Drachenrose

Exoten und Fantasie

Drachenerde


Offenbar mich
hier euch allen,
doch es muss euch nicht gefallen.
Trifft mich wieder
Schicksalsgicht,
schreibe ich gleich
ein Gedicht.
Aber auch an schönen Tagen
will die Feder nicht verzagen.



Langeweilegedanken (11/93)


Wer bin ich? Doch warum auch nicht?
Hier und heute stellt sich doch die Frage,
und wer wollte das bestreiten?
Getunte Augioten sagen nichts.
Ich bin, also muss ich koten!
Mutter und Vater zeugten mich,
hoffentlich hat wenigstens das Spaß gemacht.
Die Buche schlägt zurück,
wieder ein Autofahrer weniger.
Unvermeidlich - die Ökostrophe ohnegleichen.
Doch das ist es, was mich ausmacht.
Schneller denken, als sprechen,
biologisch abbaubar zu 99 Prozent - ScheissAmalgan!
Wo ist die nächste Politiker-Recycling-Anlage?
Ich fühl mich wohl...

K.Putt
Aktionsgruppe Volxsport

OB is O.K. (02/94)


Schwarzrotbraun dröhnt die Vision,
küsst mich hier und dort.
Lockend grinst der Steuerfraß. Autofahrermord?
Denkst du, ich will dir was sagen?
Körpersprache schmerzt mit Faust.
Glibberigrot rinnt es heraus,
strotzend lebend Saft;
ob mit Stöcken oder Steinen
irgendwann platzt jeder Kopf!
Aber wann platzt euch der Kragen?

Voll Hass ist diese Welt gepumpt,
der Deibel hat sich nicht gelumpt.
Effektive Menschizide machen wir doch selbst!

Gustav Geier
Institut: Pandora lebt!


35 Millionen (09/94)


Hätte ich den Jackpot
schon heute in der Tasche,
würd ich nur noch blöde tun
und streute fleißig Asche.
Die Welt ist ja sooo schlecht,
ich wäre noch viel schle(ä)chter!

Kunter Kinte
DSDt. Grüner Punkt für alle!

das Gespräch (??/88)


das Gespräch (vor mehrerereren Jahren) (00/88)

G: Solch einen Scheiß wollen Sie mir zurückgeben, der Wiederver­kaufswert ist ja schon unter Null gesunken! So etwas verdrecktes habe ich schon lange nicht mehr gesehen, das stinkt. Wie haben Sie in der kurzen Zeit das Ding so runterwirtschaften können? Hatten Sie einen Unfall?

M: Nur ein paar kleine Bagatellschäden,schon lange wieder repariert. Wir hätten es ja noch ein Weilchen behalten, aber das Verdeck ist kaputt, die Klimaanlage spinnt total und bekommen den Dreck nicht mehr weg.

Im Leasingvertrag stand doch drin, das wir ohne Aufpreis tauschen können, wenn uns das Modell nicht mehr zusagt.

G: Ja leider, ein Eröffnungsangebot, ich meinte damit aber nicht, das Sie das Modell selbst zur Sau machen.

Na gut, Sie können sich ein neues Modell ohne Aufpreis aus-suchen. Was hätten Sie denn diesmal für Vorstellungen?

M: Also, das Raumangebot war gut, aber ein stabileres Verdeck müßte es sein, wir hatten andauernd Sonnenbrand. Die Klimaanlage müßte mehr aushalten, haben Sie auch selbstreinigende Modelle?

G: Sie hatten doch eins, aber was zuviel ist, ist zuviel! Aber OK, also UV versiegelt, Klimaanlage, selbstreinigend können Sie haben, dort schweben ein paar Modelle.

Sie könne sich eins aussuchen, aber beim nächsten Mal können Sie sich mit Ihrem Drecksmodell begraben lassen.

M: Jaja, ist schon klar. Oh, das sieht ja Spitze aus, ein Superblau, UV versiegelt, Klimaanlage auf jedem Platz vierfach verstellbar und selbstreinigend, Super, das nehmen wir!

Wie heißt es denn?

G: Modell “Erde”!
erde







der Ring der Gegenzeit (04/98)


So schnell verströmt die Zeit
und niemand hält sie auf.
Wo war mein
point of no return?
Wie ändre ich den Lauf?

