh'n.
Doch uns're Wege trennen sich.
Das Schicksal meint es bös.
Vielleicht
einmal im nächsten Leben,
ich würd' mich freuen,
versteh 's.

Ich würd dich auch
gern leiden seh'n,
voll Sehnsucht, voller Pein,
weil es mir
schließlich auch so geht,
dann leid ich nicht allein.

 
 

keine Vergebung  (06/98)

Warum
sollt ich denn dir verzeih'n,
was du mir angetan.
Von Schmutz und Eis
hast mich befreit
und Kälte ausgetrieben.
Gefühle wurden wieder wach;
Zärtlichkeit,
gestaut in vielen Jahren,
brach wieder aus
und hätte dich zerstört,
wenn du nicht
so gegangen wärst.

 

Selbstschutz (07/98)

Sarkasmus
und auch Ironie,
ich lieb sie
ohnegleichen,
denn sie
verdecken meine Seele.
Der Schmerz
trifft nur die Oberfläche
und kann
mich nicht erreichen.


untreu (07/98)

Treue zu dir aufgegeben,
zurückgestoßen jetzt.
Liebe dich noch immer!
Steh am Fenster,
schau hinab,
liebenswerte Tiefe.
Schließ die Augen,
sieh den Wind,
hör den Puls der Welt!
Ist nicht mehr meine!

Gelöst hast du dich nun von mir
für immer und für ewig.
Liebe dich noch immer!
Der Wagen prescht mit Mörderspeed
dem nächsten Baum entgegen,
der Aufprall ist Erlösung.
Schließ auch die Ohren,
hör den Sturm,
fühl den Puls der Welt!
Ist nicht mehr meine!

Die Schlinge
liebkost meine Haut,
ein Sprung bringt nun das Ende.
Vertrauen gebrochen,
Verzeihung vorhanden.
Liebe dich nicht mehr.
Öffne die Lunge,
schrei in den Sturm,
bin selbst der Puls der Welt!
Ist nämlich meine!


Geborgenheit (11/98)

Der Himmel grau,
der Himmel weint,
gar scheusslich stürmt es draußen.
Wir sitzen drin,
wir sitzen warm,
lass den Sturm ruhig sausen.

Der Himmel grau,
die Luft so kalt.
Wir sitzen in der Stube,
lachen viel
und herzen uns,
spielen in der Grube.

Der Himmel grau,
mich fröstelt schon...,
Mag gar nicht daran denken,
doch wird mir warm,
denk ich an uns
und wie wir uns beschenken.


in einer lauen Sommernacht 04/01


In einer lauen Sommernacht
der Mond
in voller Pracht am Himmel stand.
Ich saß hier unten
und weinte bitterlich,
große feuchte Augen,
schluchzend tief betrübt.
In einer lauen Sommernacht
der Mond
in voller Pracht am Himmel stand. 

Umarmten zwei sich innig
mit Liebe ohne Ende,
schmeckten sich ganz süß,
kuschelten glücklich.
In einer lauen Sommernacht
der Mond
in voller Pracht am Himmel stand.

Erschlugen zwei den Dritten
mit hartem gelben Neid,
befriedigt schlichen sie davon
mit Beute voller Hass.
In einer lauen Sommernacht
der Mond
in voller Pracht am Himmel stand.

Ich saß hier unten
und weinte bitterlich,
große feuchte Augen,
schluchzend tief betrübt,
weil ich nur sah
den Hass und Neid
und für die Liebe blind.
In einer lauen Sommernacht
der Mond
in voller Pracht am Himmel stand.



Harphilfe (06/13)


Tränen laufen ungezwungen,
mein Herz geöffnet weit,
die Harp gepresst
an meine Lippen,
gibt mir dann den Rest.

Die Töne öffnen
weit die Pforten,
das Elend kommt heraus
und ist der letzte Ton entschwebt,
mir es auch wieder besser geht.

Urteil (07/13)


Ich bin auf meiner Wiese.
Ich lieg auf meiner Bank.
Mein Blick kann frei hier schweifen.
Im Kopf bin ich noch krank.

Erinnere mich an Zeiten,
die’s lange vor mir gab.
Ich kann’s zwar nicht begreifen,
doch vor mir liegt ein Grab.

