Drachenrose

Weltverbesserer

Beginn

Drachenrose


Manch Gedanke
in der Nacht
hat mich um den Schlaf gebracht.
Kam er in der Tagessonne
schrieb ich ihn auf
mit voller Wonne.




Grundlage aller dieser Zeilen ist ein  dekadent optimistischer Realpessimismus mit permanentem Wirklichkeitsbezug.

Der Tod (11/95)

Henker
Und wenn es heut auch anders ist
als an den and’ren Tagen.
Denk nicht, das Dich der Tod vergißt,
auch Dir geht’s an den Kragen.

Grad deshalb ist es wunderschön,
das einzig nackte Leben.
Warum soll ich denn von hier gehen,
den Abschluss schon anstreben?
Ich frage mich (doch ziemlich selten),
kommt gar nichts hinterher?
Ein Idealist lässt das nicht gelten,
ist Engel sein nicht mehr?

Für mich selbst (ist schon entschieden),
ich eile als Photonenstrahl
nach meinem Tode durch das All
und schau, ob’s andern schlimmer geht.
Das interessiert mich, ihr versteht.
Den Tod, ihn fürcht ich nicht,
das Leben ist gemeiner!
Doch vor dem Dazwischen ist mir bang,
man stirbt heut viel alleiner.

Miro
Selbstbestimmung durch Selbstverbrennung

Rezept (12/00)

Sonnenschmerz fühlt mein Herz.
Schlechte Welt nicht gefällt.
Lieg im Schnee, Kopf tut weh.
Seelenpein,
Witt muss rein
und auch die Lakaien.

Fell versengt, Herz gesprengt,
große Not, Vertrauen tot,
Nur genarrt, Liebe starb.
Ganz allein
Seelenpein,
Witt muss rein
und auch die Lakaien.


Worte2 (04/02)


Worte
können schmerzen
Worte
können scherzen
Worte
lassen dich erröten
doch Worte
können töten
mit Worten
machst du Politik
um Worte
geht`s im Krieg
für Worte
gibt`s den Sieg
gebrauch sie mit Bedacht
Worte geben Macht

spricht Väterchen zu seinem Sohn,
ein kaltes Grinsen ist sein Lohn.
Eh Alter, du und deine Psalme
bringen mich langsam auf die Palme.
Ins Ohr die Stöpsel,
so wie immer,
verlässt der Sohn
wortlos das Zimmer
und genießt total beknackt
Worte
in Musik verpackt.


mein Schatz (06/13)


Es läuft, es fließt, die Feder kratzt
auf schmutzigem Papier.
Der Kopf, er schüttelt Silben raus,
ein schlimmes Wortgetier.

Die Hand agiert, der Finger schreibt,
es fügt sich Satz für Satz.
Zum Schluss steht dort ein Ungetüm,
trotzdem mein größter Schatz.

Angst (07/13)


Jetzt habt ihr mich umzingelt,
geh weinend in die Knie,
bedecke meine Augen,
schreie wie ein Vieh.

Den Nacken tief gebeugt,
erwarte ich eure Prügel,
passieren tut noch nichts.
Mir wird trotzdem übel.

Blinzle durch die Hände,
Stiefel stehen dort,
bereit mich zu zertreten.
Ich will hier nur fort.

Die Stille macht mir Angst.
Ich will hier nur weg.
Die Stiefel bleiben stehen,
rühr’n sich nicht vom Fleck.

Hab jetzt aufgegeben,
schau euch ins Gesicht
und seh das erste Mal
in euren Augen Licht.

Das mich wärmt und hält,
das mich liebt und schützt
und frage mich allmählich,
wem meine Blindheit nützt.

Wie bin ich jetzt? 07/2015


Schon wieder
zittert meine Feder
krakelig übers Papier.
So wollte
ich es nicht,
husch husch zurück
auf Anfang,
ihr törichten Gedanken.

Doch,
was einmal
los getreten;
das holst du nicht mehr ein!
Und nun
umschwirren
meckernde, lachende,
keckernde, schmachtende Gedanken
meinen Kopf.

Also
geh ich raus
in die Sonne
und lasse sie
verglühen.


also doch 11/2015


Erblicke ich dies süße Mädel,
qualmt mir gleich der ganze Schädel.
Auf der Zunge hab ich Schlieren,
kann kein Wort mehr formulieren.

