Drachenrose

Exoten und Fantasie

Drachenerde


Offenbar mich
hier euch allen,
doch es muss euch nicht gefallen.
Trifft mich wieder
Schicksalsgicht,
schreibe ich gleich
ein Gedicht.
Aber auch an schöne Tagen
will die Feder nicht verzagen.



tolerierte Akzeptanzen (10/93)


Schwarzgemufftes Rumtata, girlgegeiltes Hahaha,
nachgesumpfte Gladiolen schleichen sich hinweg.
Kaltgestopfter Reichsverweser schaut hinab zum Uterus,
Vagina sei Dank, trotz allem,
er entflieht zum Bruderkuss.

Eichelart’ger Phallusschädel, samenhaftes Vertiko,
blaugeschmackte Eichelechse zuckt zurück.
Ich weiß nicht wo.
Wahngedanken dottersteif schwingen sich empor,
hyperbandsensible Nikotine schluchzen hinterher.

 

Stefan Striesow
ÖkoGruppe Spreewald

Langeweilegedanken (11/93)


Wer bin ich? Doch warum auch nicht?
Hier und heute stellt sich doch die Frage,
und wer wollte das bestreiten?
Getunte Augioten sagen nichts.
Ich bin, also muss ich koten!
Mutter und Vater zeugten mich,
hoffentlich hat wenigstens das Spaß gemacht.
Die Buche schlägt zurück,
wieder ein Autofahrer weniger.
Unvermeidlich - die Ökostrophe ohnegleichen.
Doch das ist es, was mich ausmacht.
Schneller denken, als sprechen,
biologisch abbaubar zu 99 Prozent - ScheissAmalgan!
Wo ist die nächste Politiker-Recycling-Anlage?
Ich fühl mich wohl...
 

K.Putt
Aktionsgruppe Volxsport

OB is O.K. (02/94)


Schwarzrotbraun dröhnt die Vision,
küsst mich hier und dort.
Lockend grinst der Steuerfraß. Autofahrermord?
Denkst du, ich will dir was sagen?
Körpersprache schmerzt mit Faust.
Glibberigrot rinnt es heraus,
strotzend lebend Saft;
ob mit Stöcken oder Steinen
irgendwann platzt jeder Kopf!
Aber wann platzt euch der Kragen?

Voll Hass ist diese Welt gepumpt,
der Deibel hat sich nicht gelumpt.
Effektive Menschizide machen wir doch selbst!
 

Gustav Geier
Institut: Pandora lebt!


Quarks 5f (03/94)


Wird mein Kind auch morgen noch
kotzen wie ein Reiher?
Schmücken weiter Melanome
die Tante Annegret?
Schmeisst mein Bruder Knut bald seine Krücken hin
und nimmt den Rollstuhl dann?

Nicht wundern, sondern wichsen -
das ist der Spruch von heut!
Was machst du denn am Wochenend?
Ich kaufe ein im Second Hand.

Im Namen des Volfes sollst du gerichtet sein,
ganz weiß hüllt ihn der Schafspelz ein.
Ganz schief die Bind, die Waage voll defekt
liegt Justitia auf dem Rücken
blutbesudelt und befleckt.

Ich hasse Autos wie die Pest,
doch sie verpesten mich.
D o o j o o d a a !
 

Traumi
das Gute lebt, ... aber wo?


35 Millionen (09/94)


Hätte ich den Jackpot
schon heute in der Tasche,
würd ich nur noch blöde tun
und streute fleißig Asche.
Die Welt ist ja sooo schlecht,
ich wäre noch viel schle(ä)chter!
 

Kunter Kinte
DSDt. Grüner Punkt für alle!

Egoman (12/97)


Es geht nicht um die Wirklichkeit,
auch nicht um Realität,
sondern um die Welt, wie ich sie sehe,
und nicht, wie ihr sie seht!

Ich will euch nur die Augen öffnen
für Nuancen, die’s nicht gibt.
Habt ihr keine Sinn dafür,
dann lasst es einfach sein.

Das Leben ist wie Karneval,
jeder Tag verrückt.
Man muss schon viel verrückter sein,
damit es einen entzückt.

 

Miro
Lebensfanclub LFC eV


der Ring der Gegenzeit (04/98)


So schnell verströmt die Zeit
und niemand hält sie auf.
Wo war mein
point of no return?
Wie ändre ich den Lauf?