Darin hatt ich verscharrt
den ganzen Hass, den bösen.
Ich hoffte mal ganz stark,
das könnte mich erlösen.

Ich hab gesammelt Liebe pur
in all den ganzen Jahren,
doch davon gibt es nicht genug,
so musste ich erfahren.

Ich hatt gehofft im Lauf der Zeit
den Hass mit Liebe aufzuwiegen,
doch war es ziemlich aussichtslos,
Liebe war kaum zu kriegen.

Die Zeit ist um, der Richter kommt
und packt aus seine Waage.
Voll Demut und voll Traurigkeit
sein Urteil ich erfrage.

Er nimmt die Liebe und den Hass,
die Waage steht bereit.
Ich schließ die Augen, neig das Haupt,
der Richter lässt sich Zeit.

Der Hass wird ausgewogen,
die Liebe nebendrauf.
Der Hass, er steigt nach oben,
die Augen werden groß.
Der Hass war aussichtslos und leer,
die Liebe voll … und schwer.

am Abend (03/2014)

Am Abend
ist das Tagwerk vorbei,
nichts bleibt,
um dich draußen zu halten.

Du tanzt
in meinem Kopf.
Du knabberst
an meinen Lippen.
Du schaust
in meine Augen
und bist
doch gar nicht hier.

Jeden Abend
ist das Tagwerk vorbei.

Danke 12/14


Ich steh' hier gerad' im Regen,
mein Blick, er geht zurück,
seh mich am Boden liegen,
verkrümmt, verkrampft, verrückt!

Der Himmel ist nicht heller,
im Kopf tut's manchmal weh,
doch geht es mir viel besser,
wenn ich Euch um mich seh.

Ihr habt mich festgehalten,
als ich fiel ins Loch.
Ich schrie, lasst los! Es hält nicht!
gehalten habt ihr doch.

Es hielten mich die Lieben,
die ich nun sehen kann.
Es rankt mit zarten Trieben
um meinen Seelenstamm.

Er wird umhüllt,
er wird bewahrt,
kann wieder wachsen
und wird stark!


Erinnerungen 10/2015



Mein Weg führt durch den Wald,
hier ist es feucht und dunkel.
Es ist schon ziemlich kalt,
seh auch kein Sterngefunkel.

Von innen tu ich brennen,
heut kam´s zum ersten Kuss.
Würd lieber fliegen als rennen,
fürs Herz ein Hochgenuss.

Der Wald so schwarz
und ich so hell,
ich laufe langsam,
doch so schnell.



Prioritäten 11/2015


Spüre keine Angst,
fühle keine Trauer,
wenn mein Leben mir entflieht.
Wusste doch, ist nicht von Dauer.

Anders ist´s,
wenn´s dich betrifft,
weil ohne dich, nichts schön hier ist.
Ich glaub, dann nehm ich Gift.

Doch sollte Hein
die Kinder krallen,
dann dreh ich ewig durch
und werd mir den Kopf weg knallen.

Davor hab ich Angst
und unbestimmte Trauer,
mein Leben wär umsonst
egal von welcher Dauer!



Heimat II 09/2016


Barfuß durch die Wiese gehen,
bis zum Knie im Flusse stehen,
macht mich glücklich wie ein Kind,
weil wir in der Heimat sind.

Geh ich an der Spree entlang,
hab ich nen beschwingten Gang.
Hier fiel ich einmal vom Baume,
ja, ich glaub, es war ne Pflaume.

Rodeln auf dem Sanzeberg,
ach, da war ich noch ein Zwerg.
Fahrradsturz und fast ertrunken,
hab die Kindheit durchgewunken.

Erinnerung an junge Frauen
und Kerle, welche mich verhauen.
Bin auf Wiesen aufgewacht,
manchmal war es dunkle Nacht.

Lausitz, oh du flaches Land,
hast mir die Kindheit eingebrannt.
Stehe ich hier an der Spree,
ich dann alles wiederseh.


Perspektive II 02/2017


Ein Schatten
fällt den Berg hinunter
und dunkelt
tief die Erde.
Ein zartes Pflänzchen
krümmt sich dort,
damit es größer werde.

Ein Schatten
fällt ins Tal hinein,
ich kann
nach oben sehen.
Bin nicht
geblendet von der Sonne,
ich sehe dich dort stehen.