Schaut sie mich noch lächelnd an,
schlägt´s mich ganz in ihren Bann.
Mein Puls rast, dann geht er runter,
schlaf ich oder bin ich munter?

Frag ich meinen Therapeuten,
was hat dies nur zu bedeuten,
grinst er nur und sagt zufrieden,
auch Autisten können lieben!



Therapie 08/2016


Gibst du Wörter mir zum Spielen,
kann ich schon beim Hören fühlen.
Wirfst mir hin die Dämmerstunde,
konter ich mit Lebensrunde.
Blau ist kühl und geil ist prall
und so werfen wir den Ball,
alle Assoziationen,
welche in den Köpfen wohnen.

Mir machts Spaß und du musst deuten,
gehörst ja zu den Therapeuten.
Dieses Spiel läuft über Wochen,
also muss ich darauf pochen,
du sollst mich hier therapieren
und nicht meinen Kopf sezieren!
Hilf mir, mein Problem zu lösen,
sonst kann ich auch ne Stunde dösen!

Deine Augen sehr betroffen,
erklären mir nun ziemlich offen,
sanft gepolstert soll mich betten,
denn ich wär wohl nicht zu retten.
Dieses Köpfchen, noch mit Haaren,
lebt in seinen letzten Jahren.
Oktophren sei mein Verhalten,
das heißt, ich sei aufgespalten.
Doch sie scheinen sich zu kennen,
da sie um die Wette rennen.

Leg rechts den Blauen auf den Tresen,
links greift zu, wie nichts gewesen.
Nick mir zu, ist nicht so wild,
erheb mich … vor dem Spiegelbild.




Winter 01/2017

Winterwäldchen

Nun ist sie da, die neue Welt,
er hat es doch vollbracht.
So ruhig, still, entspannend schön,
gestaltet über Nacht.

Bis in späte Mittagsstunden
hat er dafür Zeit gefunden.
Das, was ich seh, das ist perfekt,
alles unter weiß versteckt.

Dies macht mich leise und bedächtig,
ja, er ist schon ziemlich mächtig.
Seine imposanten Horden
kamen diesmal aus dem Norden.

Ich kann nur ein paar Krähen hören,
dies tut mich nicht weiter stören.
Hier im Wald geschah sein Wille,
er herrscht absolute Stille.


Abschiedsdank 01/2017


Was hab ich mit Gevatter Hein gepokert manches Spiel,
auch wenn Gevatter stets verlor, gelacht haben wir sehr viel.
Jetzt hält Hein mich fest im Arm,
fühl mich geborgen, mir ist warm.

Zwar geht’s mir heftig an den Kragen,
doch wollt ich nochmal danke sagen,
allen Menschen die ich gerne kenne.
Erwartet nicht. das ich jetzt flenne.

Es war schön, den Weg mit euch zu gehen,
wie es weiter geht? Ich wird es sehen.
Mein Leben so im Nachhinein
hätt können gar nicht schöner sein.

Ich musste niemals Hunger leiden
und konnte mich stets frei entscheiden.
Ich durfte zwei Mal Leben geben
und musst es niemals jemand nehmen.

Ach wie gern, würd ich jetzt lachen,
und übers Leben Witze machen,
doch die letzten Zeiteinheiten
sollten Demut stark verbreiten.

Sterben manche mit einem Winseln,
verkneif ich mir ein freches Grinsen.


Seufzer 01/2018


Hier ist ein Wäldchen,
dort ein Bach,
neben dem Hügel
geht es herab.

Das ist mein Wald,
das ist mein Bach,
das ist mein Hügel,
geh in mein Tal herab.

Hier will ich lachen,
hier will ich leben,
möchte auch nichts
anderes anstreben.

Es stehen auf dem Hügel
Eichen, Fichten, Buchen.
Warum sollt ich fürs Leben,
was schöneres noch suchen?


Lebenstraum 07/2018


Sitze nackig auf dem Baum, 
in der Ferne tanzt mein Traum.
Muss jetzt durch die Lüfte gleiten 
meinen Traum zu mir zu leiten.

Seh mein Traum noch viel ferner 
und es wird schon wieder wärmer.
In den dunkelkalten Massen 
kann mein Traum doch nur verblassen.