Wie oft kamen die Weichen,
ich folgte unbeirrt.
Doch ging ich immer richtig?
Ich bin total verwirrt.

Out of the dark, into the light,
dies singt sich ziemlich leicht,
doch the darkness hüllt mich ein,
my brain ist aufgeweicht.

Die Kondition sinkt ab auf Null,
den Ausweg such ich jetzt.
Ich springe in die Gegenzeit
und sehe
deine Wesenheit.

Glücklich (06/98)




          Kerzen leuchten warm
          schau mir in die Seele
          nehmen uns in den Arm
          auf das uns nichts mehr quäle
          Wangen werden salzig
          Lippen brennen heiß
          Gestammel
          erreicht das Ohr

          Herzen pumpen
          roten Saft durch uns're Leiber
          dein Keuchen
          macht mich rasend
          nun endlich
          ist der Punkt erreicht
          geben uns die Nadel.


Stillleben 02/2002


Der Mondschein schien
am Mittagstisch.
Das Essen
ist nicht mehr so frisch.

Ein Schädel
ruht schon auf dem Boden,
er thronte mal
am Tische droben.

Zerbröselt sind auch
Speis und Teller,
die Zeit vergeht nun
wieder schneller,

weil keiner ist,
der sie noch misst.
Der Mondschein schien
am Mittagstisch.


Parabelfabel (12/95)


Einst traf das BöseSelbst das GuteIch und trat es in den Putt. Da schwoll der Putt an und wurde so groß wie das GuteIch. Nun trennten sich beide und weil der Putt ein K aufaß, entstand daraus das Kaputt. Das GuteIch aber sprang vor Wut dem BösenSelbst auf den Rücken und kämpfte so lange mit ihm, bis sich das Böse vom Selbst trennte. Das GutIch nahm das Selbst auf und wurde zum GutenIchSelbst.

Doch das Böse begegnete dem Kaputt und nachdem sich beide zum BösenKaputt addierten, kam eine Potenz des Weges und transformierte sie zum Chaos.

Seitdem: Jedesmal, wenn das GuteIchSelbst sich Selbst vergisst, dann wird es gleich ein Chaos.

der 6. Prim 04/15


Um Dreizehn steht an einem Hügel,
davon wird ihm furchtbar übel,
denn der Hügel ist nicht klein
und Dreizehn kann nicht größer sein.

Er blickt sich um, ganz fragend.
Er hielt sich stets für überragend.
Dies war schließlich sehr erlabend.
Traurig ging er in den Abend.

Jetzt schlägt's dreizehn, ruft der Prim,
doch wir lassen ihn
jetzt zieh'n.


lieber Hören?  

Ende gut 02/2016


Nachts, als ich das Dunkel trank,
da verschwand die Eine.
Ich hatte keinen Durst
und war doch so alleine.

Tags, als ich ins Becken brach,
da tauchte Einer auf.
Der Hunger war vorbei,
wir machten einen drauf.

Mittags, als ich starb,
hat jeder mich gemieden.
Ein Licht stand hoch im Himmel
und alle war’n zufrieden.

Im Dämmern bin ich auferstanden,
das Licht ging seinen Weg..
Den durstigen Hunger spürt ich nicht,
genieße dieses Privileg.



Zeit gestohlen? 05/2016


Zeit erschien mir ohne Sinn,
denn sie verstreicht so vor sich hin.
Ja, ich weiß, man kann sie messen,
doch nur im Jetzt und dann vergessen.

Ich hab dann mal die Zeit zerfetzt,
alles war auf einmal jetzt.
Orgasmen, Schläge, Zärtlichkeiten
ohne Zeit sich auszubreiten.

Ich hab gestöhnt, geschrien, gelacht,
alles auf einmal jetzt gemacht.
Es tat so weh!
Es war so schön!
Ich bin tot und gerad geboren,
völlig abstrus und sehr verloren.

Die Erinnerung in Flammen
nicht mehr in der Zeit verhangen,
knallte mir den Schädel weg.
Zeit hat also einen Zweck!

Ich begann schnell neu zu weben,
Zeitkonstrukte schön zum schweben
und begann damit zu retten
alle die kausalen Ketten.