Wie oft kamen die Weichen,
ich folgte unbeirrt.
Doch ging ich immer richtig?
Ich bin total verwirrt.

Out of the dark, into the light,
dies singt sich ziemlich leicht,
doch the darkness hüllt mich ein,
my brain ist aufgeweicht.

Die Kondition sinkt ab auf Null,
den Ausweg such ich jetzt.
Ich springe in die Gegenzeit
und sehe
deine Wesenheit.

Glücklich (06/98)




Kerzen leuchten warm
schau mir in die Seele
nehmen uns in den Arm
auf das uns nichts mehr quäle
Wangen werden salzig
Lippen brennen heiß
Gestammel
erreicht das Ohr

Herzen pumpen
roten Saft durch uns're Leiber
dein Keuchen
macht mich rasend
nun endlich
ist der Punkt erreicht
geben uns die Nadel.


Stillleben 02/2002


Der Mondschein schien
am Mittagstisch.
Das Essen
ist nicht mehr so frisch.

Ein Schädel
ruht schon auf dem Boden,
er thronte mal
am Tische droben.

Zerbröselt sind auch
Speis und Teller,
die Zeit vergeht nun
wieder schneller,

weil keiner ist,
der sie noch misst.
Der Mondschein schien
am Mittagstisch.


Problem (07/13)



So gern
würd ich
mich in Dir versenken
doch gibt’s da ein Problem
und das ist
mein Kopf

auch du
würdest gern mir
die Freude jetzt schenken
doch gibt’s ein Problem
denn du
hängst am Tropf


das Gespräch (??/88)


das Gespräch (vor mehrerereren Jahren) (00/88)

G: Solch einen Scheiß wollen Sie mir zurückgeben, der Wiederver­kaufswert ist ja schon unter Null gesunken! So etwas verdrecktes habe ich schon lange nicht mehr gesehen, das stinkt. Wie haben Sie in der kurzen Zeit das Ding so runterwirtschaften können? Hatten Sie einen Unfall?

M: Nur ein paar kleine Bagatellschäden,schon lange wieder repariert. Wir hätten es ja noch ein Weilchen behalten, aber das Verdeck ist kaputt, die Klimaanlage spinnt total und bekommen den Dreck nicht mehr weg.

Im Leasingvertrag stand doch drin, das wir ohne Aufpreis tauschen können, wenn uns das Modell nicht mehr zusagt.

G: Ja leider, ein Eröffnungsangebot, ich meinte damit aber nicht, das Sie das Modell selbst zur Sau machen.

Na gut, Sie können sich ein neues Modell ohne Aufpreis aus-suchen. Was hätten Sie denn diesmal für Vorstellungen?

M: Also, das Raumangebot war gut, aber ein stabileres Verdeck müßte es sein, wir hatten andauernd Sonnenbrand. Die Klimaanlage müßte mehr aushalten, haben Sie auch selbstreinigende Modelle?

G: Sie hatten doch eins, aber was zuviel ist, ist zuviel! Aber OK, also UV versiegelt, Klimaanlage, selbstreinigend können Sie haben, dort schweben ein paar Modelle.

Sie könne sich eins aussuchen, aber beim nächsten Mal können Sie sich mit Ihrem Drecksmodell begraben lassen.

M: Jaja, ist schon klar. Oh, das sieht ja Spitze aus, ein Superblau, UV versiegelt, Klimaanlage auf jedem Platz vierfach verstellbar und selbstreinigend, Super, das nehmen wir!

Wie heißt es denn?

G: Modell “Erde”!
erde







Parabelfabel (12/95)


Einst traf das BöseSelbst das GuteIch und trat es in den Putt. Da schwoll der Putt an und wurde so groß wie das GuteIch. Nun trennten sich beide und weil der Putt ein K aufaß, entstand daraus das Kaputt. Das GuteIch aber sprang vor Wut dem BösenSelbst auf den Rücken und kämpfte so lange mit ihm, bis sich das Böse vom Selbst trennte. Das GutIch nahm das Selbst auf und wurde zum GutenIchSelbst.

Doch das Böse begegnete dem Kaputt und nachdem sich beide zum BösenKaputt addierten, kam eine Potenz des Weges und transformierte sie zum Chaos.