Der Schatten
ist nun wieder fort.
Das Pflänzlein
kann sich strecken.
Doch ohne dich,
komm, sag es mir,
wer sollte
mich erwecken?



mein bunter Drache Rosenstolz 03/2017


Bei einem Thema über Drachen
erwartet man meist schlimme Sachen,
doch meiner ist für mich ein Schutz,
bewahrt mein Leben vor dem Schmutz.
In seinen Schwingen weich und warm
fühle ich mich niemals gram.

Mein bunter Drache Rosenstolz
beschützt mich und mein Leben.
Er ist aus ganz besonderen Holz,
so wie ich, halt eben.

Mein Drache ist nicht klein
und auch ziemlich schlau,
manchmal nicht ganz fein,
doch er weiß ganz genau,
wie man mich bremst und startet
und was mein Partner gerad erwartet.

Mein bunter Drache Rosenstolz
begleitet mich seit Jahren.
Er war schon zur Geburt dabei,
hab ich von ihm erfahren.

War schon oft ein dummer Tor
und verschloss vor ihm mein Ohr,
doch Rosenstolz ist drachentreu.
Ich mich immer wieder freu.
Sitz ich hier auf seinem Rücken,
kann das Leben nur entzücken.

Mein bunter Drache Rosenstolz
ist ein sehr starkes Wesen.
Er ist aus ganz besonderen Holz
und lässt mich stets genesen.

Trägt er mich auf seinen Schwingen,
könnt ich die ganze Welt bezwingen.
Denk ich traurig, bin allein,
Rosenstolz wird bei mir sein.
Alle Menschen, die mich halten,
meinen Rosenstolz gestalten.

Mein bunter Drache Rosenstolz,
verrückt und polymorph,
ist aus ganz besonderen Holz,
so, wie unser Dorf.


Rettende 03/2017


Immer wenn das Leben quält,
erscheinst du sternengleiches Wesen.
Hast mich vor Allen auserwählt,
immer lässt du mich genesen.

Deine Augen, engelsgleich,
baden meine Seelen weich.
Dein sanfter Blick ist so gesund,
verschließt kosend meinen Mund.

Deine Lippen, diese milden,
seh ich die drei Worte bilden.
Deine Stimme, rau und zart,
schwingt in meinem Knochenmark.

Liebe Finger mich berühren
und mich raffiniert verführen.
Deine Brust beginnt zu beben,
bringt uns beide jetzt zum Schweben.

Dein Leib ist voller süßer Wärme,
von welcher ich in Träumen schwärme.
Dein Duft ist einfach ohnegleichen,
kann auch stets mein Herz erweichen.

Wohlig schön will ich es fühlen,
lässt du deine Zunge spielen.
Dein Haar strahlt voll Sonnenschein,
liebend dring ich in dich ein.

Deine Schenkel mich umklammern,
leise tönt dein gurrend Jammern.
Jauchzend kommen wir zum Schluss,
Ende schön des Koitus.


Abends, nachts 05/2017


Lieg im Bett, es ist sehr still,
auch kein Nachbarschaftsgebrüll.
Neben mir nur weißes Laken,
es kommen die Gedankenkraken.

Dreh mich, wälz mich, her und hin,
alles kommt mir in den Sinn.
Schafe laufen wunderlich,
lässt der Hirte sie im Stich.

Mein Gewissen ist so rein,
müsste eigentlich schlafen fein,
doch in meinem Kopf, dem trüben,
scheinen Panzer gerad zu üben.

Lege ich mich auf den Rücken,
will das Zimmer mich erdrücken.
Atem halten und dann lassen,
nur der Schlaf kann mich nicht fassen.

Augen auf, Augen geschlossen,
in meinem Kopf wird jetzt geschossen.
Würd gern die Gedanken lenken,
einfach nur an gar nichts denken.

Erschlagend unkausale Ideen
fleißig durch den Schädel wehen,
von Sex auf Mond und dann auf Beine,
in diesem Hirn ist nichts alleine.

Wollte gerad die Decke heben,
kommt ein depressives Beben.
Kann nicht wollen, fühlen, wissen,
niemals mehr den Schlaf vermissen.

Ausgelaugt, total erschöpft,
Gedanke sich alleine köpft.
Denk schon nicht mehr an den Schlaf,
nick endlich weg, so ist es brav.