Moos 12/2016



Das Moos ist grün,
das Blut ist rot,
der Himmel blau
und du bist tot.

Du liegst hier auf dem grünen Moos,
die Augen groß und weit
und neben dir liegt eine Ros.
Das tut mir herzlich leid.

Geschehen ist es heute Morgen,
die Sonne war schon hell,
die Eltern waren was besorgen
und dann ging es sehr schnell.

Du warst so jung und unerfahren,
so frisch in diesem Leben,
doch dieses birgt so viel Gefahren,
so ist es nun mal eben.

Keine Zeitung wird berichten,
wie dieser Mord geschah,
nur ich tu ihn bedichten.
Es ging mir ziemlich nah.

Bist nur aus dem Nest gefallen,
recht sanft ins grüne Moos,
doch die langen Katzenkrallen
gaben den Todesstoß.

Das Moos ist grün,
das Blut ist rot,
der Himmel blau
und du bist tot.



flatline 09/17



Ich war so schlapp, ich war so müde,
ganz ohne Energien,
nur noch Kohlendioxide,
mein Herz blieb einfach steh’n.

Ich dachte noch, das kann nicht sein
und war doch einfach tot.
Nicht Energieverlust allein,
auch Masse die verflog.

Ich weiß auch nicht, wie es geschah,
war nun ein Tachyon,
war plötzlich überall ganz nah.
Ich wurde Zeitspion.

Mal iso- und mal polymorph
sah ich die Tori kreisen,
nur dort, wo alle sich berührten,
sie auf 5D verweisen.
Fraktum2
Vielleicht war’s auch ein Kollapsar,
ich selbst war diachron,
Erscheinung einfach wunderbar
mit jenzeitigem Ton.

Die Tori selbst, gerollte Branen,
schafften nur die Vierte,
doch könnt es sein, ihr könnt’s erahnen,
dass dieser Raum gelierte !?

Zeit floss in allen Dimensionen
fraktal, gestaucht, mal linear,
gelegentlich in Abstraktionen,
nicht gerad‘ berechenbar.

Ich sprang umher in Überzeit,
gern gestern und dann morgen,
verlassen hat mich dann mein Schneid,
Fraktum wird mich entsorgen.

Mein Bremsen ließ ne Sonne dunkeln,
Schwarzloch gab mir Masse,
Strom ließ meine Augen funkeln:
„Sie sind in welcher Kasse?“



Übergang 12/2018


Sauber ist das Haus, Rauhnacht kommt,
schau zurück, sei achtsam, lass los.

Zeit außerhalb der Zeit, Rauhnacht ist,
Zeit für dich und deine Lieben.
Anderwelt ist offen, Rauhnacht ist,
holt Feuer dir ins Herz.

Genieß dein Jetzt, Rauhnacht ist,
bring dein Leben in Balance.
Sei bereit für Opfer, Rauhnacht ist,
gib gern und gut, nimm.

Finde den Weg, Rauhnacht ist,
schau nach vorn, frag Mimir.
Dunkel draußen, Rauhnacht ist,
Schwarzmond bringt kein Licht.

Schließ der Angst die Tür, Rauhnacht ist,
nimm an, Liebe, Leid, Leben.
Finde deine Grenzen, Rauhnacht ist,
träum dich weit darüber.

Fütter deine Raben, Rauhnacht ist,
lausche ihnen immer gut.
Sei du selbst, Rauhnacht ist,
erhelle deine Stärken.
 
Endlich wissen, Rauhnacht war,
die Zukunft ist bekannt.

Stabreim? 01/2019


Staunend sind still wir,
stehend wird es enden.
Trotzig werden täuschen ihn,
tanzend an sie wenden.

Sturm wird steigen aufrecht,
stumm wir uns verneigen.
Herden werden höhnend spotten,
heimlich müssen sie verrotten.

Die Wärter harren wütend weiter,
würgen ab die Luft.
Der Schmerz kommt schreiend hallend,
schemenhafter Duft.

Hat‘s Sinn, wenn schocke ich mit Reimen,
könnt‘s schlimmer werden noch?
Staben wollt ich, stückweis ging‘s,
staunend las ich selbst.