Seitdem: Jedesmal, wenn das GuteIchSelbst sich Selbst vergisst, dann wird es gleich ein Chaos.

Zustandsbeschreibung (03/2014)


Die Idee der Aneinanderreihung von halbwegs passenden Songtexten kam mir beim Autofahren. Nein, ich habe diese Lieder nicht so geschnitten und auch noch nie so gehört. Die Quellenangaben stehen unten, nicht dass ich noch ne Plagiatklage kriege oder so etwas.
 

Man spricht ja nicht über Gefühle,
höchstens mit Ärzten und so,
man lässt ja nicht jeden gern wissen,
wohin der Puls rast und wieso.

Der Tag bricht an, es klopft an deine Tür,
du machst auf, da steh ich ohne Kopf vor dir.
Ooh, halt mich fest, weil ich mich sonst verlier,
nur mit dir find ich den Weg zurück zu mir.

Ich weiß nicht, wer ich bin, wo soll ich denn noch hin?
Ich habe Angst, es ist tief in mir drin.
Manchmal wein' ich leise,
kannst du mich verstehen?

Um das hier zu versteh'n,
braucht es Hirne und Herzen
von nie da gewesener Größe,
braucht es Tränen und Schmerzen.

Doch wir haben Angst vor der Liebe,
denn es gibt nichts in diesem Leben,
was man tun kann, um sich gegen sie zu wehren.
Wir haben Angst vor der Liebe.

Der Mond und der Schlaf und die Einsamkeit,
wissen über uns Bescheid.
Ich hab soviel gehört und doch kommts niemals bei mir an, 
das ist der Grund, warum ich nachts nicht schlafen kann, 
wenn ich auch tausend Lieder vom Vermissen schreib,
heißt das noch nicht, dass ich versteh,  warum dieses Gefühl für immer bleibt.

Doch ich trag dich, unter meiner Haut. 
Ich behalt dich, unter meiner Haut, 
ganz egal wie lang es brennt, 
ganz egal was jetzt noch kommt.

Ich bin allein und träume nur
und versinke ganz im Leid
Engel fliegen einsam
Ich weiß, es geht dir ganz genauso,
was hast du mit mir gemacht?
Du und ich gemeinsam.

War alles gleich nur doppeltief,
das war das Jahr in dem ich schlief. 
Weißt Du wirklich wer ich bin,
wie ich denke, wie ich fühle?
Liebst Du mich, weil ich es bin
oder weil ich Dich belüge?

Und nun schaut euch diesen Idiot an:
Baut sich 'ne Sandburg und trampelt sie platt!
Und kann dann selber nicht begreifen,
was er angerichtet hat.

Es kommt so anders, als man denkt
Herz vergeben, Herz verschenkt
Komm zu mir, wir beide, wir schaffen das schon
Dann ist alles gar nicht, gar nicht so schlimm
Wir beide kriegen das schon irgendwie hin

Ich würd' dich gern morgen seh'n,
wenn's das gäbe, wär das schön.
Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh'n
und dann werden tausend Märchen war.
 

Quellenangabe in Reihenfolge des Vorkommens:

Jupiter Jones - Rennen u Stolpern; Peter Fox  - Kopf verloren; Purple Schulze  - ich will raus 99; Jupiter Jones - und dann warten; Maxim - Angst vor der Liebe; Selig - wir werden uns wieder sehen; Jupiter Jones – still,
Elif - unter meiner Haut; Joachim Witt - hey hey; Christina Stürmer - Engel fliegen einsam; Jupiter Jones - das Jahr in dem ich schlief; Böhse Onkelz - ich bin in Dir; Maxim - meine Worte; Selig - Ohne dich; Klee – wir  beide; Jupiter Jones - und dann warten; Zarah Leander - es wird einmal

alles anders 09/14


Schau dich an,
mein Gesicht tränennass.
Wer
hat dir das angetan?
Wie warst du prall und rund,
so voll und so gesund.
Alle begehrlich schauten
und sich um dich hauten,
auch ich
war scharf auf dich.

Jetzt sieh dich selbst,
so spack und ausgezehrt.
Wer
hat dich so gerupft?
Was bist du schmal und leer,
hast keine Masse mehr.
So blank lass mich in Ruhe,
ich pack dich in die Truhe,
hab von dir genug,
du Scheiß Kontoauszug!


der 6. Prim 04/15


Um Dreizehn steht an einem Hügel,
davon wird ihm furchtbar übel,
denn der Hügel ist nicht klein
und Dreizehn kann nicht größer sein.