Will ihn aber mir erhalten, 
also darf er nicht erkalten. 
Tu die Lippen mir befeuchten 
und mein Traum beginnt zu leuchten.

Auch beginnt er jetzt zu schweben, 
unter mir vibriert ein Beben. 
Ohne Schwingen muss marschieren 
oder Reiten auf den Tieren.

Und ich eile, spüre, hetze, 
meinem Traum nach mit Gewetze, 
durch das Leben mit Gerase, 
plötzlich platzt die Seifenblase!

Schaue auf den blassen Schaum, 
denn nichts andres war mein Traum, 
still beginne ich zu wimmern, 
wusste stets in meinem Innern,

auch wenn wir uns für sie zerfetzen, 
sie das Leben nie ersetzen!


Appetit / Völlerei 03/2019


Hatte die Nacht getrunken
und brach den Morgen aus.
Ganz tief im Grau versunken,
starb der Sonne Opfertod.

Teilte mittags unser Brot,
der Tränenfluss versiegte,
schon am Abend war ich tot.
Wie sollt ich’s Leben lieben?

Schützend Hände über mir
konnten nicht bewahren
diese wilde Lebensgier.
Ich kaute leere Erde.

In der Stille stirbt mein Wille,
fühllos in den Dunst getrieben,
ohne Sicht auch meine Brille,
gefühlsblind durch das Leben.

Fein zerstäubte Wassermassen
tosen laut um mich herum,
lassen jede Sicht verblassen,
schalten jede Regung stumm.

Habe nun den Tag gefressen
und kotzte Rache aus.
Altes Leiden nun vergessen,
vergaß mich selbst …

zehrte mich auf.

..
.

Hatte mich schon fast verzehrt,
da fiel’s mir plötzlich ein.
Hatte mich noch nie verehrt,
jetzt fress ich mich, oh nein!

Nahm endlich jetzt das Leiden an
und lernte zu genießen.
Durch Leid ich wieder lieben kann,
es kann mich nicht verdrießen.


Fürbitte 08/2019


Ich streif durch meinen Wald allein,
wollt niemand mich begleiten.
Der Wind streift durch die Kronen fein,
er kann auf ihnen reiten.

Dunkel wird es unter Buchen,
Eichen lassen dir das Licht,
solltest du mal Leichen suchen,
unter Eichen sind sie nicht.

Dicht an dicht schießen die Birken,
Kiefern haben es hier schwer,
Ahorne wie Unkraut wirken,
Eschen wachsen hier nicht mehr.

Die Skelette von den Fichten
sind bedrohlich anzusehen.
Wasser fanden sie mitnichten,
starben ab und blieben stehen.

Hier im Boden tobt das Leben,
Insekten, Würmer und Myzel,
muss bei jeden Schritt erbeben,
sind vom Wald die gute Seel.

Höre das Bölken einer Fähe
und das Fiepen einer Ricke.
Die Rotte Schwarzwild in der Nähe
bricht nur kurz durch meine Blicke.

Sehe, wie die Krähen treiben
Milanpärchen weg vom Nest,
Sperber werden zu Zielscheiben,
Krähen feiern Schützenfest.

Lasst sie wachsen, wuchern, moosen,
überbordene Natur,
sollte überall so tosen,
wie in meinem Wald und Flur.


Wiederkehr 09/2019


Ich ließ mich durch das Leben treiben,
wie ein Eichenblatt im Wind.
Manchmal wollt es mich zerreiben,
stückweis war ich selber blind.

War zu allen Andern nett,
half auch immer gern,
schlief auch schön in meinem Bett,
hielt von Streit mich fern.

Oh, wie hab ich es genossen,
alles lief ganz einfach so,
doch dann haben sie geschossen
und ich wurde nicht mehr froh.

Ich bedachte jeden Schritt,
fünf vor, ein seitlich, drei rück,
bekam stets einen Tritt.
So wurde ich verrückt.

Das Leben wurd zum Minenfeld,
ich sprang darauf umher,
nur der bleibt lebend auf der Welt,
der fliegt, doch bitte quer.

Dem steten Sturme trotzend,
wollt ich stehen wie die Eiche,
mit meinem Umfang protzend,
nicht vor euch erweiche.