End- / Jetzt- / Immerzeit 02/2019


Raum und Quanten schwingen,
sich destruktiv durchdringen,
alles wird groß, alles wird kalt,
so wird es sein, aber nicht bald.

Mein Reiten auf den Quantenwellen
zeigt die Unbestimmtheit meiner Zellen.
Meinen Spin muss ich bestimmen,
also leuchten, nicht nur glimmen.

Mit meinen gegenläufigen Frequenzen
schaff ich konstruktive Interferenzen
und so steigt die Temperatur
für dieses All ne Frischekur.

Stauch den Raum auf Planckkonstante,
später singular das nannte
und drück ihn in den Quantenschaum,
da war er weg, der ganze Raum.

Tief im Schaum, wo ich nicht schaute,
eine Knospe sich erbaute
und aus dieser, welch ein Wunder,
reift die Welt wie ein Burgunder.

Denn sie konnte nicht entstehen,
hätte ich mal hingesehen.
Chronolog sie sich nun dehnt,
Zeit sich nach dem Raume sehnt.

Dachte früher mal, ich spinn,
doch hat Quantenschaukeln Sinn.
Muss nicht mehr ums Ende flennen,
kann die ganze Welt erkennen.

Ewigkeit 03/2019


Ich hab
die Ewigkeit gekillt.

Wie hat Sie
laut gelacht.
Sie fühlt wie wir
den Zeitenschmerz,
ich konnt’s nicht
mehr ertragen.

Ich hab
die Ewigkeit gekillert.

Schreiben 05/2019


ohne Bildung schrieb ich Frei
bis ich dann studierte
kein Wort kam noch auf Papier
Bildung mich blockierte

wollt mir nicht gelingen
schöne Zeilen super metrisch
heben, senken, knitteln,
Worte klangen dreckssynthetisch

Depression dies dann negierte
war ja alles schon egal
Manifest mein Versgefühl
Reime schildern meine Qual

Morgenzauber 05/2019


Ist nicht Tag, ist nicht Nacht,
bist dazwischen ohne Macht,
feuchtes Gras, trübe Sicht,
ehe die Sonne sich erbricht.

Das Kichern des Zwerges
aus den Höhlen des Berges,
zwischen Bäumen Elfenschatten,
Fabelwesen dir gestatten,
zu betreten dieses Reich.
Augen spielen dir ‘nen Streich.

Ein Ent will seine Ruhe,
ein Kobold trägt ‘ne Truhe,
Dryaden winken aus den Bäumen
und ein Einhorn ist am Träumen.
Hier in diesem Zauber mächtig
wächst dein Wohlsein richtig prächtig.

Glückliche Gefühle rinnen,
doch der Tag will jetzt beginnen.
Sonne steigt, Nebel fällt,
holt dich in die Oberwelt.

Natur 05/2019


Sieben Buchen, eine Eiche
stehn im Wald bei einer Leiche,
wie sie rauschen, wie sie flüstern,
ein Pony öffnet seine Nüstern
und es schnattern Destruenten,
wie Heerscharen lauter Enten.

Dieser Körper hier im Gras,
weiß denn jemand, wer, wie, was?
Sie zersetzen den Kadaver
und beenden ihr Palaver.

Um die Leiche klein zu kriegen,
rufen sie auch nach den Fliegen
und nach arbeitsreichen Wochen
liegen hier nur ein paar Knochen.

Totenruhe nach vielen Jahren
stört Chantal mit Fahrradfahren
und sie sagt zu Jason Lee,
dat sin Knochen von son Vieh.


Weltformel 07/2019


Ich bin der Vater aller Branen,
ich bin die Mutter aller Strings,
ich schleife gravitativ Quanten,
ich beherrsche alle Dings.

Ihr könnt raten,
ihr könnt kalkulieren,
nicht einmal falsch
ewig weiter spekulieren.

Es wird euch nicht helfen,
es sind nur Theorien.
Zur Lösung der Probleme
nehmt Kinderphantasien.

Ihr seid gefangen,
im Denken zu reif,
sie können es besser,
sind nicht so steif.

War gerad in der Wanne,
im Spinschaum gebadet,
ne Brane um den Körper,
SuGra mir nicht schadet.