Er blickt sich um, ganz fragend.
Er hielt sich stets für überragend.
Dies war schließlich sehr erlabend.
Traurig ging er in den Abend.

Jetzt schlägt's dreizehn, ruft der Prim,
doch wir lassen ihn
jetzt zieh'n.


lieber Hören?  

die Maus 08/2015


Es war einmal vor langer Zeit
ne Maus im Wald, der war es kalt.
Das lag am Schnee, der lag sehr breit.
Das war einmal vor langer Zeit.

Der Schnee lag breit, die Winde wehn,
die Nacht war schwarz, sie konnt nichts sehn,
auch nicht die liegend lauernd Katz
mit ihrer krallbewehrten Tatz!

Der Maus im Wald war es erst kalt,
dann heiß mit Kralle durch den Leib.
Das war einmal vor langer Zeit
oder gerade eben.



Zeit und Du 12/2015


Gibt es wirklich Zeit und JeTzT?
Und vergeht sie schnell zerfetzt
oder ist nicht ohne Ende JeTzT;
weil JeTzT ist immer!?

Stimmt schon, alles was war,
war auch mal JeTzT.
Doch war und ist und ist und war,
kann ich drehen ohne Gefahr,
aber Zeit doch nicht!?

Und JeTzT schon gar nicht,
weil JeTzT ist immer!?
Im Kopf
wird’s immer schlimmer,
denn wenn
ich drehe ist und war,
wärest du
noch hier und da.
Auf jeden Fall
gehst du nimmer,
weil JeTzT ist immer!



Ende gut 02/2016


Nachts, als ich das Dunkel trank,
da verschwand die Eine.
Ich hatte keinen Durst
und war doch so alleine.

Tags, als ich ins Becken brach,
da tauchte Einer auf.
Der Hunger war vorbei,
wir machten einen drauf.

Mittags, als ich starb,
hat jeder mich gemieden.
Ein Licht stand hoch im Himmel
und alle war’n zufrieden.

Im Dämmern bin ich auferstanden,
das Licht ging seinen Weg..
Den durstigen Hunger spürt ich nicht,
genieße dieses Privileg.



Bergischer Februar 02/2016


Wann wird es endlich mir gelingen,
dem Wetter Freude abzuringen?
Draußen ist es kühl und nass,
daran find ich keinen Spass.
Kann hier keine Wiesen sehen,
weil sie unter Wipper stehen.

Kühl und feucht so miteinander
liebt doch nur der Salamander,
würde ich ein Solcher sein,
könnte ich mich also freu’n.
Doch als Mensch geh ich ins Haus,
sitze dieses Wetter aus.

Warte auf die Affenhitze,
bis ich wieder richtig schwitze,
wenn der Wetterfrosch sagt heiter,
schimpfe ich im Sommer  weiter.



Blockade 02/2016


Sitze hier
am leeren Blatt,
die Erkenntnis
drückt mich platt.

Habe nichts,
was lohnt zu schreiben,
Finger
aneinander reiben.

Doch was soll’s,
die Feder flitzt,
Worte
tief in Stein geritzt.

Genial und unnormal
üb ich heute mal Verzicht
und ich schreibe
einfach nicht!



Schöpfung 03-11/2016


Ich bin allein und träume nur,
und ich atme Zeit!
Hier gibt es NICHTS auf weiter Flur,
zur Schöpfung bin bereit.
Ich träume nur, die Zeit vergeht,
wie schaffe ich Raum?
Ich denk es nur und er entsteht,
das war aber leicht.

Es war ganz leicht und tat nicht weh,
zu Machen, dass die Welt entsteh.
Doch ich kann es euch beschwören,
leichter ist’s, sie zu zerstören!

Die Energie ernährt den Raum
und er expandiert,
Quarks geht als Hadron ins Bett
und wird seziert.
Die Energie verwandelt sich,
die Hitze geht,
Teilchen werden immer mehr,
Materie jetzt entsteht.

Es war ganz leicht und tat nicht weh,
zu Machen, dass die Welt entsteh.
Doch ich kann es euch beschwören,
leichter ist’s, sie zu zerstören!