Doch euer Missgunst Säure
fraß sich in den Boden,
spart euch die Axt, die teure,
fiel um, wie unter Drogen.

Entästen, entrinden, verbrennen,
bloß nichts davon verwerten.
Niemals soll mich jemand kennen.
Eure Handlungen - die verkehrten!

Meine Ideen, meine Keime
sind schon lange unterwegs.
Hier zum Beispiel mal als Reime
gehn euch weiter auf den Keks.



Superheld 11/2019


Ich geh, ich lauf
und zieh mein Schwert,
Gegner sich beiseite ducken,
ich mach nichts verkehrt.
Hör schon wieder diese Stimme:
… pa … stich …

Zieh die Edeldame heftig zu mir,
nur zu ihrem Schutz,
warm schmiegt sie sich an mich,
purer Eigennutz.
Hör schon wieder diese Stimme:
… pa … hau …

Dieser Angriff kommt von hinten,
spring neben die Zeit,
Gegner sieht nur große Leere,
bin jederzeit bereit.
Hör schon wieder diese Stimme:
  pa … kill …

Unverletzt an einer Tafel,
schenkt dem Liebchen ein.
Ihr Antlitz wird mein Augentrost,
seh mein Töchterlein.
Hör schon wieder ihre Stimme:

P a p a, i c h   w i l l   K a k a o!



resilent? 01/2020


Ich bin stark,
ich steh im Leben,
ich bin frei,
Panzer geschlossen,
Selbstvernichtung läuft.

Ich bin schwach,
ich steh im Wald,
ich habe Angst,
Wunden öffnen sich,
Selbstheilung läuft.

mea corpus 04/2020


Ich bin mit dir zufrieden,
hast immer gut gedient,
selten gab ich dir Frieden,
hast selten nur gemurrt.
Oh, wie hab ich dich geschunden,
alle Grenzen war’n erreicht,
doch du hast’s gut überwunden,
bin selbst am Wundern noch.

Doch ich muss dich heute loben
du Frucht des Mutterleib’s,
du hieltest mich stets oben,
egal wie du traktiert.

Messer, Nadeln, scharfe Klingen
sind stets gut verheilt
und du kannst sogar schön singen,
trotz des Qualms und Teer.
Stopfte dich mit Zucker, Fett
und du gingst nicht auf.
Strengste Vitamindiät
ließ dich nicht erweichen,
schön auf Kante meist genäht,
bist irgendwie knallhart.

Doch ich muss dich heute loben
du Frucht des Mutterleib’s,
du hieltest mich stets oben,
egal wie du traktiert.

 Selbst das Oberstübchen läuft,
kann sogar noch lachen,
hab‘s oft mit Alkohol ersäuft,
Zwang zum Hirnurlaub.
Nach Verwüstung der Gefühle,
hast du noch funktioniert,
im Kopf nur noch Nacktgewühle,
das schwarze Loch rotiert.

Doch ich muss dich heute loben
du Frucht des Mutterleib’s,
du hieltest mich stets oben,
egal wie du traktiert.

Knochen, Fleisch und die Gelenke
kann ich täglich spüren.
Ich dir kaum Gedanken schenke,
wohin soll’s noch führen?
Filtern, saugen, brennen, drücken
läuft von ganz allein,
gelegentlich tut’s mich entzücken
und so dank ich fein.

Endlich tu ich dich mal loben
du Frucht des Mutterleib’s,
du hieltest mich stets oben,
egal wie du traktiert.


Leben erlaubt 05/2020

Mein Leben lebt mich einfach so,
hatte noch niemals die Kontrolle.
Doch was sollt mich daran stören?
Wir haben uns nicht in der Wolle.

Es läuft, es flutscht, es plätschert so,
mal unten und mal oben.
Grundsätzlich ich gesegnet schein,
bin biophil nicht -phoben.

Unerschüttert Urvertrauen
lässt mein Leben laufen.
Warum soll ich schmieden noch?
Will mein Glück nicht kaufen!

Nehm mein Geschenk vollständig an,
ich schau ihm nicht ins Maul.
Viel länger ich genießen kann,
zum Neiden viel zu faul.