Hab hier Dimensionen mehr,
sowohl im Raum, wie auch Zeiten,
alles ziemlich kommutativ,
lachend durch die Schäume gleiten.
 
Ein Tesserakt ist nicht das Ende,
fügst du Zeitraum noch hinzu,
polymorph seine Erscheinung,
schwarze Löcher als Tattoo.


Splitter - Was ist wirklich? 09/2019


Ein Samurai, der weint.
Ein Motor, der nicht dreht.
Schmerz, der uns vereint.
Ein Blick, der nicht versteht.

Suizid als Umweltschutz,
Framing zum Verdummen,
hilfreich scheint der Frühjahrsputz,
mit Leichentuch vermummen.

Stürme, welche toben.
Autos kräftig rosten.
Worte, die nicht loben,
spießen dich auf Pfosten,

bringen dich zum Rasen,
machen aggressiv,
durchlebst alle Phasen,
fällst ins Koma tief.

Vögel ohne Flügel,
Kinder, die nicht lachen.
Essen stirbt im Kübel,
sollte man nicht machen.



Sprunggedanken 11/2019


Unbedenklich, dachte ich
und bedachte nicht,
das Denken nicht bedenklich ist.
Unbegreiflich, dachte ich
und begriff nicht,
das Greifen nicht begreifbar ist.

Unhaltbar, dachte ich
und hielt mich daran fest.
Unnachahmlich bist du nicht,
denn es gibt ja auch noch mich.
Ich zerstörte unkaputtbar,
dachte das Undenkliche.

Unvermeidlich wollt ich meiden,
um unweigerlich zu leiden.
Unabdingbar unausweichlich
scheint unsagbar unbeschreiblich.
Das Unendliche verschwand,
meine neue Welt entstand.

Ewigkeit ward nun beendet,
auch die Liebe nun verendet.
Das Gegenteil von Ewigkeit
sind die Räume ohne Zeit.
Unerreichbar diese Welt,
unbesiegt euch nicht gefällt.

Hab im Kopf verschränkte Quanten
zu gottähnlichen Verwandten.
Übergriffig zugegriffen,
hing ich später zwischen Riffen.
Ingenieur aus Wortfabrik
soeben deine Ohren fickt.

Hörte salzig, sah in Moll,
fühlte farbig, nicht so toll.
Unwahrscheinlichkeit zerlegend,
ist nicht immer sehr erhebend.
Ist nicht wahr, ist nicht Schein
oder leg ich mich herein?

Dieses quere Denken schlaucht
und der Wirkstoff ist verbraucht,
neuen Stoff zu generieren,
muss die Welt unifizieren.
Mit nur kleinen Quantensprüngen
dauerts lange zum Gelingen.

Ist unfassbar, du jetzt denkst!

Mir ein kleines Lächeln schenkst. :-)



black hole 11/2019


Die Zeit, sie ward verschollen,
an Masse angeschwollen,
verdrillt rotiert sie schnell.

Ich wollte sie umarmen,
sie ließ sich nicht umgarnen
und schwupps, da war sie weg!



Sprunggedanken 12/2019


Bin ich identitär,
weil ich mich beschwer?
Bin ich AfD,
weil ich die Scheiße seh?
Bin ich ein Faschist,
weil mir gerad nicht so ist?
Bin ich gegens Grundgesetz,
weil ich Mustafa verpetz?
An die Kirche mal gepisst,
bin ich jetzt der Antichrist?

Hatte mir das Maul verbrannt
und steh jetzt am Scheibenrand.
In der hohlen Erde
herrscht der Angstzustand,
schweben Reichsflugscheiben
aus Neuschwabenland.

Im Zwölften, der sich Zehnter nannte,
Nibiru uns zur Sonne stieß
und die ganze Welt verbrannte.
Uns dem Schicksal überließ.
Parlament- und ProletArier
wollten niemals hier die Scharia.



Putztag 01/2020


Ein mannigfaltig Haufen,
verstaubt mit vielen Schlaufen,
liegt vor mir zum Polieren,
dann fange ich jetzt an.
Ndimension
Die Sechste von dem Dutzend
entrollte ich fein putzend, 
erkannte plötzlich Tiefe, 
wo vorher keine war.