Strahlung, Materie gleichen sich aus,
die Sicht wird klar.
Aus Materie werden Sterne riesengroß,
Verglühen als Supernova!
Sternhaufen wachsen zu Galaxien,
Planeten ballen sich,
Riesensterne verstrahlen Energien
und umkreisen sich.

Es war ganz leicht und tat nicht weh,
zu Machen, dass die Welt entsteh.
Doch ich kann es euch beschwören,
leichter ist’s, sie zu zerstören!


Und mit der Zeit, die ich geschaffen,
entsteht das Wunder Leben
in aller Form zu Wasser, Land und Luft.
Hab noch keinen Geist gegeben.
Es strebt zum Licht und frisst sich auf,
ich schau nur zu, ändere nicht den Lauf.
Saurier und Säugetier
hatten stets die gleiche Gier.

Es war ganz leicht und tat nicht weh,
zu Machen, dass die Welt entsteh.
Doch ich kann es euch beschwören,
leichter ist’s, sie zu zerstören!

Doch die Saurier mussten sterben,
Säugetiere durften erben.
Als der Mensch dann intelligent
hatte ich dies glatt verpennt.
Also konnt ich Euch nur geben,
den freien Willen zu erstreben.
Bei manchen hatt es funktioniert,
andre blieben so vertiert.

Es war ganz leicht und tat nicht weh,
zu Machen, dass die Welt entsteh.
Doch ich kann es euch beschwören,
leichter ist’s, sie zu zerstören!

Jahrmillionen in fünf Strophen
schaffen keine Philosophen,
doch wie will ich sonst beschreiben
euer unerträglich Leiden.
Denn mit eurem freien Willen
dürft ihr euresgleichen killen.
Würde ich dies unterbinden,
würd ich euch damit entmündigen.

Es war ganz leicht und tat nicht weh,
zu Machen, dass die Welt entsteh.
Doch ich kann es euch beschwören,
leichter ist’s, sie zu zerstören!


Zeit gestohlen? 05/2016


Zeit erschien mir ohne Sinn,
denn sie verstreicht so vor sich hin.
Ja, ich weiß, man kann sie messen,
doch nur im Jetzt und dann vergessen.

Ich hab dann mal die Zeit zerfetzt,
alles war auf einmal jetzt.
Orgasmen, Schläge, Zärtlichkeiten
ohne Zeit sich auszubreiten.

Ich hab gestöhnt, geschrien, gelacht,
alles auf einmal jetzt gemacht.
Es tat so weh!
Es war so schön!
Ich bin tot und gerad geboren,
völlig abstrus und sehr verloren.

Die Erinnerung in Flammen
nicht mehr in der Zeit verhangen,
knallte mir den Schädel weg.
Zeit hat also einen Zweck!

Ich begann schnell neu zu weben,
Zeitkonstrukte schön zum schweben
und begann damit zu retten
alle die kausalen Ketten.


Warten II 06/2016


Ich wart auf dich schon viele Lenze
hier auf der grünen Weide,
doch kommst du nicht, lässt mich allein.
Der Abend kommt wie Seide.

Ich wart auf dich, ich liebe dich,
doch du lässt mich leiden,
ich hab gehofft, du liebst mich auch,
mein Leid ließ sich vermeiden.

Ich wart auf dich, ich brauche dich,
nur du bist mein Leben
und kommst es zur Vereinigung,
wirst du mir alles geben.

Ich wart auf dich, ich kenn dich nicht,
will doch nur bei dir sein,
wenn wir uns dann begegnet sind,
bist du nie mehr allein.

Ich wart auf dich am Wegesrain,
dein Schritt mich dann erwecke.
Ich freue mich und spring dich an,

ich bin eine Zecke.


Hab's versucht 07/2016


Es trug mich nicht und schlug mich tief,
wieder ein Jahr, in dem ich schlief,
wär ich nämlich wach gewesen,
würdet ihr jetzt glatt verwesen!

Nun neigt doch endlich euer Haupt
und werft euch vor mir in den Staub.
Genial steh ich auf hoher Stufe,
ihr habt zu flitzen, wenn ich rufe.

Hab den Gipfel überschritten
und nun steh ich hier inmitten
dieser Masse tumber Toren
mit blinden Augen, tauben Ohren.