~Du bist auf der Welt, um zufrieden zu leben, nicht um enttäuscht zu sterben~


Spiel im Wald 05/2020

Heute bin ich ohne Farben,
der Tag verläuft sich so,
fang den Anschiss, steck ihn weg,
reißt trotzdem an meinen Narben.

Wölfchen zieht mich in den Wald,
natürlich will sie spielen.
Das machen wir, das brauchen wir,
wir sind noch nicht zu alt.

Wölfchen springt durchs Unterholz,
der Häher kreischt Alarm.
Durch Blätter säuselt leis der Wind.
Der Wald hat seinen Stolz.

Wieder da sind alle Farben.
Wars der Wald, wars das Spiel?
Ich die Farben wieder fühl
und muss nicht mehr darben.


der Schrei 07/20


Die Welt bleibt in den Fugen,
durch die er sich gerad zwängt.
Hört sich zwar komisch an,
er fühlt sich meist beengt.

Wohnt seit Jahren in den Höhlen,
hat sehr dünne Haut.
Leuchtet, wenn es dunkel wird,
vor Menschen es ihm graut.

Schaut auf diese Menschenwelt,
Liebe, Kriege, Neid und Tod,
Abgründe der Menschlichkeit.
Der Mond verfärbt sich rot.

Manchmal fließt ein Bach der Trauer
stöhnend tief ins Tal,
fangen Schwäne an zu singen,
spürst du ihre Qual?

Söldner suchten oft schon dort
mit Waffen, Drohnen, Hunden,
kriegten ihn niemals zu fassen.
Blindtaub sind die Gesunden.

Er tönt hier wie Urgewalt
und wird dort leise stumm.
Schon ewig läuft die Jagd auf ihn,
nichts bringt ihn wirklich um.

Durch uns er niemals ruhen kann,
immer muss er weiter,
Missgunst, Hader, Eifersucht
quält wie gelber Eiter.

Ich wünsch es ihm und träum davon,
komm bald, du schöne Zeit,
dass er mal länger ruhen kann,
der Schrei nach Gerechtigkeit!


ein Lächeln 07/20


Dieser Abend lacht dich aus,
bringt kein Licht mehr in das Haus.
Bist allein unter den Massen,
Erinnerungen verblassen.

Schwere Nacht macht es nicht besser,
schneidet tief mit scharfem Messer.
Kannst nicht mehr auf Fühlung gehen,
denn sie würden s nicht verstehen.

Auch der Tag kann dich nicht heilen, 
tote Leere will verweilen.
Keine Schmerzen und kein Fühlen,
die in deinem Körper wühlen.

Leere Blicke auf das Leben
sind ein ohnmächtiges Schweben.
Suchst am Morgen keinen Sinn,
scheint ein Nichts tief in dir drin.

Alles tröpfelt über Wochen
tiefer in die müden Knochen,
ist schon so was von normal,
ist für dich gar keine Qual.

Ein Lächeln, das von Herzen kommt,
lässt dich sanft erwachen.
Das Leben wieder spüren kannst
und auch wieder lachen.


dein Weg 08/20


Es führt hier ein breiter Pfad,
aufwärts, talwärts, eben,
mit Sonne, Schatten, Dunkelheit,
frohjauchzend durch das Leben.

An den Rändern Karneval
oder schöne Wälder,
dufte Kumpel, nette Mädchen
ziehen durch die Felder.

Der Pfad, er ist hier schmaler,
steinig, matschig, zerklüftet,
doch gut noch zu beschreiten
und immer gut belüftet.

An den Rändern die Fabriken
und viele Maschinen,
dort die alten Kumpel schuften,
müssen Mammon dienen.

Der Pfad, nur noch ein Grat,
zwischen Berg und Kluft,
nur Mühe und viel Qual
in dieser dünnen Luft.

Ränder hier nur noch diffus,
hier ist man nur allein,
wieso warum ist keine Frage,
mehr Pein kann es nicht sein.

Jeder trägt den Pfad in sich
und wählt ihn täglich neu.
Such den richtigen Pfad aus
und bleib dir einfach treu!


Lebensmitte 08/20


Im Norden stand der Atem still,
Polarlicht flackert hell.
Am Nadir war es wieder leicht,
das Herz schlug ziemlich schnell.