Die Neunte nun vibrierte,
was mich sehr verwirrte.
Erkannte plötzlich Dinge,
wo vorher Leere war.

Ich zog sie aus dem Haufen
mannigfaltiger Schlaufen.
Erleuchtung mich durchdringt,
Erregung macht mich zittern

und lass die Sechste fallen.
Gleich fing es an zu knallen.
Das Dutzend sich durchdringt,
das Dutzend sich berührt.

Multiversen sich entfalten,
von mir gar nicht aufzuhalten.
Perspektiven für die Räume,
selbst die Zeit ist polymorph.

Immersiv transzendentale 
Dimensionen auf der Ahle, 
kaum gebraucht das ganze Dutzend,
meist nur Viere davon nutzend.

Gern dürft ihr sie besuchen, 
auch mit Kaffee und mit Kuchen,
hab sie extra fein geputzt,
dimensionslos kaum benutzt.



Lieblingskind 04/2020


Alles tu ich nur für dich,
ich selbst bin mir egal.
Niemals lass ich dich im Stich,
ruf mich und  ich komm.
Jedes Opfer ich erbring,
weil s kein Opfer ist.
Auf der Laute dir auch sing,
wenn du es so wünscht.

Ich soll für dich durchs Feuer gehen,
bin doch das Feuer selbst.
Am Himmel so viele Sterne stehen,
bist du  der Stern für mich.

Andre spielen keine Rolle,
achte nur auf dich.
verlor lang schon die Kontrolle
auch die über mich.
Dein Lächeln wurd mein Lebenssinn,
galt anfangs nur mir,
doch dann straffte sich dein Kinn,
Kopf erhob sich hoch.

Ich soll für dich durchs Feuer gehen,
bin doch das Feuer selbst.
Am Himmel so viele Sterne stehen,
bist du  der Stern für mich.

Wurd ein Sklave deiner Gier
nach perfektem Leben,
darbte lange wie ein Tier,
wollt‘ dir alles geben.
Größer wurden deine Kreise,
leider nicht um mich,
arrogante Lebensweise
wurd für dich normal.

Würd nicht für dich durchs Feuer gehen,
strahlst nur noch Kälte aus.
Am Himmel so viele Sterne stehen,
Sternschnuppen nur verglüh‘n.


Zweifel 04/2020


Gibt es diese Welt da draußen
oder gibt es doch nur mich?
Hör ich wirklich dieses Rauschen
oder gaukelt Geist mir vor?

Interpretiere meine Welt,
wie sie meinem Kopf gefällt.
Bin ich, weil ich denke
oder denk ich, dass ich bin?

Wohin ich meine Schritte lenke,
ob es euch gibt, weiß ich nicht.
Vielleicht ich mir euch nur erdenke,
die Norne spinnt die Fäden.


Sommer 08/2020


Im Sommer ich im Garten saß
und einen roten Apfel aß.
Er war nicht mehr so ganz vegan,
so legte ich ihn nebenan.

Dieser Griebsch zog nun die Wespen,
welche seine Süße testen
und sie stürmen ihn im Schwarm.
In der Sonne wird mir warm.

Lass den Apfel den Insekten,
die ihn bis zum Stiel abschleckten.
Geh wieder ins Haus ins kühle
und genieß die Abendschwüle.


Mutters Sprache 10/2020


Ein Subjekt hielt sich versteckt
und der Ort war auch perfekt.
Es war ein ganzer Satz drumrum,
alles im Präteritum.

Nun beschreibt ein Prädikat,
was das Subjekt gerade tat.
Macht es dies gerade soeben,
kannst Präsenz als Zeit angeben.

Das Objekt hat sich gedacht,
ich bin gerad erst aufgewacht,
konnt nicht seh’n versteckt Subjekt,
passt doch super zum Perfekt.


Jyotish 11/2020


Ich dachte, du bist hinter mir
und nicht in mir drin.
Und nun bin ich es noch selbst,
wieder kein Gewinn.

Ich schubs mich in die Grube,
kalt, tief und dunkel.
Ich zieh mich selbst heraus,
Seelenkraftgefunkel.

Nun sag mir, was du wissen willst
und schau mir in die Augen!
Ich bin es leid, dein Bodenblick
und gurren, wie von Tauben.