Glaubt an mich, ich will euch retten,
will euch in Samt und Seide betten,
bring das Heil für eure Seelen,
niemand wird euch jemals quälen!

Doch euch fehlt allein der Glaube
und so drückt ihr mich zu Staube,
wie ein böses Ungeheuer
werft ihr mich ins heiße Feuer!


Hexentraum 09/2016


Seh im Wald nen Hexenkreis,
oh Sausewind und Tattergreis,
wandre vorsichtig nun weiter,
schnell nach Haus, wär wohl gescheiter,
doch im hellen Tageslicht
kommen doch die Hexen nicht?!

Wer kommt dort mit roten Haaren?
Ein Maid in jungen Jahren,
ihre Augen Hexenzauber,
bin im Kopf nicht mehr ganz sauber.
Sie spricht, freut mich, dich zu sehn,
komm lass uns doch zu mir gehn.

Hab dort feine Bio Sachen,
die im Kopfe glücklich machen.
Lächelnd bleibt sie vor mir stehen,
kann nur in ihre Augen sehen,
muss die Lippen mir befeuchten,
ihre Hexenaugen leuchten.

Sie dreht sich um und geht von dannen,
verschwindet in den dunklen Tannen.
Ich kann überhaupt nicht denken,
gar nicht meine Schritte lenken.
Bin im Tann, ihr hinterher
und mein Kopf ist völlig leer.

Dort bei ihr ist s wie bei Mutter,
es gibt leckres Bio Futter,
ein wenig Small Talk so am Rande,
festigt unsre lockren Bande,
doch ich spür das dunkle Saugen,
welches kommt aus ihren Augen.

Sie ist sehr nett anzusehn,
wir immer besser uns verstehn,
freute mich schon auf die Nacht,

leider bin ich aufgewacht.


Moos 12/2016



Das Moos ist grün,
das Blut ist rot,
der Himmel blau
und du bist tot.

Du liegst hier auf dem grünen Moos,
die Augen groß und weit
und neben dir liegt eine Ros.
Das tut mir herzlich leid.

Geschehen ist es heute Morgen,
die Sonne war schon hell,
die Eltern waren was besorgen
und dann ging es sehr schnell.

Du warst so jung und unerfahren,
so frisch in diesem Leben,
doch dieses birgt so viel Gefahren,
so ist es nun mal eben.

Keine Zeitung wird berichten,
wie dieser Mord geschah,
nur ich tu ihn bedichten.
Es ging mir ziemlich nah.

Bist nur aus dem Nest gefallen,
recht sanft ins grüne Moos,
doch die langen Katzenkrallen
gaben den Todesstoß.

Das Moos ist grün,
das Blut ist rot,
der Himmel blau
und du bist tot.



frisch 01/2017


Mag mich heute gar nicht bücken,
oh, wie schlimm zwickt‘s mir im Rücken
doch mit dem kaputten Knie
komm ich auf den Boden nie.

Rotz tropft aus der dicken Nase,
unten tröpfelt’s aus der Blase.
Auch das Halloweengesicht
gefällt mir gerad im Spiegel nicht.
Gelber Schleim sitzt tief im Rachen,
oh Gott, was soll ich denn nur machen?

In den Hals stopf ich ne Zwiebel,
Schleim stirbt ab, doch mir wird übel.
Der Doktor muss die Spritze zücken
und die sticht er in den Rücken.
Hol die Krücken aus dem Keller
und dann lauf ich wieder schneller.

Soll es aus der Nas nicht laufen,
werd ich einfach weniger saufen
und gegen die gelben Flecken
muss ich mir ne Binde stecken.
Aus meinem Zauberfarbenkasten
tu ich mein Gesicht entasten.

Drei Tabletten für den Job,
manchmal ist’s dort ziemlich grob.
Schaff es pünktlich fünf vor Neun
auf der Arbeit frisch zu sein.


flatline 09/17



Ich war so schlapp, ich war so müde,
ganz ohne Energien,
nur noch Kohlendioxide,
mein Herz blieb einfach steh’n.

Ich dachte noch, das kann nicht sein
und war doch einfach tot.
Nicht Energieverlust allein,
auch Masse die verflog.

Ich weiß auch nicht, wie es geschah,
war nun ein Tachyon,
war plötzlich überall ganz nah.
Ich wurde Zeitspion.