Entschuldigung 05/2017


Ach, wie gern, würd ich mich teilen,
von Spaß zu Hobby weiter eilen.
Lesen, wandern, Drohnen fliegen
und ein bisschen Sprachen üben,
über das Leben diskutieren
oder nur nach Wolken stieren,
mit Dir kuscheln brav im Bett,
singen wäre auch ganz nett.

Mit meinem Balg, so singulär,
fällt mir das doch ziemlich schwer.
Um mein Leben zu erheitern,
wird ich meinen Geist erweitern,
oktophren und doch zusammen,
da sie ja von mir abstammen.

Lass Dich bitte nicht verwirren,
wenn Gedanken mich umschwirren,
welche nicht zum Thema passen,
manchmal krieg ich’s nicht zu fassen.


Befreiung 09/17



Du schlägst mir auf den Kopf,
du schlägst mir auf den Magen,
du schlägst mich nur mit Worten,
ich kann es nicht ertragen.

Du sagst, du willst mir helfen,
du tätest mich doch lieben.
Mein Weinen ist erloschen
unter deinen Hieben.

Ich fühle mich so schuldig,
obwohl ich es nicht bin.
Der Vorwurf deiner Worte
ergibt nicht wirklich Sinn.

Ich weiß nicht ein, ich weiß nicht aus,
muss mich doch entschließen.
Ich fasse endlich den Entschluss
und tue dich erschießen.

Ein Richter mich arg tadelt,
man tut nicht solche Sachen.
Ich sitz jetzt hinter Gittern,
kann endlich wieder lachen.


Wintersonne 01/2018



Ich hab Sie gesehen
mit lieber Gestalt,
die Augen verbrannten.
Sie schien mir schon alt.

Doch es war Ihr Reiz,
es war Ihre Glut,
die mich faszinierten,
so ging es mir gut.

Sie hat mir gefehlt,
ich hab Sie vermisst,
wusst schon nicht mehr,
wie schön Sie doch ist.

Sie strahlt mich an,
weil ich Ihr vertrau.
Ihr wisst, wen ich meine,
es ist meine Frau.


Zeitrelation 07/2018


Nachts, als ich dein Leuchten sah,
konnt ich es erahnen.
Himmel, waren wir uns nah,
Liebesveteranen.

Tags, als ich die Tränen sah,
sollte ich es wissen.
Liebe war schon nicht mehr da,
es hat uns zerrissen.

Später, als der Schmerz uns brach,
wollt ich so nicht leben.
Niemand, der dem widersprach,
nur ein kalter Regen.

Abends, als der Schmerz noch quoll,
hab ich mich erschlagen.
Mit uns war es mal so toll,
konnt ich nicht ertragen.

Nachts, als ich alleine lag,
hab ich dich vergessen.
Spürte stark, dass ich mich mag,
war nicht mehr besessen.

Selbstzweifel/Trauma 07/2018


Fühl ich oder träum ich dich, 
nichts kann ich beweisen. 
So lässt die Logik mich im Stich, 
mein Hirn ist am Vergreisen.

Manipulierte Rezeptoren 
gaukeln mir ein Leben vor,
höre ich wirklich mit den Ohren 
oder bin ich nur ein Tor.

Bin ich an sich oder für mich 
oder beides doch zugleich?
Bin ich räumlich einzig, 
denke ich zu folgenreich?

Nur ich selbst war Anfang, 
hab Euch nur erdacht, 
mein Geist mit sich selber ringt, 
bin nicht wieder aufgewacht!


Segeltripp 11/2018


Das Meer, das Meer ist einfach groß.
Ich schwimm hier ganz allein.
Ich seh so weit, da ist nur Meer,
ich bin doch nur so klein.
Ich schau nach vorn, nach links, nach rechts,
auch unter mir nur Meer.
Ich wollte nur die Freiheit spüren
und alles ist nur leer.

Der Herr, der Herr ist einfach groß.
Ich sitz hier ganz allein.
Ich seh so weit, kann ihn nicht spüren.
Vielleicht bin ich zu klein?
Ich schau nach vorn, nach links, nach rechts,
auch hinter mir nur Leere.
Ich wollte nur die Freiheit fühlen,
er kam mir in die Quere.