Ich hab das Wort verloren,
das einst die Macht verlieh.
Demut mir die Sprache nimmt,
ich vor mir niederknie.

Ich greif mein Kinn,
zwing meinen Blick,
erheb mein Haupt,
trotz mir zurück.

Kein Sklaven will ich neben mir,
auch keinen Domestiken,
wir steh‘n auf gleicher Stufe hier,
acht lose Bolschewiken.

Bär, Kondor, Eule, Maus,
Fuchs, Pegasus, Kitsune
und Wolf uns meist begleiten,
Krafttiere und Kraftrune.

Zu zweit, zu viert, zu acht,
allein hat keiner Macht,
zusammen wir erdenken
Gedichte uns beschenken.


chronos 01/2021


Die Zeit scheint ein Konstrukt, 
so wie ein Viadukt, 
bringt Morgen bis ins Gestern, 
so wie zwei falsche Schwestern.

Nur wenn wir uns verschränken, 
umarmen und umschlingen, 
dann wirds uns physikalisch 
und sexuell gelingen, 
zeitlos uns zu vereinen.
Selbst Gödel würde weinen.

Schneller Sex ist nicht veraltet, 
so die Raumzeit sich entfaltet.
Lieben wir uns schnell wie Licht, 
dann vergeht die Zeit auch nicht.
Skalare Zeit im Vektorraum 
bleibt auch im Schlafraum nur ein Traum.

Doch da die Zeit zum Raum gehört, 
scheint unser Denken stark gestört.
Wir messen, stoppen, kontrollieren 
einen Wert von allen Vieren, 
kann allein nicht existieren, 
können wir nur nicht kapieren.

Die Zeit ist ein Konstrukt, 
so wie ein Viadukt, 
gehört direkt zum Raum, 
ist solo nur ein Traum.


Albtraum 02/2021


Hör in der Nacht die Glocken läuten
und ich zittere sehr stark,
muss dies nichts schlimmes gleich bedeuten,
Kälte zieht ins Knochenmark.
Erschreckt, geschockt, setz ich mich auf,
was war das an der Tür?
Ein knarrend Bellen geht durchs Holz.
Was kann ich denn dafür?

Corona oder Ordnungsamt,
wer könnte dies nur sein?
Die Quarantäne macht mich krank,
jetzt kommen sie herein.
Späne sinken satt zu Boden,
die Haustür ist im Arsch.
Gleißend Lichter mich verblenden,
die Hände hoch, marsch, marsch!

KSK, SEK
oder doch der Zoll?
Irgendwer will was von mir,
Vernehmungsprotokoll!
Stiefel stehen steil vor Augen,
auf dem Rücken knien zwei,
kann die Sache gar nicht glauben,
mein Hirn arbeitet wie Brei.

Ein Haftrichter mir verkündet,
Haftbefehl von Europol,
auf den Namen Veit Verbündet,
geboren in Sewastopol.
Susi Sorglos ist mein Name,
geboren mal in Neuss am Rhein,
kotze einfach auf die Stiefel,
Rückendruck ist gar nicht fein!

Ein Haftrichter ohne Farbe,
selbst mit Maske gut zu seh’n,
entschuldigt sich mit Hingabe,
bleibt weit von der Kotze steh’n.
Falsches Haus und falscher Name,
wir empfehlen uns, Madam!
Fühl mich fast wie eine Dame,
wische einfach weg den Schlamm.



Limerona 03/2021



Das böse Ding Corona
suchte sich als persona,
Corina und Carola,
die tranken gerade Cola
und fuhren dann zur Oma.


Mutters Sprache II


Das adverbiale Attribut
von dir, das fand ich nicht so gut,
adjektivisch wars ganz fein,
präposthum passt da nicht rein.
Dein Werk ist präpositional,
leider auch aber temporal
nicht so wirklich eindrucksvoll.
Quod cranium war schon voll.

Der Nebensatz im Genitiv,
falsch ähnlich wie, als ob ich schlief.
Partizipiert das Verb perfekt,
hast du mich im Schlaf geweckt.
Die Konjugation der Adverbien
hörte mich schreien bis Serbien.
Kurz und knapp, Deklarativsatz,
du schriebest falsch, mein kleiner Spatz.