Im Osten sich die Haare spreizen,
der Mandelkern vibriert.
Am Zenit fehlt das Gleichgewicht,
Schwindel sich nicht verliert.

Im Süden schmerzt der Magenkrampf,
lässt Mimik gleich erstarren.
Im Westen dröhnt der Schädel schwer,
der Schmerz möchte verharren.

So bleibt nur dieser Mittelpunkt
um glücklich gut zu leben.
Nun schau Dich um und finde ihn,
dies sei Dein erstes Streben!


läuft 11/2020


Wir laufen, wir eilen,
wollen niemals verweilen.
Wir trinken, wir saufen,
wollen niemals verschnaufen.
Wir essen, wir fressen,
sind völlig besessen
von Haben und Wollen,
wir sollten uns trollen, nicht grollen.

Wir rasten, wir rosten,
vom Leben nur kosten.
Augenblicke genießen,
die andre verdrießen.
Wir sitzen, wir warten,
wollen niemals mehr starten.
Wir liegen, wir lieben,
wir wachen, wir lachen, wir machen.

Wir greinen, wir weinen,
wollen uns vereinen.
Wir zaudern, wir zaubern,
wollen niemals erschaudern.
Wir feiern, wir feten
im Dorf und in Städten.
Wir weben das Leben
für jeden ein Regen voll Segen.



lass es zu 07/21


Bedächtig, ganz spontan,
Entschluss in späten Jahrn,
erwachsen sein ab jetzt,
die Zukunft nicht zerfetzt.

Angstvoll, achtsam, aggressiv,
nie wieder alleine schlief,
alle aus mir solln agieren,
werden uns schon durchlavieren.
Keiner darf mehr schelten,

Frieden - herrscht nur selten.

geheilt 08/21


War schon ewig am Sortieren,
Million Stücke zum Drapieren,
waren früher mal ein Ich,
heute glücklich fürchterlich.

Ja, du warst so schön von ferne,
sonnte mich in deiner Wärme,
wollte mit dir fusionieren,
gingen zart am Meer spazieren.

Unser nettes Strandgeplauder
erzeugt einen Fieberschauder,
tiefer wird der Dialog,
der uns in den Himmel hob.

Als wir dann zusammen lagen,
spürt‘ ich‘s Brennen deiner Narben.
Las sie aus, wollte es wissen,
dieser Schmerz hat mich zerrissen.

Diese Narben in dem Körper
zeigen mir die mordend Wörter,
die darin verschwunden sind,
trotzdem lieb ich deinen Grind.

Unsre Liebe, heiße Flammen,
schweißt mich wieder neu zusammen,
leer bleibt nun der Tränenteich,
ziehen ein ins Königreich.


Schierling 09/21


Vor mir auf dem Tisch der Becher,
der erste Schluck war widerlich.
Heute, jetzt, soll ich mich entscheiden,
hatten sie verlangt.

Ist kein Trank für einen Zecher,
das Zeug hat einen grässlich Stich.
Zucker wird dies übertünchen,
Früchte noch dazu.

Vor mir auf dem Tisch der Becher,
in Fantasie wird’s fürchterlich,
leere ihn mit einem Zug -
nehm mein Leben an!

Träume 10/21


Als ich mal im Spinschaum tauchte
und die Raumzeit kräftig stauchte,
stieg empor dort eine Blase,
dehnte sich wie in Ekstase.

Vier Branen waren ausgestreckt,
weitere hielt sie versteckt.
Konnte nicht so viel erkennen,
ließ die Zeit dann schneller rennen,
siehe da, es wurde Licht,
doch begriffen hab ich ’s nicht.
Stuppste hier und hauchte dort
in den eigenart’gen Ort,
brems die Zeit und lieg mich nieder,
hatte leichtes Quantenfieber.

Später öffne ich die Augen
und ich kann es gar nicht glauben,
was vor meinem Antlitz schwebt,
Multiversen – fein gewebt.

Eistanz 11/21


Brauch gute Gedanken,
nicht geifernde Wut,
ich setz mir selbst Schranken,
bricht nicht meinen Mut.

Nebeling bringt endlich Frost.
Im Kopf, da fahren Panzer,
Ketten klingeln unter Rost,
brauch Regenbogenpflanzer.