Irrtum aufgelöst 03/2019


Ich dachte mal,
ich brauch dich nicht,
Gefühle war’n am Sterben.

Nun spüre ich
wie schwarz der Tag,
denn du bist weit weg.

Ich weiß es nun,
ich brauch dich hier,
sonst Doppelherz in Scherben.


bunte Seele 04/2019


Oktophren ist schnell geheilt,
wird es nur durch vier geteilt.
Bei bipolar gibt es Tabletten,
welche deine Stimmung retten,
mit Arznei bei schizophren
kannst du unter Leute gehen.

Wenn sich deine Seele teilt,
wirst du niemals ganz geheilt.
Pillen können nur blockieren
das Benehmen wie von Tieren.
Multipel dissoziativ,
einer von uns immer schlief.

Manche dieser Lutschpastillen
brechen doch nur meinen Willen,
mannigfaltig meine Seelen,
leuchten ohne wie Juwelen.
Ängste meiner Subpersonen
überschreiben Liebeszonen.

Brauchen starken Sub zum Führen,
müssen einen Helden küren.
Werden leer, folgen dem Licht,
fürchten auch das Neue nicht.
Regenbogen, den ihr seht,
nur aus weißem Licht besteht.


armselig 04/2019


Warum
spür ich keinen Durst,
will doch überleben?
Wie
soll ich fühlen,
was ich nicht kenne?

Niemals
gespürt den Durst
… nach Liebe,
kann
mir nicht fehlen!


Bes 04/2019


du bist ohne Angst
freundlich nett zu allen
selbst ein Autounfall
änderte dich nicht

du kanntest unseren Kiez
vermutlich besser als ich
man kannte dich
nahm dich auf

du warst ein Tröster
am Sterbebett
Seelenbeistand
Kummerauflöser

du bist ohne Angst
du bist nicht mehr
wartest auf uns
jetzt in der Erde

kleiner Kater
tot und kalt
ohne Angst

Perspektive IV 07/2019


Bist die Schönste doch von Allen,
welche sich mit mir abgibt.
Kenne dich zwar erst seit Stunden,
doch fühl dich ruhig geliebt.

So ruhig liegst du neben mir,
so hübsch, so still, so dumm.
Wie habe ich es nur verdient,
dass ich gleich in dir kumm?

Wie hatten wir uns kennen gelernt,
wie kams zu diesem Fick?
Nur du hattest nen offnen Drink,
warst halt das dümmste Stück.

Was mach ich hier, wo bin ich nur,
oh Gott, ist das der Eugen?
Steckt der gerade in mir drin?
Ich wollt das nicht, brauch Zeugen.

Die fette Sau, ich schäm mich so,
und mir schmerzt der Schädel.
Beide Löcher jucken wild,
bin so ein dummes Mädel.

Dies ist alles nie geschehen,
die Cam ich nicht seh,
Wochen später manche fragen,
geiler Pornodreh?


Zwiespalt 07/2019


Bist für mich
ein schwarzer Stein,
kann nicht mit dir fühlen.

Wenn ich dich
dann tanzen seh,
Emotionen wühlen.


erlebt 07/2019


Gevatter Hein, geliebter,
du sollst nicht mit mir scherzen!
Die Reanimation
bereitet mir stets Schmerzen.

Farben immer blasser,
das Weiß tut hell erstrahlen,
schweben himmlisch göttlich.
Die Angst zu Staub zermahlen.

Kontakt 11/2019


Ich umarme nie
Ich umarme mich nicht
Ich umarme niemand

Ich umarme mich
Ich umarme manche nicht
Ich umarme manche

Ich umarme anders
Ich umarme wie alle
Ich umgarne alle

Körpersprache Hochverrat
hast du keinen Spruch parat



Weihnachtswunsch 12/2019


Oh Herr, ich wünsch es mir von dir,
nur einmal, nie wieder.
Oh Herr, ich bin dir treu ergeben,
jederzeit, immerwahr.

Dies ist mein erster Wunsch an dich,
erstmals, nie wieder.
Oh bitte Herr, erfüll ihn mir,
nur einmal, nie wieder.

Ich erbitte dein größtes Geschenk,
in Gnade, in Demut.
Oh Herr, erbarme dich meiner,
gib mir …
 
meinen Hirntod.



mein Wille 01/2020


Mein Wille soll wie Wasser sein,
in Kälte hart wie Stein,
in Hitze wie auf Schwingen,
flüssig alles durchdringen.