Mal iso- und mal polymorph
sah ich die Tori kreisen,
nur dort, wo alle sich berührten,
sie auf 5D verweisen.
Fraktum
Vielleicht war’s auch ein Kollapsar,
ich selbst war diachron,
Erscheinung einfach wunderbar
mit jenzeitigem Ton.

Die Tori selbst, gerollte Branen,
schafften nur die Vierte,
doch könnt es sein, ihr könnt’s erahnen,
dass dieser Raum gelierte !?

Zeit floss in allen Dimensionen
fraktal, gestaucht, mal linear,
gelegentlich in Abstraktionen,
nicht gerad‘ berechenbar.

Ich sprang umher in Überzeit,
gern gestern und dann morgen,
verlassen hat mich dann mein Schneid,
Fraktum wird mich entsorgen.

Mein Bremsen ließ ne Sonne dunkeln,
Schwarzloch gab mir Masse,
Strom ließ meine Augen funkeln.
„Sie sind in welcher Kasse?“



neue Weltformel - 10/2017



Ich wollt es nicht, ich wollt es nie,
doch Vakuum ändert seine Energie.
Dies tut es gerade nicht spontan,
ich machte es mir untertan
und in Jetztzeit gleich synchron
wurde ich zum Tachyon.

Lief der Jetztzeit schnell davon,
ich empfand es antichron.
Im Rückwärtsgang konnte ich schauen,
wie die Goten Römer hauen,
wie die Erde den Mond verschluckt,
aus sich heraus die Theia spuckt.

Ich sah so viel, beschreiben kann ich’s nicht,
irgendwann gebremstes Licht,
schlüpfte schnell in einen Knoten,
erhöhte dort die Spin-Schaum-Quoten,
fand einen String zum Ausprobieren,
musste mich erst mal orientieren.

Sause durch den Twistorraum,
erkenn im Schaum den Spinor kaum.
Betrete Räume ohne Zeit,
fast schon macht sich Stasis breit,
zum Glück war ich autochron,
komme schadlos noch davon.

Find eine Welt mit Dimensionen,
in welcher keine Wesen wohnen.
Vakuum auf Hochniveau
setz ich runter sowieso.
Um meinen Zeitzustand zu senken,
muss ich erst ins Black Hole lenken.

Aus White Hole flieg ich, Tardyon,
in eine neue Welt davon.
Mach sofort Riesenkrawall,
starte den Vakuumzerfall,
als endlich weg das Weltraumfieber,
find ich mich hier am Schreibtisch wieder!




Totenlied 01/2018


Ich hab dich gesehen,
ich bin dein Zeuge
deines Wandelns auf der Welt,
doch nun bist du
von uns gegangen,
auch wenn uns dies nicht gefällt.

Die Zeit mit dir
war intensives Leben,
von dem jetzt nur noch Trauer bleibt.
Niemals werde ich
dich je vergessen,
obwohl es Tränen in die Augen treibt.

Vielleicht geht es dir
jetzt sogar besser,
keiner weiß es so genau.
Zum Glück weine ich
jetzt nicht alleine,
wenn ich einmal um mich schau.

Sollte ich später selbst
auch einmal sterben,
wünsche ich mir dieses Lied.
Zur Versenkung meiner Urne
tief im Loch,
wo es nicht so zieht.


Ich & das Ding 07/2018



Das Ding dort ist, 
ob ich es sehe oder nicht, 
es weiß dies nicht.

Ich bin, 
ob du mich siehst oder nicht, 
ich weiß es.

Wie du bist, 
ob ich dich sehe oder nicht, 
weiß ich nicht. 

 

Wenn du das Ding dort bist, 
ob ich euch sehe oder nicht, 
weißt du, das du bist.

Das Ding, das du siehst, das bin ich, 
ob du uns siehst oder nicht, 
ich weiß es.

Wie wir sind, 
ob du uns siehst oder nicht, 
weißt du nicht.

 

Wenn du das Ding dort nicht bist, 
ob ich euch sehe oder nicht, 
wer ist das dann?

Wenn du das Ding dort nicht bist, 
dann kannst du auch mein Ding nicht sehen, 
bin ich das Ding dann noch?

Wenn ich das Ding nicht bin, 
bin ich dann noch ich, 
wusste ich noch nie.