Draußen lobt der Frost den Boden,
ich mich stumm dazu gesell,
in den depressiven Roben
kommt es nun zum Geistduell.

Wutgedanke im Erstarren,
Eiseskälte kräftig packt,
schnell entkräftet, kurz verharren,
klirrend nun zu Grunde sackt.

Tanze auf den Wutkristallen,
Pirouettenpogo sanft,
versuch, nicht darauf zu fallen,
lache laut und unverkrampft.

Framing oder Neusprech 12/21


Im Anschlag liegt er mit der Büchse,
ob Partisan, ob Heckenschütze,
den Toten ist es scheißegal,
für ihn natürlich ein Fanal.

Ein Partisan kämpft für sein Land.
Der Terrorist bricht Widerstand,
auch wenn er nicht vorhanden,
der Journalist hat es verstanden.

Karim Aman wohnt in Herat
und tötet ’nen US Soldat.
Für uns zählt er als Terrorist,
der gegen westlich Werte ist.

Ronny Meyer aus Marzahn
erschlägt einfach Jens mit Span.
Dresd’ner jubeln, Partisan,
bess’re Zeiten brechen an.

Doch ich glaub in beiden Fällen,
reziprok Berichtserstattung,
besser nicht den Medienquellen,
falsch geführte Menschengattung.

Wunschtraum 12/21


Endlich bin ich
grenzenlos unendlich,
umhüllt von schützenden Unendlichkeiten,
in Euch, mit Euch,
glücklich – Wir.



ohne Gier 01/21


Als ich mich konstituierte,
nach dem wahren Leben gierte,
durchbrach ich manche Schranken,
spürte soziale Pranken.
Aus den Steinen auf dem Weg
baue ich mir einen Steg
durch den tiefen Lebenssumpf,
gönne euch nicht den Triumph.

Kraftvoll schreite ich erhoben,
eure Blicke stets am Boden,
auf das Ziel total verkrustet
und erkenne dort gefrustet,
unter Knochen liegt das Gold,
hab ich niemals so gewollt.
Diesen Mammon wollen alle,
doch es ist nur eine Falle!

Diesen Reichtum nicht ersehne!
Was zum Beißen für die Zähne,
in Gemeinschaft Bierchen trinken,
mit dir in die Koje sinken,
reden über Gott und Welt,
auch ’ne Arbeit, die gefällt,
sicher schlummern hier im Raum,
reicht mir aus als Lebenstraum.

Empathie 01/22


Deinen Zorn zieh ich auf’s Schild
gehärtet aus den Tränen
uns’rer Sehnsucht unstillbar,
der Zorn zerfließt als Schemen.

Deine Liebe schlürf ich in mich,
vergeude kein Karat.
Atme tief dein Lächeln ein,
für ewig aufbewahrt.

bedeutsam 03/22


Dein Leben soll bedeutsam sein,
du möchtest etwas gelten?
Leg in den Nacken deinen Kopf
und schau auf ferne Welten.

Was du hier tust, wer du hier bist,
ist diesem All egal!
Es strahlen die Novae auch,
wenn du liegst im Regal.

Doch wenn du deinen Kindern gibst
Liebe und auch Respekt,
vielleicht wird dann ja doch was d’raus,
bedeutsam ausgecheckt.


Widerstand 03/22


Nimm doch ab mir diese Fesseln!
Ich vermisse meine Flügel!
Sitz hier tief in gift’gen Nesseln.
Flaches Leben bringt mir Übel.

Brauch Düfte in den Nüstern,
möchte über Wellen gleiten,
immer dieses ängstlich Flüstern,
missbehagt beim Wolkenreiten.

Dieser Fluss aus Wutkaskaden
gibt den Fesseln ihre Kraft,
wird durch Hater aufgeladen,
hält mich in der Einzelhaft.

Spür endlich die Ketten splittern,
steig auf, spüre Lebenshiebe,
in mir wächst ein großes Zittern.
Hass stirbt aus durch uns’re Liebe.


empor 04/22


Ich trieb durch die dunklen Passagen,
auch Töne war’n rar in der Gruft,
Erinnerung an die Blamagen,
geschubst in die teilende Kluft.

Hast mich aus der Tiefe gezogen,
mich gerettet, leichenblass,
hast die Schuld nicht abgewogen,
mich bewahrt vor gelben Hass.