Lass ihn alles erodieren,
nur so kann es funktionieren, 
mich meidend hydrophob,
schont nicht euer Biotop.

Will niemanden beugen,
Nornen tun s bezeugen,
haben s schon gesehen,
Schicksal wird sich drehen.

Mein Wille soll wie Wasser sein,
in Kälte hart wie Stein,
in Hitze wie auf Schwingen,
flüssig alles durchdringen.

Niemand soll mich lenken,
muss an mich selber denken.
Denn mein Denken altruistisch
erscheint euch zu kommunistisch.

Verbildet oder bildungsfern
habt ihr euch nur selber gern.
Frag mich, wer die Keile schmiedet,
damit Volksseele nicht siedet?

Mein Wille soll wie Wasser sein,
in Kälte hart wie Stein,
in Hitze wie auf Schwingen,
flüssig alles durchdringen.

Doch steht mir nicht zu, zu richten,
aber wer kommt endlich schlichten?
Mein Kokon ist die Geduld,
doch beim Warten wächst die Schuld.

Bürger mit Wut sind am Vermehren,
den Staat des Marktes bald verzehren.
Erst dann sich Perspektiven weiten,
weil wir uns dann selbst verzeihten.

Mein Wille soll wie Wasser sein,
in Kälte hart wie Stein,
in Hitze wie auf Schwingen,
flüssig alles durchdringen.


Sucht 02/2020


Oh, liebste Sucht, nun lass mich ziehen,
wir passen nicht zusammen.
Mein Körper ist so ausgezehrt,
ich würd dich gern verdammen,

doch war es einfach und auch schön,
dir einfach nachzugeben.
Sonst wurd es mir zu kompliziert,
mein kleines Menschenleben.


trockener Asperger 05/2020


Wo sind die Worte, die brauch,
um das hier zu beschreiben?
Ist ihre Anzahl so gering
oder ist sie am Neigen?

Ist’s Hirn zu trocken oder leer,
ich könnte es nicht fassen.
Ne Weltbeschreibung hat ich vor,
das muss ich leider lassen.

Gefühle ich kaum deuten kann,
obwohl ich hab’s verstanden,
doch Abwehr meine Reaktion,
bei mir sie nicht vorhanden.

Du lächelst, ja das kann ich sehen,
was willst du damit sagen?
Das kommt bei mir nicht an,
ich hab so viele Fragen.

Asperger trocken bei mir läuft,
manchmal tust du mir gut.
Doch läuft es nicht, wie ich es brauch,
entsteht nur kalte Wut.

Ich kenn die Wörter, die beschreiben,
was andre Menschen fühlen.
Wie soll ich aber reagieren,
wenn sie in euch wühlen?


Leben IV 05/2020

Ich stehe hier und warte,
ich warte auf das Leben.
Es zieht an mir vorüber.
Was sollte es mir geben?

Ich geh ihm jetzt entgegen.
Nun lauf doch nicht davon!
Also eil ich hinterher,
zum Glück stoppt mich Beton.

Darf wieder verweilen,
versuch zu reflektieren.
Erkenne keinen Fehler nicht,
muss mein Hirn mal schmieren.

Steh wieder hier und warte,
ich warte auf das Leben.
Wieder zieht es vorüber,
ich steh einfach daneben.

Wahrscheinlich ist es einfach so.
Es plätschert so dahin.
Du kannst es hetzen, jagen,
mehr Leben ist nicht drin.



farbenblind 05/2020

Später Frost den Boden lobte,
Blutmond diesen nicht bedrohte.
Eine Eiche, laubumkränzt,
diesen Frost mal wieder schwänzt.
Tod und Tödin gehen spazieren,
helfen allen, die schon frieren.

Kamen auch bei mir vorbei,
sie wollten mein Couleur.
Mir war alles einerlei,
ich mich an Grau nicht stör.

Völlig farblos ich nun lebe,
unsichtbar ich nicht anstrebe.
Seht mich nur, wenn Funken spritzen,
durch die Masken mit Sehschlitzen.
Ich steh vor euch, völlig offen.
Siehst du mich? Kann ich hoffen?