Notverbrechen 03/2021


Gewalt! Gewalt, ich rufe auf,
den Schwachsinn zu beenden!
Der Gegendruck erhöht sich schon,
bald müssen wir verenden.

Rache! Rache, will ich haben,
die Befriedigung macht geil!
Schere, Messer, die was taugen,
ziehe ich dir durch dein Teil.

Terror! Terror, werd ich üben,
bis noch in dein viertes Glied!
Ja, ich werd euch alle finden,
Linderung für mein Gemüt.

Covid! Covid, wird nicht hindern,
dass ich dir den Pelz zerbrech!
Neben allen andern Sündern,
ich dir in die Mitte stech.

Hunger! Hunger, wird gelindert,
schlürf ich die Substanz aus dir.
Nein, du hast es nicht verhindert,
stillst nun endlich meine Gier.
 

PS: Entstand beim Öffnen einer Schnellfutterverpackung.


Prorona 03/2021


Gut der Lockdown für mich ist,
ich bin ein Sozialphobist,
doch die vielen Hochverräter
und die armen Amoktäter
müssen jetzt im Lockdown pausen,
nicht durch Menschenmengen sausen.

Auch fürs Bergdorf tief im Tal
ist der Lockdown eine Qual,
Inzest gerade aufgegeben,
lassen ihn wieder aufleben.

Was mich anfangs sehr verwirrt
bei den Schafen und dem Hirt,
der Besuch der Wolfesmeute
entsprach nicht Verordnung heute,
doch ich hatte nicht bedacht,
alle Schafe unter acht.

Selbst die Grippe konnt nicht streuen,
was wir alle nicht bereuen.
Meine Panik unter Massen
ließ der Lockdown schnell verblassen.

Entschleunigung lässt alle chillen,
mit Liebchen mal alleine grillen.
Was ich damit sagen wollte,
blast bitte ab, eure Revolte
und beendet euer Schelten,
AHA darf ruhig weiter gelten.


vergessen 03/2021


Mein Wald, mein Bach voll Worte sind,
leis in mein Ohr sie raunen.
Durch’s Dunkel schwebt die Eule weich,
sie gleitet wie auf Daunen.

Mein Geist, mein Aug die Ode seh’n,
Feder wird tintenblasser,
dutzende beschwingte Strophen
schrieb ich ins fließend Wasser.



Reimwirkung 03/2021


Ladungen geballter Reime 
dringen in meine Gebeine, 
viele klingen sogar besser
als mein dunkles Furzgeschleime.

Alle schreiben über Themen, 
welche sie als wichtig wähnen, 
orthografisch schon verstorben, 
keiner scheint sich dort zu schämen.

Selbst mein abgeklärter Blick 
findet manches dort noch schick.
Olle Sachen umgeschrieben,
bricht euch trotzdem das Genick.

Es umspielt ein leichtes Lächeln, 
Verse mir nen Reim zufächeln, 
meinen Mund beim stolperstaben 
und ich fange an zu hecheln.

Kreischend Lachen schüttelt mich, 
zerfetz zornig meinen Wisch, 
abstrus staunend glotze ich, 
schluchzend rutsch ich untern Tisch.

Die Dynamik geiler Silben, 
welche heiße Verse bilden, 
heben Blutdruck und den Puls, 
machen mich zu einem Wilden.

Alle Knöpfe ihr gedrückt, 
stummes starren voll entrückt, 
Augendrehen in Spiralen, 
ja, jetzt bin ich voll verzückt.


Liebeskraft 05/2021


Lag ewig dort, war niemals tot, 
hat mich mit seiner Welt bedroht!
Hatte mich im Grab versteckt, 
doch er hat mich auferweckt.

Wandelte in Finsternis, 
in der Seele tiefer Riss, 
denn sie wollten mich zerfetzen, 
aus der Angst wuchs das Entsetzen.

Ihn, der nicht genannt sein will, 
soll ich preisen in der Still.
Unbezwingbar unaussprechlich 
ist unendlich unbestechlich.

Ich zu Azathoth verschwinde, 
Widersinn ich nicht verwinde, 
Auch Traumgötter transpirieren, 
ich erwach auf allen Vieren.