Blicke auf die Scheidewege
- grausam stetig bis zum Schluss -
wenn den Neid ich weiter hege,
wird das Leben kein Genuss.

Lass uns mit der Liebe schreiten,
nackt und bloß, ganz ohne Rock,
dieses Leben aufbereiten,
erzeugt einen heilend Schock.


Zwiestreit 06/22


Ich wandele im Eichenhain
und höre leise Stimmen.
Die alten Götter flüstern leis,
das Feuer könnt’ noch glimmen.

Ich werf mich nieder in den Staub,
das Haupt trotzig erhoben.
Viel Blut an euren Händen klebt,
warum soll ich euch loben?

Erzürnt, erbost kommt Widerspruch,
so sei es nie gewesen!
Mensch starb stets durch Menschenhand,
Götter nur Herrschaftsthesen.

Der Mensch den falschen Göttern folgt
und stürzt so ins Verderben,
denn der Besitz von Geld und Macht
erzeugt viel Blut und Scherben!

Ich fach das Feuer wieder an,
jetzt reinigt diese Welt!
Die Antwort prompt, ist euer Part,
wir fühlen uns verprellt.


wer wen? 06/22


Gehäutet lag das Feld.
Warm strahlte die Sonne.
Vergebens Milan kreiste.
Nacktes Feld bin ich!

Kopflos flog das Huhn,
gerupft von der Magd.
Blut tropfte aus das Feld.
Gerupftes Huhn warst du!

Ergrünt liegt das Feld,
dicht überwuchert.
Huhn legte kein Ei!


funktioniert 07/22


Küsse deine feuchten Wangen
und erkläre unbefangen,
würd’s auch heulend mit dir machen
und schon fängst du an, zu lachen.

Ratschlag 07/22


Lebe dein Leben, sei nicht perfekt,
auch andere wollen lachen.

Vergiss die Nabelschau, vergleiche nicht,
lebe.

Triff Entscheidungen, auch falsche,
korrigiere gelegentlich.

Lebe den Augenblick. Was war, ist unkorrigierbar.
Was kommt, entsteht jetzt.

Sterbe lachend, nicht für Dich,
sondern für die nach Dir.


Löcher 07/22


Starre dunkle Löcher in die Nacht,
sie füllen sich mit Leiden
und werden gelb.
Tatze diese Löcher in den Trog,
sie jammern hochtönend
und werden still.

Knete, hetze, indoktriniere
sie zu abgrundtiefem Hass
und forme Pfeile.
Spanne meinen Bogen kraftvoll auf,
suche verabscheuungswürdiges Ziel,
lass Pfeile schwirren.

Spüre harte Treffer im Rücken,
zieh den gelben Hass tief in mich
und löse ihn auf.


Starre helle Löcher in die Nacht,
sie füllen sich mit Lachen
und dehnen sich …

spring hinein,
lass mich treiben.

Glücksbringer 08/22


Ich breite meine Schwingen aus
und schweb durch eure Träume,
begeistert, lachend, hoffnungsvoll,
manchmal nur dunkle Räume.

Ich öffne meine Lippen leicht
küss zärtlich eure Kehlen.
Ich wünsch mir eure Träume feucht,
um sie euch dann zu stehlen.

Mit warmen Fingern fahr ich lieb
entlang an euren Hüllen,
um Glücksgedanken sacht und zart
holdselig aufzufüllen.


Augenkrampf 09/22


Starre leidend in die Nacht,
hatte mich doch aufgemacht,
mich nach innen zu befrieden,
sollte halt noch weiter üben.

Dieses in die Nacht Gestarre,
schon seit Stunden so verharre,
scheint die Nacht zu irritieren,
sie beginnt ganz leicht zu frieren.

Langsam zieht sie sich zurück,
kontrolliert aus meinem Blick.
Nichts fixiert, verschwomm’ne Sicht,
bemerke ich den Abgang nicht.

In der Morgendämmerung
kommt mein Kreislauf in den Schwung.
Auch mein Blick wird wieder klar,
endlich nehme ich es wahr,

Lichtkind glänzt im Morgenschein,
wäscht mir das Gewissen rein.
War bis heut für Schönes blind,
hoffnungsvoll gluckst Metakind.